07. August 2021 / 19:50 Uhr

Landespokal: FC Kilia Kiel schlägt den 1. FC Phönix Lübeck

Landespokal: FC Kilia Kiel schlägt den 1. FC Phönix Lübeck

Michael Felke
Kieler Nachrichten
Landespokal: Der FC Kilia Kiel schlägt den 1. FC Phönix Lübeck mit 3:2.
Landespokal: Der FC Kilia Kiel schlägt den 1. FC Phönix Lübeck mit 3:2. © Thomas Eisenkrätzer
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Die faustdicke Überraschung ist perfekt. Der Landesligist FC Kilia Kiel wirft den Regionalligisten 1. FC Phönix Kiel aus dem Landespokal und zieht ins Viertelfinale ein. Mit 3:2 gewinnt der Außenseiter aus Kiel gegen den Favoriten aus Lübeck. Held des Tages vor 200 Zuschauern auf der Waldwiese war Yannik Jakubowski, der mit seinen zwei Treffern den Grundstein für den Sieg der Kilianer legte.

Vor dem Anpfiff war die Erwartungshaltung bei den Kielern gedämpft. „Wir wollen unser Bestes geben und uns achtbar aus der Affäre ziehen“, meinte Kilias Coach Nicola Soranno. Doch nach nur acht Minuten flammten erste Hoffnungen bei den Hausherren auf. Ein direkter Pass von Serhat Yazgan in den Lauf von Jakubowski, der aus halblinker Position flach abzog und den Ball ins linke untere Eck zum 1:0 für Kilia beförderte. Phönix war sichtlich geschockt, leistete sich für einen Regionalligisten erschreckend viele Fehlpässe und kam erst in der 20. Minute durch Björn Lambach zum ersten Torabschluss, dessen Schuss aber weit am Gehäuse vorbei flog. Gefährlicher waren da schon die Kilianer, als Jakubowski nach einem Lübecker Patzer an den Ball kam, aber noch entscheidend am Torschuss gestört wurde (28.). Kilia wurde selbstbewusster, aber auch übertrieben mutig. Gerade im Spiel aus der Abwehr heraus schlichen sich vermeidbare Fehler ein. „Wir wollen jede Situation spielerisch lösen. Manchmal aber erwischen die Spieler den Punkt nicht richtig, wann klar raus gespielt wird oder doch spielerische Lösungen angezeigt sind“, meinte Soranno. Exzellente Techniker wie Tom Baller, Siyabend Ramo und Yazgan beherzigten aber beides nicht und brachten ihr Team durch übertriebenes Dribbling entweder um gute Konterchancen oder das eigene Tor in Gefahr.

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Beim Ausgleich der Lübecker jedoch, die nach einer halben Stunde griffiger und zwingender wurden, stand ein eklatanter Deckungsfehler Pate. Eine weite Flanke fand den Weg zum zweiten Pfosten, wo Conor Gerlich völlig frei zum Kopfball kam und den Ball ins lange Toreck beförderte (1:1, 39.). Phönix war im Spiel und Kilias Hoffnungen schienen dahin. „Zumindest werden wir heute nicht mehr abgeschossen. Aber es war in der ersten Halbzeit mehr drin“, meinte Kilias Obmann Harry Witt in der Pause. Doch was sich nach dem Wiederanpfiff ereignete, musste selbst den realistischen Ex-Profi verzücken. Kilia spielte schnell, gekonnt und erfolgreich. Als ein Ball Richtung Lübecker Eckfahne trudelte, trabte Benjamin Petrick zum Ball, drehte sich urplötzlich und warf den Turbo an. Sein Kontrahent war ausgespielt und Petrick schoss aus spitzem Winkel zum 2:1 ins Tor (57.). „Ein schwerer Fehler. Das darf einfach nicht passieren“, war Phönix-Trainer Daniel Safadi sichtlich angefasst. Nur zwei Minuten später folgte ein Kieler Eckball, den der bärenstarke Benedict Klimmek per Kopf auf Jakubowski verlängerte, der keine Mühe mehr hatte, zum 3:1 einzudrücken. Doch noch war eine halbe Stunde zu spielen, und Phönix setzte mit einem Dreifachwechsel alles auf eine Karte. Doch während die Lübecker Angriffswellen erfolglos verpufften, hatte Kilia gleich drei Gelegenheiten, alles klar zu machen. Baller (71.) und Jakubowski (72., 79.) ließen aber die Entscheidung liegen. Als der kaltgestellte Phönix-Angreifer Haris Hyseni einen von Ramo verursachten Straftstoß zum 2:3 verwandelte (90.), waren noch fünf Minuten Nachspielzeit zu absolvieren. Das Zittern begann. Doch mit Geschick und viel Glück brachte Kilia die 3:2-Führung über die Zeit.

„Kilia war der erwartet schwere Gegner. Das sind Leute, die haben auch Regionalligaerfahrung. Eine gute Mannschaft. Machen wir aber unsere Chancen rein, läuft das Spiel anders“, spielte Phönix-Coach Daniel Safadi auf drei Gelegenheiten von Fabian Graudenz und zwei von Haris Hyseni an, die jeweils aus kurzer Distanz nicht zum Schuss aufs Tor kamen. Auch Nicola Soranno haderte mit der Chancenverwertung, sah aber insgesamt einen starken Auftritt seiner Mannschaft:„Wir hätten den Sack viel früher zumachen müssen. So wurde es hinten raus unnötig spannend. Aber der Erfolg gehört der Mannschaft. Ohne diese Mannschaft hätte Yannik Jakubowski auch keine zwei Tore geschossen.“