18. August 2020 / 14:01 Uhr

Landesklasse West im Check: Urgesteine und Umbrüche

Landesklasse West im Check: Urgesteine und Umbrüche

Stephan Henke und Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Jubel Michendorf, SG Michendorf - Eintracht Glindow, Landesklasse West, 2. Spieltag, Saison 19/20, Michendorf, Foto: Benjamin Feller
Chris Siebert (r.) war vergangene Saison der beste Torschütze (17 Tore) der Landesklasse West. © Benjamin Feller
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Landesklasse West: Die Zahlen und Fakten zur neuen Saison.

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Nach der unfreiwillig langen Pause durch die Coronavirus-Pandemie startet am Wochenende wieder der Ligaspielbetrieb auf Landesebene. Erste Spiele haben die Teams von der Landesliga aufwärts bereits im AOK-Landespokal bestritten, für die Mannschaften der Landesklasse West wird es allerdings in den allermeisten Fällen das erste Pflichtspiel seit März sein. Insgesamt acht der 17 Mannschaften aus der niedrigsten Liga auf Landesebene kommen aus Potsdam und näherer Umgebung, vor dem Saisonstart beleuchtet der SPORTBUZZER die Zahlen und Fakten zu den einzelnen Teams:

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14 Spielzeiten in Serie startet der Teltower FV inzwischen in der Landesklasse. Damit ist der TFV in der West-Staffel das Landesklasse-Urgestein, kein aktuelles Team spielt länger ununterbrochen in der Liga. Wobei es die West-Staffel erst seit der Fußballkreisreform 2014 gibt. Zuvor waren die Teltower in der Mitte-Staffel einsortiert. Und für zwei Spielzeiten (2014/15 und 2015/16) traten die Teltower Auswärtsfahrten in die Oststaffel an, wo sie 2015 den dritten Platz belegten. In der abgebrochenen Spielzeit 2019/20 landeten sie nach Anwendung der Quotientenregel auf Rang sieben. Trainer Holger Wünsche macht eine „Aufbruchstimmung“ beim TFV aus und Frank Lange sieht sein Team gut aufgestellt: „Von der Qualität her gesehen, haben wir schon voriges Jahr keine schlechtere Truppe gehabt als Alt Ruppin“, sagt der Sportliche Leiter mit Blick auf den Vorjahresmeister.

31 Tore erzielten Chris Siebert und Kevin Wüstenhagen vorige Saison in 17 Spielen. Das Sturmduo der SG Michendorf war damit am treffsichersten, belegte Platz eins und zwei in der Torjägerliste der Liga – Siebert netzte 17-mal ein, Wüstenhagen kam auf 14 Treffer. Beide bleiben dem Team erhalten und wollen nun mit weiteren Toren dazu beitragen, dass die Michendorfer nach Platz drei in der vergangenen Saison erneut an der Spitze mitspielen.

In Bildern: Die Trainerwechsel vor der Saison 2020/21 in Brandenburg.

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29 Jahre ist der Altersdurchschnitt im Kader des ESV Lok Potsdam. Damit zählt die Mannschaft von der Berliner Straße zu den reiferen Teams der Liga. Zum Vergleich: Die Spieler der SG Michendorf sind im Schnitt vier Jahre jünger. Die Erfahrung und mehr Breite im Aufgebot sollen helfen, gut zu punkten. Nach der Spielzeit 2018/19 mit akuten Abstiegssorgen stabilisierte sich das ESV-Team während der vergangenen Saison, landete auf Rang acht. Bis zum Zeitpunkt der Spielbetriebsunterbrechung lief es gut, sodass die Lok nach der Corona-Pause nun wieder kräftig weiterdampfen möchte.

1 Tor, mehr gelang dem ESV Lok Seddin jeweils in fünf der sechs Testspiele dieses Sommers nicht. Nur in einer Partie trafen die Seddiner doppelt, aber ein Sieg sprang während der Saisonvorbereitung nicht heraus. Die Baustellen im Team – zu wenig Offensivpower und eine instabile Defensive – wurden deutlich. Sie bestanden schon vorige Saison, die das Team nach Anwendung der Quotientenregel letztlich auf dem zehnten Platz abschloss. Ralf Gutschmidt soll als neuer Trainer an der Lösung der Probleme arbeiten und möglichst zum ersten Mal für Seddin einen einstelligen Tabellenplatz in der Liga herausholen.

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4 Mal wurde die SG Bornim seit dem Aufstieg in die Landesklasse 2013 schon Vierter – es war die jeweils beste Platzierung für den ehemaligen Oberligisten. Auch in der abgebrochenen Saison 2019/20 landete die Mannschaft des Trainerduos Mathias Alex/Janko Müller auf dem vierten Tabellenplatz. In der kommenden Spielzeit könnten die Bornimer womöglich einen noch etwas höheren Platz anpeilen, „ich sehe uns schon in der Lage, zusammen mit Golm, Nauen und Michendorf oben mitzuspielen“, sagt Trainer Mathias Alex. Wobei die Testspiele nicht sonderlich gut liefen, gegen Brandenburgligist Werderaner FC setzte es sogar ein 0:10.

2 zweite Plätze holte Grün-Weiß Golm innerhalb von drei Jahren, so auch in der vergangenen Spielzeit. Diese Konstanz in der Tabelle wollen die Potsdamer in dieser Saison noch einmal steigern – was nur die Meisterschaft bedeuten kann. „Auch wenn es eine sehr gute und ausgeglichene Liga ist, sollten wir uns nicht scheuen zu sagen, dass wir Meister werden wollen. Häufig sind ja genau die Mannschaften aufgestiegen, die auch gesagt haben, dass sie Meister werden wollen“, sagt Trainer Robert Stielow.

In Bildern: Eintracht Alt Ruppin siegt bei Blau-Gelb Falkensee mit 3:1 vom Elfmeterpunkt.

Im Duell zweier Aufsteiger behielt die Eintracht (schwarze Trikots) nach 120 torlosen Minuten auf dem Blau-Gelb-Sportplatz die Nerven. Torwart Daniel Borrmann entschärfte gleich zwei Elfmeter der Hausherren und beförderte seine Alt Ruppiner damit in die nächste Pokalrunde. Zur Galerie
Im Duell zweier Aufsteiger behielt die Eintracht (schwarze Trikots) nach 120 torlosen Minuten auf dem Blau-Gelb-Sportplatz die Nerven. Torwart Daniel Borrmann entschärfte gleich zwei Elfmeter der Hausherren und beförderte seine Alt Ruppiner damit in die nächste Pokalrunde. © Marius Böttcher

17 statt wie üblich 16 Teams treten in dieser Saison in der Landesklasse West an, da es coronabedingt keine Absteiger, aber trotzdem Aufsteiger aus der Kreisoberliga (Blau-Gelb Falkensee, Eiche Weisen und MSV Neuruppin II) gab. Deshalb hat jeder Verein einmal in der Hin- und einmal in der Rückrunde spielfrei. Am ersten Spieltag trifft es die Potsdamer Kickers, deren Saison damit erst eine Woche später losgeht. „Damit kann ich leben“, sagt Trainer Thomas Welskopf, der mit seiner Mannschaft vergangene Saison Platz fünf belegte.

9 Neuzugänge verzeichnet Eintracht Glindow vor der neuen Saison, acht Spieler haben den Verein dagegen verlassen, genau wie Trainer Edgar Hecht. Der Umbruch bei den Glindowern, die nach dem Aufstieg vor zwei Jahren direkt Tabellenzweiter wurden, in der abgebrochenen Saison allerdings nur auf Rang zehn landeten, ist gewaltig. Leistungsträger wie Benjamin Kasper, Laszlo Kovacs (beide Werderaner FC) oder Torwart Louis Geske (SV Kloster Lehnin) haben den Verein verlassen, für die Eintracht gehe es nur um den Klassenerhalt, sagt der Sportliche Leiter Christian Jäger: „Wir hatten nach den letzten Jahren eh vor, Veränderungen herbeizuführen. Das haben wir auch gemacht, sie sind nur größer ausgefallen als gedacht. Das hing weniger mit dem Trainerwechsel, sondern vielmehr mit den unterschiedlichsten privaten Gründen zusammen.“