13. Januar 2022 / 18:35 Uhr

Dank Windhorst-Millionen: Hertha BSC trotz hoher Verluste in "vergleichbar stabiler Situation"

Dank Windhorst-Millionen: Hertha BSC trotz hoher Verluste in "vergleichbar stabiler Situation"

Ronald Tenbusch
Märkische Allgemeine Zeitung
Hertha geht es trotz Corona-Pandemie finanziell ziemlich gut: Das liegt vor allem an den Millionen von Investor Lars Windhorst (r.).
Hertha geht es trotz Corona-Pandemie finanziell ziemlich gut: Das liegt vor allem an den Millionen von Investor Lars Windhorst (r.). © IMAGO/Matthias Koch
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Hertha BSC erwirtschaftete in der abgelaufenen Saison, auch wegen der Coronakrise, einen hohen Fehlbetrag. Dass die Berliner dennoch finanziell gut aufgestellt sind, verdanken sie ihrem Investor. Sportlich ist Stabilität hingegen weiter Mangelware.

Es sind durchaus ereignisreiche Tage, die für Hertha BSC im Januar noch anstehen. Erst geht es am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen den Tabellennachbarn VfL Wolfsburg um Punkte gegen den Abstieg. Dann warten binnen einer Woche das Pokalderby gegen den 1. FC Union Berlin (19. Januar) und das Duell mit dem FC Bayern München (23. Januar). Gerade die Heimspiele gegen den Stadtrivalen und den Rekordmeister wären normalerweise Garanten für ein volles Olympiastadion und damit einhergehend hohe Zuschauereinnahmen. Doch coronabedingt wird das Stadion einmal mehr fast leer bleiben müssen. Und das merke der Hauptstadtclub in den Vereinskassen, wie Ingo Schiller erläuterte.

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Allein die fehlenden Zuschauereinnahmen aus den drei Januar-Heimspielen gegen den 1. FC Köln, Union Berlin und den FC Bayern München sorgten für Millionenverluste gab der Finanz-Geschäftsführer von Hertha BSC zu Protokoll, als er am Donnerstag die Gewinn- und Verlustrechnung der Saison 2020/21 vorstellte. Auch durch die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie in der vergangenen Saison habe Hertha BSC einen hohen Fehlbetrag erwirtschaftet, erklärte Schiller weiter.

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Rund die Hälfte des Defizits von 78 Millionen Euro sei auf Pandemie-Effekte zurückzuführen. Erträgen von insgesamt 105,2 Millionen Euro standen in der Saison 2020/21 Aufwendungen von 183,2 Millionen Euro gegenüber. Insgesamt rechnet Schiller mit Mindereinnahmen von 100 Millionen Euro durch Corona für die vergangenen beiden Spielzeiten und die derzeit laufende Saison.


Dennoch befindet sich die „Alte Dame“ laut Schiller in einer vergleichsweise sicheren Lage, was vornehmlich an den Investitionen von Geldgeber Lars Windhorst und dessen Tennor-Gruppe läge (die seit 2019 rund 375 Millionen Euro investiert hat). So wuchs das Eigenkapital des Hertha-Konzerns von 36,7 Millionen Euro auf 107,5 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten sanken von 141,7 auf 99,6 Millionen Euro.„Es ist eine Partnerschaft, die uns in eine vergleichbar gute Lage bringt und in einer stabilen Situation hält“, sagt Schiller, der die Zahlen am Sonntag bei der digitalen Hertha-Mitgliederversammlung auch den Fans vorstellen wird.

Korkut sucht passendes Sturm-Duo

Stabilität ist bei Hertha BSC aktuell genau das richtige Stichwort. Denn sportlich fehlt seit Monaten, wenn nicht sogar seit Jahren, genau diese. Auf gute Vorstellungen folgen bei den Blau-Weißen in guter Regelmäßigkeit schlechte. So kommt es, dass der eigentlich nach höheren Aufgaben strebende Hauptstadtclub sich dauerhaft gegen den Abstieg wehren muss. Nach der 1:3-Niederlage gegen Köln zum Rückrundenauftakt steht das Team von Trainer Tayfun Korkut nur drei Punkte über dem Relegationsplatz.

Wenn es drauf ankommt, fehlt die Konstanz, bleiben die Ergebnisse aus. Ein mentales Problem hat der Hertha-Coach bei seinen Spielern aber nicht ausgemacht. „Die Mannschaft hat das nicht in den Köpfen drin, das hat sie mir in den letzten Tagen gezeigt. Von daher bin ich sehr positiv“, sagt Korkut. Ein wenig Zuversicht dürfte beim 47-Jährigen auch daher rühren, dass Gegner Wolfsburg aktuell noch viel größere Probleme hat. Acht (!) Pflichtspiele in Folge hat der Champions-League-Teilnehmer aus Niedersachsen zuletzt verloren. In der Bundesliga-Tabelle findet sich der VfL noch einen Punkt und einen Platz schlechter als Hertha auf Rang 14 wieder. Eine Konstellation, die Brisanz birgt. Denn für den Verlierer der Partie stünden richtig unangenehme Tage bevor.

Wie immer betonte Korkut, dass er mit seiner Mannschaft „agieren, nicht reagieren“ wolle. Mut und Entschlossenheit seien sein Weg zum Erfolg. Anders als Herthas bester Torschütze Stevan Jovetic (Wade) wird zumindest der zuletzt formstarke Ishak Belfodil nach überstandener Covid-Infektion wieder zur Verfügung stehen. Mit Myziane Maolida und Davie Selke wird er sich um die beiden Plätze im Sturm streiten müssen. Eine Entscheidung, die Korkut nicht leicht fallen werde, wie der Trainer am Donnerstag betonte. „Eine Partnersuche ist nicht immer einfach, das kennen wir aus unserem Privatleben“, sagte Korkut mit einem Lächeln im Gesicht: „Zu oft sollte man den Partner nicht tauschen.“ Hertha ist und bleibt auf der Suche nach Stabilität.