06. Oktober 2022 / 17:50 Uhr

Die Folgen des Windhorst-Knalls: Was das Verkaufs-Angebot für den Investor, den Klub und die Mannschaft bedeutet

Die Folgen des Windhorst-Knalls: Was das Verkaufs-Angebot für den Investor, den Klub und die Mannschaft bedeutet

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Investor Lars Windhorst, Klub-Präsident Kay Bernstein und Trainer Sandro Schwarz (v.l.)
Investor Lars Windhorst, Klub-Präsident Kay Bernstein und Trainer Sandro Schwarz (v.l.) © IMAGO/Nordphoto/Matthias Koch/Metodi Popow (Montage)
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Investor Lars Windhorst will raus bei Hertha SC. Der Klub will ihn beim Verkauf seiner Anteile sogar unterstützen. Einfach dürfte das allerdings nicht werden. Was bedeutet das für die Protagonisten?

Sie werden es wohl noch etwas miteinander aushalten müssen. Investor Lars Windhorst will sein Engagement bei Hertha BSC beenden. Nach einem Streit bietet er dem Klub den Rückkauf seiner Mehrheitsanteile an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA an - für den ursprünglichen Kaufpreis von 374 Millionen Euro. Für Hertha dürfte das nicht finanzierbar sein. Also droht eine lange und schwierige Käufersuche.

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Was bedeutet der Bruch für ...

... Lars Windhorst?

Das Vorgehen des 45-Jährigen kann als Versuch gewertet werden, in die Offensive zu kommen. Die immer detaillierteren Berichte über eine Klage einer israelischen Wirtschaftsdetektei gegen Windhorst und Tennor im Zusammenhang mit einer angeblichen Schmierkampagne gegen Ex-Präsident Werner Gegenbauer hatten für Erklärungsnot gesorgt. Die Vorwürfe weist er zurück. Der Investor bleibt weiter in einer schwierigen Position. "Der größte Gelackmeierte ist Herr Windhorst. Dieser bekommt sein Geld nicht wieder, er kann nichts machen, dem sind die Hände gebunden", sagt Wirtschaftswissenschaftler Henning Zülch. 

Denn im operativen Geschäft ist Windhorsts Einfluss extrem begrenzt. Bei größeren Geschäften muss der Beirat zustimmen, in dem er keine Mehrheit hat. Beide Seiten können die Anteile dem Vernehmen nach nicht ohne die Zustimmung der anderen verkaufen. Es sei denn die nicht öffentlichen Verträge schränken dies ein. Dass die Anteile annähernd so hoch bewertet werden, scheint ausgeschlossen. "Da war sicherlich viel Fantasie in der Bewertung von 374 Millionen", sagt Zülch. Tennor sieht die Hertha zunächst am Zug. Der Klub habe ein Erst-Zugriffsrecht. Erst wenn der Verein sage, dass er die Anteile für 374 Millionen nicht zurückkaufen könne oder wolle, könnte man überlegen, ob ein anderer Käufer gesucht werde.

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... Präsident Kay Bernstein?

Windhorst attackierte den 42-Jährigen gezielt und gibt ihm einen großen Teil der Schuld am Scheitern der Beziehung. Ob das Bild des Buhmanns Bernstein verfängt, ist fraglich. Hertha wies die Vorwürfe kühl zurück und machte auf die Bemühungen aufmerksam, eine bessere Kommunikation mit dem Investor zu schaffen. Die aktuelle Krise im Verhältnis wurde durch die brisanten Medienberichte zur angeblichen Kampagne gegen Gegenbauer ausgelöst. Hertha hatte kaum eine andere Wahl, als diese Vorwürfe gründlich prüfen zu lassen.

Dazu kommt, dass Bernstein als Ex-Ultra und Kommunikationsmanager den Klub zuletzt wieder deutlich nahbarer für den Anhang gemacht hat. Seinen Unterstützern und auch vielen anderen Fans ist der Investor dagegen ein Dorn im Auge. Sollte unter Bernsteins Führung eine Trennung von Windhorst unter annehmbaren Bedingungen gelingen, wäre das ein großer Erfolg. Doch wie kann das klappen? "Ein Verkauf der Anteile ist so gut wie unmöglich", sagt Zülch. "Hertha BSC wird keinen Käufer zu diesem Preis für diese Anteile finden." Ob Windhorst aber bereit wäre, einen wesentlich niedrigeren Preis zu akzeptieren? Dafür gibt es bislang keine Anzeichen.

Ein lange schwelender Unruheherd mit einem unzufriedenen Investor birgt auch für Bernstein großes Risiko. "Hertha BSC kann sich zwar zurücklehnen, aber der Klub hat maximale Unruhe, was sich sicherlich auf den sportlichen Erfolg auswirken wird", sagt Zülch. Das mindere auch den Wert der Anteile weiter. Dazu ist Herthas Finanzlage weiter angespannt, ohne Windhorsts Millionen hätte der Klub in der Corona-Krise noch massivere Probleme bekommen. Frisches Geld vom Investor wird es aber nicht geben.

... Trainer Sandro Schwarz und die Mannschaft?

Im Pokal ist Hertha ausgeschieden, in der Liga hat das Team weniger Punkte gesammelt als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison. Trotzdem ist die Stimmung um das Team größtenteils positiv. Schwarz und Geschäftsführer Fredi Bobic haben eine Mannschaft gebaut, die als Einheit einen klaren und aktiveren Stil verfolgt. Die Auftritte machen Mut und kommen auch bei den Fans besser an. Für den Coach wird es nun wichtig sein, die massive Unruhe durch die Windhorst-Causa aus der Kabine zu halten. Zuletzt gab er sich zuversichtlich: "Es ist ja logisch, dass das jeder mitbekommt", sagte Schwarz nach dem 1:1 gegen die TSG Hoffenheim. "Und dennoch war es kein Thema, das wir jetzt bei uns in der Kabine oder im Sitzungsraum hatten". Das war allerdings noch vor der nächsten Eskalation.

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