14. April 2021 / 10:47 Uhr

"Lasch und selbstgefällig": Aue-Boss Leonhardt rüttelt Veilchen wach

"Lasch und selbstgefällig": Aue-Boss Leonhardt rüttelt Veilchen wach

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Helge Leonhardt
Die letzten Leistungen haben den Aue-Boss sehr nachdenklich gestimmt. © PICTURE POINT
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Die Ausgangslage ist komfortabel, doch Helge Leonhardt mahnt zur Vorsicht. Vor den verbleibenden sechs Spieltagen erinnert der Präsident von Erzgebirge Aue die Mannschaft mit deutlichen Worten daran, dass der Klassenerhalt noch nicht perfekt ist.

Aue. Die Ansage von Helge Leonhardt ist wie immer unmissverständlich. "Wenn wir in den nächsten Wochen genauso lasch und selbstgefällig auftreten, kann es noch einmal eng werden. Wir sind noch nicht gerettet und müssen aufpassen, dass wir nicht in einen Sog hineingeraten", sagt der Vereinspräsident des FC Erzgebirge Aue vor dem Saisonendspurt in der 2. Fußball-Bundesliga.

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"Geistig und körperlich nicht frisch"

Nach 28 Spielen rangieren die Sachsen mit 37 Punkten auf dem zehnten Tabellenplatz. Der Vorsprung auf die Abstiegszone beträgt elf Zähler, wobei der VfL Osnabrück und der SV Sandhausen ein Spiel weniger absolviert haben. Die komfortable Ausgangslage bietet eigentlich keinen Anlass, um Alarmstimmung zu verbreiten. Doch Leonhardt will sich vom Tabellenbild nicht täuschen lassen. Der Unternehmer hat registriert, dass sich die Mannschaft von Trainer Dirk Schuster in den zurückliegenden Wochen mit dem Gewinnen schwer tat. Aus den vergangenen zehn Spielen wurden nur zwei Siege geholt.

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Der FC Erzgebirge Aue kassiert gegen den FC St. Pauli die dritte Heimniederlage der Saison. Nach 90 überwiegend einseitigen Minuten setzten sich die Kiez-Kicker mit 3:1 durch. Zur Galerie
Der FC Erzgebirge Aue kassiert gegen den FC St. Pauli die dritte Heimniederlage der Saison. Nach 90 überwiegend einseitigen Minuten setzten sich die Kiez-Kicker mit 3:1 durch. ©

Es sind aber nicht nur die fehlenden Erfolgserlebnisse, die Leonhardt Sorgen bereiten. "Speziell die Leistung beim 1:3 gegen St. Pauli hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Die Mannschaft wirkte geistig und körperlich nicht frisch. Dazu habe ich den Teamgeist, der uns sonst immer auszeichnet, vermisst", erklärte der 62-Jährige. Um für die verbleibenden sechs Spiele die Sinne zu schärfen, fordert Leonhardt, dass es auch "im Training wieder schärfer zur Sache gehen muss".

Schuster hatte bereits nach der Niederlage gegen St. Pauli versprochen: "Wir werden wieder aufstehen." Kapitän Martin Männel äußerte sich ähnlich kämpferisch: "Wir werden den Mund abputzen, das Spiel sauber analysieren und dann versuchen, im nächsten Spiel die 40 Punkte einzusammeln."

"Notfalls muss Saison verlängert werden"

Je früher der Klassenerhalt perfekt ist, desto konkreter kann der Club auch die kommende Saison planen. Weil die meisten Stammspieler der "Veilchen" bereits mit langfristigen Verträgen ausgestattet sind, hat der FC Erzgebirge bei der Kadergestaltung nur wenig Druck. Offen ist derzeit unter anderem noch die Zukunft von Sören Gonther, Louis Samson, Steve Breitkreuz, Calogero Rizzuto und Fabian Kalig, deren Arbeitspapiere Ende Juni auslaufen. "Es ist nicht auszuschließen, dass wir aus Kostengründen ein, zwei Planstellen streichen müssen. Die Corona-Krise trifft alle Clubs hart. Aber darüber reden wir im Detail, wenn wir sportlich gerettet sind. Dazu fehlen uns allerdings noch ein paar Punkte", betont Leonhardt.

Neben der Situation beim FC Erzgebirge macht sich der Aue-Boss auch Gedanken über die Saison-Fortsetzung in der zweiten Liga. Mehrere Mannschaften befinden sich in Corona-Quarantäne, darunter auch der Karlsruher SC. Bei den Badenern wären die "Veilchen" planmäßig am Samstag zu Gast gewesen. Das Spiel muss verlegt werden. Leonhardt wünscht sich, dass ein Termin-Chaos am Ende des Spieljahres ausbleibt: "Ich hoffe es und gehe auch davon aus, dass die DFL die Saison durchzieht. Notfalls muss die Saison um eine Woche verlängert werden."


Um weitere Ansteckungen innerhalb der Mannschaften zu vermeiden, könnten Quarantäne-Trainingslager helfen. "Die DFL hat sich zunächst dagegen entschieden. Treten zeitnah noch mehr Fälle in der zweiten Bundesliga auf, sollte ernsthaft darüber nachgedacht werden, die Teams in den letzten zwei, drei Wochen der Saison zu kasernieren", meint Leonhardt. "Das ist den Spielern und Trainern durchaus auch zuzumuten."

dpa/Wutzler