13. Januar 2016 / 02:58 Uhr

Landesfußballverband plant Absprung in den Westen

Landesfußballverband plant Absprung in den Westen

Jürgen Rönnau
Lübecker Nachrichten
Joachim Masuch, Präsident des Landesfußballverbandes Mecklenburg-Vorpommern.
Joachim Masuch, Präsident des Landesfußballverbandes Mecklenburg-Vorpommern. © Sophie Pawelke
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Chef Joachim Masuch wirbt für Wechsel in den Norddeutschen Fußballverband / Schönberg und Neustrelitz in Regionalliga Nord?

Rostock. Nächsten Mittwoch spielt der FC Schönberg 95 auf der Lohmühle gegen den VfB Lübeck – auf Augenhöhe, denn beide Klubs sind Regionalligisten, aber doch nur zu Testzwecken und in aller Freundschaft. Denn Lübeck spielt in der Nord-Staffel, Schönberg im Nordosten. Punktspiele, echte Derbys – ausgeschlossen! Das könnte bald anders werden. Denn der Landesfußballverband Mecklenburg-Vorpommern (LFVMV) bereitet den Absprung in den Westen vor.

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Seit Monaten schon ist MV-Verbandspräsident Joachim Masuch (65) als Diplomat unterwegs. Die Mecklenburger seien am 15. April 1905 schließlich zusammen mit Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen Gründungsmitglied des Norddeutschen Fußballverbandes (NFV) gewesen, argumentiert er: „Unsere Tradition ist fest verankert im norddeutschen Verbandsgebiet, auch die Mentalität unserer Mitglieder ist norddeutsch geprägt.“ Im Zuge der Fußball-Wiedervereinigung 1990 hatte es bereits einen ähnlichen Vorstoß gegeben, war aber am Veto des damaligen DFB-Präsidenten Hermann Neuberger gescheitert. Masuch: „Es ist an der Zeit, sich seiner Herkunft und Geschichte zu besinnen und eine Rückkehr in den seinerzeit mitgegründeten Verband anzustreben.“

Tatsächlich sind die Mecklenburger und Vorpommern willkommen im NFV. Vizepräsident Hans-Ludwig Meyer berichtet: „Wir haben das Thema für uns intern intensiv im September in Malente diskutiert und sehen den Beitritt sehr positiv. Auch die Präsidenten der drei anderen Landesverbände würden den Beitritt der einstigen Mitbegründer begrüßen.“ Gerade erst am Sonnabend am Rande des Hallen-Masters in Kiel war Masuch ein gern gesehener Gast, war das Thema wieder akut. Auch der designierte DFB-Präsident Reinhard Grindel war zugegen. Schon am Freitag sieht man sich wieder – diesmal mit der gesamten NFV-Spitze.


Natürlich wissen alle Beteiligten, dass der formale Weg für einen Verbandswechsel eingehalten werden muss. Die LFVMV-Mitglieder müssten Masuch den Auftrag erteilen, einen entsprechenden Antrag zu stellen, der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) müsste MV „freigeben“, der NFV sie formal aufnehmen. Und auch der DFB müsste seinen Segen geben. Soll das alles schnell gehen, müsste bis zum DFB-Bundestag am 3./4. November ein Antrag vorliegen.

Zur Saison 2017/18 könnte dann Vollzug gemeldet werden. Die praktischen Folgen: Der FC Schönberg und die TSG Neustrelitz – derzeit die einzigen NOFV-Regionalligisten aus der Region – müssten in die Regionalliga Nord integriert werden. Ebenso die entsprechenden Frauen- und Jugendteams, deren Zahl aber überschaubar ist.

„Für Schönberg gebe es aber noch eine andere Möglichkeit“, erklärt Meyer. „Im Zuge unseres neuen Systems des ,fexiblen Spielbetriebes’ könnte Schönberg wegen seiner geografischen Lage auch allein den Antrag stellen, in den SHFV aufgenommen zu werden. Wenn der LFVMV dem zustimmt, sehe ich da große Chancen.“

Vor 13 Jahren hat der FC diesen Schritt allerdings schon einmal versucht – und ist gescheitert. Meyer: „Das waren andere Zeiten, da hatten wir im Verband noch eine ganz andere Führung . . .“