06. Mai 2021 / 15:05 Uhr

Wer darf in den DFB-Pokal? Ein schwieriges Unterfangen!

Wer darf in den DFB-Pokal? Ein schwieriges Unterfangen!

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
22.08.2020, Brandenburg, Luckenwalde: Fußball: Pokal Brandenburg, SV Babelsberg 03 - Union Fürstenwalde, Finale, im Werner-Seelenbinder-Stadion. Spieler und Betreuer von Fürstenwalde bejubeln den Pokalsieg. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Der FSV Union Fürstenwalde kann in Brandenburg noch auf die Titelverteidigung hoffen. © Soeren Stache/dpa
Anzeige

Frisierte Starterfelder, Gericht kippt Thüringens Plan, eingefrorener Wettbewerb und Losentscheid: Die Durchführung der Landespokale sorgt wegen der Corona-Pandemie für Probleme.

Anzeige

Wenn im Sport Entscheidungen getroffen werden, die unsportlich sind, dann führt das naturgemäß zu Frust bei den „Verlierern“. Als der Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) zuletzt beschloss, den diesjährigen Landespokal-Wettbewerb nur mit den verbliebenen vier Regionalligisten, die in der Corona-Pandemie trainieren und spielen dürfen, fortzusetzen, haderten die anderen vier unterklassigen Viertelfinalisten mit ihrem Aus am „Grünen Tisch“. Auch die bisher nicht bezifferte finanzielle Abfindung konnte den Ludwigsfelder FC, MSV Neuruppin, 1. FC Frankfurt und SV Frankonia Wernsdorf nicht besänftigen.

Anzeige

Thüringen stolpert über formalen Lapsus

In Thüringen wehrten sich zwei Vereine sogar juristisch gegen ein ähnliches Vorgehen. Die Klage von Rot-Weiß Erfurt und dem FC An der Fahner Höhe vor dem Sportgericht hatte Erfolg, wie am Mittwoch bekanntgegeben wurde. Der Thüringer Verband TFV hatte zunächst seine beiden Regionalligisten FC Carl Zeiss Jena und ZFC Meuselwitz als Endspielteilnehmer für den „Finaltag der Amateure“ am 29. Mai bestimmt, alle anderen 30 Clubs sollten mit je 2000 Euro entschädigt werden. Daraus wird nun nichts. Der Verband hatte es verpasst, wie 2019/20 eine Klausel für die Wertung im Falle eines Abbruchs festzuschreiben. Dieser formale Lapsus wurde zum Stolperstein. „Tatsache ist, dass wir im Landespokal eine andere Form finden müssen, wie immer die auch aussieht“, sagte TFV-Präsident Udo Penßler-Beyer. Zur Debatte stünde gar ein Losverfahren. Eine Horror-Vorstellung in der Sportwelt.

In Bildern: Die Sieger des Brandenburger Landespokals seit 2003.

2003: Der damalige Verbandsligist Ludwigsfelder FC gewinnt am 4. Juni 2003 das Landespokalfinale mit 1:0 im heimischen Waldstadion gegen den Brandenburger SC Süd 05 (Oberliga). Siegtorschütze war vor 1100 Zuschauern Mike Jesse (28.). Als Landespokalsieger trifft der LFC in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals am 30. August 2003 auf den Bundesligisten Werder Bremen und verliert 1:9. Zur Galerie
2003: Der damalige Verbandsligist Ludwigsfelder FC gewinnt am 4. Juni 2003 das Landespokalfinale mit 1:0 im heimischen Waldstadion gegen den Brandenburger SC Süd 05 (Oberliga). Siegtorschütze war vor 1100 Zuschauern Mike Jesse (28.). Als Landespokalsieger trifft der LFC in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals am 30. August 2003 auf den Bundesligisten Werder Bremen und verliert 1:9. ©

21 Verbandspokal-Wettbewerbe gibt es deutschlandweit. Über sie kann sich für den DFB-Pokal qualifiziert werden, was in der ersten Runde eine Prämie im sechsstelligen Bereich pro Team bedeutet. Wie der jeweilige Teilnehmer ermittelt wird, regeln die einzelnen Verbände selbst. Viele von ihnen versuchen, mit ihren zu Corona-Zeit spielberechtigten Dritt- oder Regionalligisten einen Sieger zu ermitteln.



Teilnahme am "Finaltag" hat finanzielle Bedeutung

Sachsen hat damit bereits am vorigen Wochenende begonnen. In Brandenburg steht die Fortsetzung nun mit dem FC Energie Cottbus, SV Babelsberg 03, FSV Union Fürstenwalde und FSV 63 Luckenwalde bevor. Berlin hat am Mittwoch seinen neuen Turnierverlauf mit dem BAK, BFC Dynamo, FC Viktoria, Tennis Borussia und VSG Altglienicke ausgelost: Regionalliga-Primus Viktoria und Ligakontrahent TeBe bestreiten ein Viertelfinale, die anderen stehen direkt im Halbfinale. In Mecklenburg-Vorpommern wird sogar noch gehofft, den kompletten Wettbewerb regulär beenden zu können. 15 Partien ab Achtelfinale stehen noch aus. Sollte bei der geplanten Beratung Mitte Mai klar sein, dass das unmöglich ist, wird der DFB-Pokalstarter vom Verband nominiert. Kriterium: das ranghöchste Team des Gebiets. Weil das der FC Hansa Rostock ist, der jedoch als inzwischen sichere Drittliga-Top-4-Mannschaft das Ticket lösen wird, würde dann Oberligist Greifswalder FC gemeldet werden.

Sachsen-Anhalts Verband hat derweil entschieden, seinen vor dem Achtelfinale unterbrochenen Pokal-Wettbewerb gänzlich einzufrieren und nächste Saison fortzusetzen. Am „Finaltag der Amateure“ kommt es daher gar nicht zu einem Finale in Sachsen-Anhalt. Die Drittligisten Hallescher FC und 1. FC Magdeburg wurden benannt, eine Partie auszutragen, die unter dem Titel „Qualifikationsspiel für den DFB-Pokal“ läuft. Thüringens Fußballchef Penßler-Beyer verwies darauf, dass es wichtig sei, bei dem bundesweiten Endspieltag überhaupt präsent zu sein: Andernfalls drohen finanzielle Einbußen.