17. Juli 2021 / 14:40 Uhr

Interne Auseinandersetzungen, Kritik von Großvereinen: LSB steht vor Zerreißprobe 

Interne Auseinandersetzungen, Kritik von Großvereinen: LSB steht vor Zerreißprobe 

Carsten Bergmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der Landessportbund Niedersachsen um Präsident Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Umbach steht vor einer Zerreißprobe.
Der Landessportbund Niedersachsen um Präsident Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Umbach steht vor einer Zerreißprobe. © Franz Fender
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Ein quälend langes Bewerberverfahren, Unstimmigkeit im Präsidium und massive Kritik von den Großvereinen: Der Landessportbund Niedersachsen (LSB) steht vor der Zerreißprobe. Als Lobbyist des Sports sollte der Spitzenverband eigentlich als Stimme der Vereine in die Politik wirken. Stattdessen steht der LSB ausgerechnet im olympischen Jahr vor tiefgreifenden Veränderungen.

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Die Corona-Krise wirkt wie ein Brennglas auf die Probleme des niedersächsischen Sports. Vor allem die lückenhafte Kommunikation des LSB kritisieren die zehn größten Vereine Niedersachsens, die mit den Pandemiefolgen und den dramatisch sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen haben. Während über mehr als eineinhalb Jahre kein einziger Wettkampf stattfand, mussten weiter Rechnungen etwa für Spielerpässe bezahlt werden. Ein Beispiel von vielen, die die Vereine zunehmend frustrieren. Von Dienstleistungsgedanke sei wenig bis gar nichts zu spüren gewesen, heißt es aus diesem Kreis. Die Klubs fordern einen grundlegenden Strukturwandel.

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Dem LSB ist es in dieser Zeit ferner nicht gelungen, zen­tra­le personelle Entscheidungen zu treffen. Um die Nachfolge für Norbert Engelhardt als stellvertretenden Vorstandssprecher kam es intern zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb des Präsidiums. „In so einem komplexen Verfahren gibt es immer verschiedene zur Auswahl stehende Möglichkeiten. Das bedeutet eben auch, dass nicht jede Entscheidung einstimmig getroffen wird“, sagt Präsidiumsmitglied Michael S. Langer.

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Präsidium kassiert Wahl ein

Der Vorstandsvorsitzende Reinhard Rawe und Präsident Wolf-Rüdiger Umbach hatten sich auf Michael Wenkel, Geschäftsführer beim Tennisverband Niedersachsen/Bremen, geeinigt. Die Wahl aber kassierte das Präsidium ein, weil es nicht frühzeitig in das Bewerberverfahren eingebunden wurde. Die Stelle wurde neu ausgeschrieben. Nun stellt das Präsidium einen internen Kandidaten nach vorne, der bei Umbach und Rawe nicht die Zustimmung fand.

Präsidiumsmitglied Michael S. Langer drückt es auf Nachfrage so aus: „Die Ihnen ja bekannte Nichteinstimmigkeit halte ich in einer Demokratie für normal und prinzipiell unschädlich.“ Er verweist auf das neu aufgesetzte Verfahren, das bewusst auf eigene Kräfte setzt. „Maria Bergmann, André Kwiatkowski und ich haben unter permanenter Einbeziehung des gesamten Präsidiums ein mehrstufiges Verfahren der Personalakquise erfolgreich umgesetzt“, sagt Langer stellvertretend für seine Kollegen. Die Suche soll in Kürze abgeschlossen sein – auch gegen interne Widerstände. Marco Lutz, bisher Abteilungsleiter Bildung, soll sich durchgesetzt haben. Es fehlen noch die abschließenden Gespräche.

"Ich erwarte von allen Beteiligten Professionalität"

Langer hat keine Zweifel an einer reibungslosen Zusammenarbeit zwischen Reinhard Rawe und seinem dann vom Präsidium vorgesetzten Stellvertreter. Dazu gebe es auch keine Alternative. „Ich erwarte von allen Beteiligten Professionalität.“ Auf Nachfrage wollten sich weder Rawe noch Umbach zu den Abläufen äußern und verwiesen auf Langer.

Klar ist auch: In naher Zukunft stehen weitere Entscheidungen beim wichtigsten Lobbyisten des niedersächsischen Sports an. 2022 endet die Präsidentschaft von Wolf-Rüdiger Umbach. Michael Koop, Sprecher der Sportbünde und damit Mitglied des Präsidiums, hat seine Kandidatur bereits angekündigt. Umbach seinerseits, so heißt es aus LSB-Kreisen, will einen Gegenkandidaten unterstützen. Es läuft alles auf eine Kampfkandidatur hinaus. Langer hat dazu eine klare Position: „Gut finde ich diesen Zustand nicht.“

Leitung des Olympiastützpunktes nur kommissarisch besetzt

Weitere Lücke: Bislang wurde die Leitung des Olympiastützpunktes Hannover nach dem Abgang von Ilka Seidel nur kommissarisch besetzt. Ein Langfristplan zeichnet sich nicht ab. Die Stelle sei mit Boris Ullrich kompetent ausgestattet, betont Langer. Sie werde bis auf Weiteres kommissarisch besetzt bleiben.