03. Mai 2018 / 19:36 Uhr

Labbadia: "Es sind viele Dinge beim VfL Wolfsburg zusammengekommen"

Labbadia: "Es sind viele Dinge beim VfL Wolfsburg zusammengekommen"

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bruno Labbadia war und ist beim VfL Wolfsburg als Aufbauhelfer gefragt. 
Bruno Labbadia war und ist beim VfL Wolfsburg als Aufbauhelfer gefragt.  © Boris Baschin
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Der Trainer gibt in Sachen Ursachenforschung beim VfL Wolfsburg  besorgniserregende Einblicke - So lief Tag zwei im Kurz-Trainingslager in Teistungen. 

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Wenn Bruno Labbadia mit einer Fußball-Mannschaft in ein Kurz-Trainingslager fährt, bedeutet das meist nichts Gutes. Das war bei seinem Ex-Klub, dem Hamburger SV und vereinsgewordenen Bundesliga-Chaos der jüngeren Vergangenheit, so. Das ist jetzt mit seinem aktuellen Klub, dem VfL Wolfsburg und vereinsgewordenen Bundesliga-Chaos der aktuellen Saison, so. Es droht der Abstieg, das belastet die Stadt, den Klub – und den Trainer.

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Entsprechend ratlos, weil schuld- und hilflos, wirkt der 52-Jährige manchmal, wenn er sich in Sachen Ursachenforschung beim so kriselnden Klub versucht. „Wir drehen uns im Kreis. Ich muss immer wieder Dinge erklären, die vor mir passiert sind“, sagt er. Deswegen tue er sich da auch so schwer, Gründe zu liefern.

VfL Wolfsburg, Freiburg und Mainz 05: Restprogramm im Vergleich

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„Durch die Umstrukturierung wurde im Kader ein komplett neuer Kern gebildet“, erklärt Labbadia, wie er die Situation vorgefunden hat. Und, wie er sie nun, zehn Wochen nach seiner Amtsübernahme von Vorgänger Martin Schmidt, anpassen konnte: nämlich nur moderat. Von den harten Fakten her hat sie sich eher sogar noch verschlimmert.

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Die Punkteausbeute (im Schnitt 0,67) hat sich im Vergleich zum Schweizer (1,18) verschlechtert, der Klub steht ohne Sportliche Leitung da und die Verletztenliste (Labbadia: „Dieser neue Kern war drei, vier oder fünf Monate verletzt. Da spielen diese Spieler natürlich auch nicht die Rolle, die ihnen zugedacht war“) ist ähnlich lang.

"Es ist nichts zusammengewachsen"

Für diese Voraussetzungen kann Labbadia teilweise nichts, sein Wirkungsbereich ist entsprechend stark eingeschränkt, doch seine ehrliche Einschätzung, „dass hier nichts zusammengewachsen ist in dieser Phase“ macht große Sorgen. „Weil es aufgrund all der Geschehnisse auch nicht passieren konnte. Hier sind einfach viele, viele Dinge zusammengekommen“, erklärt der Coach, „aber auch das werden wir heute nicht mehr verändern“.



Stichwort Veränderung. Unabhängig davon, dass die Person (ein neuer Geschäftsführer) dafür immer noch fehlt, lassen sich die Planungen für die kommende Saison mit der unklaren Ligazugehörigkeit natürlich nur schwer vorantreiben. Gerade in Sachen Transfers. „Das ist ja der Nachteil von Vereinen, die zu lange im Keller mit drin hängen, da gehen einem schon ein paar Spieler durch die Lappen“, so Labbadia, der Verständnis dafür aufbringt, dass potenzielle Neuzugänge den Ausgang erst mal abwarten wollen. „Aber auch danach ist da noch genug Zeit.“ Jetzt gehe es nur um das Wichtigste, „die Klasse zu halten“, macht Labbadia klar.

Taktikschulung in Teistungen

Was den Wolfsburgern in dieser Hinsicht noch bleibt, ist, einerseits darauf zu hoffen, dass die Konkurrenz (allen voran Verfolger Hamburger SV) noch schlechter ist. Und andererseits, dass die letztmöglichen Rettungsmaßnahmen – wie das kurzfristig anberaumte Krisen-Trainingslager in Teistungen – doch noch irgendwie greifen. Am Donnerstagmorgen ging es zunächst in einer längeren Besprechung um taktische Dinge, wozu Labbadia verschiedene Videosequenzen vorbereitet hatte. Vor dem Mittagessen folgte noch ein Spaziergang, ehe nach der Mittagsruhe am Nachmittag die einzige Trainingseinheit auf dem Gelände des Thüringenligisten FC Wacker 14 Teistungen stattfand.

Dabei stand auch Daniel Didavi nach seinen Achillessehnenproblemen wieder auf dem Platz, genauso wie Keeper Koen Casteels, der die beiden Tage zuvor wegen einer Sehnenreizung in der Schulter mit dem Mannschaftstraining ausgesetzt hatte. Am Abend verfolgte die Mannschaft dann die Halbfinals in der Europa League vor dem Fernseher – Kontrastprogramm zur aktuellen Situation in Wolfsburg...