15. Juli 2020 / 07:10 Uhr

Laubegaster Torwarttrainer Hesse: Mit dem Wechsel zu Dynamo Dresden kam der Karriereknick

Laubegaster Torwarttrainer Hesse: Mit dem Wechsel zu Dynamo Dresden kam der Karriereknick

Jürgen Schwarz
Dresdner Neueste Nachrichten
Marcus Hesse sammelte unter anderem bei Dynamo Dresden Profi-Erfahrung. Jetzt trainiert er die Torhüter des FV Laubegast.
Marcus Hesse sammelte unter anderem bei Dynamo Dresden Profi-Erfahrung. Jetzt trainiert er die Torhüter des FV Laubegast. © Archiv / Verein
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Der ehemalige Nachwuchs-Nationalkeeper hat sich nach dem Ende seiner Profi-Karriere bei Dynamo Dresden beruflich völlig neu orientiert und feiert im Online-Marketing Erfolge. Ganz vom Fußball kann er aber nicht lassen. Marcus Hesse hat beim FV Dresden 06 Laubegast als Torwarttrainer angeheuert.

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Dresden. Marcus Hesse ist der neue Torwart-Trainer beim Landesliga-Aufsteiger FV Laubegast. Der 36-Jährige, der zwei Bundesligaspiele für Alemannia Aachen bestritt und bei Dynamo Dresden zwischen den Pfosten stand, kommt von Stahl Riesa. Sechs Jahre war Hesse dort aktiv und in den letzten beiden Jahren Trainer der Stahl-Keeper. Jetzt kann er mit dem Fahrrad zum Training fahren, denn er wohnt in Laubegast.

Marcus, Sie verlassen nach sechs Jahren die BSG Stahl Riesa. Warum?
Es spielten auch private Dinge eine Rolle, aber Auslöser war letztendlich die Trennung von Cheftrainer Andreas Pach, aus meiner Sicht ein richtig guter Fachmann. Wäre das Trainer-Team zusammen geblieben, hätte ich wohl weitergemacht.

Wie würden Sie die sechs Jahre in Riesa einschätzen?
Ich war schon 2011/2012 bei Stahl und es stand fest, dass ich wieder zur BSG zurückkehre. Ich habe mich in diesem Verein damals richtig wohlgefühlt, auch das Umfeld hat mir viel Anerkennung entgegengebracht. In meiner letzten Saison als Aktiver war ich Kapitän der Landesliga-Mannschaft. Allerdings ist die Qualität des Kaders in diesen Jahren nicht besser geworden. Im Gegenteil, viele Abgänge wurden nicht adäquat ersetzt.

Marcus Hesse faustet 2017 im Riesaer Trikot bei einem Gastspiel in Pirna-Copitz die Kugel weg.
Marcus Hesse faustet 2017 im Riesaer Trikot bei einem Gastspiel in Pirna-Copitz die Kugel weg. © Archiv/Marko Förster
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Apropos 2011: Wer hat Sie damals zu Stahl geholt?
Die Sache hatte eine Vorgeschichte. Ich hatte beim SC Borea in der Oberliga unterschrieben. Wir hatten eine gute Mannschaft und ich mit Ignjac Kresic einen sehr guten Trainer. Doch dann entschied die Vereinsführung nach wenigen Spieltagen, die Mannschaft aus finanziellen Gründen abzumelden. Kurz nach dem Saisonstart standen wir plötzlich ohne Verein da. Und da kam die Anfrage aus Riesa.

Engagement in Laubegast nicht geplant

Welche Rolle spielte das Laubegaster Angebot für Ihren Schlussstrich in Riesa?
Überhaupt keins. Als ich Stahl mitgeteilt habe, dass ich aufhöre, stand ich mit den Laubegastern noch gar nicht im Kontakt. Dann habe ich mitbekommen, dass Christoph Klippel Trainer wird und die Dresdner Probleme auf der Position des Torwart-Trainers haben. Im Urlaub habe ich dann mit Sportchef Andreas Haupt Kontakt aufgenommen, der Rest ist bekannt. Es passt perfekt.

Was sagen Sie zur Verpflichtung von Tony Schmidt?
Genial, der Typ kann alle mitreißen, ein guter Junge. Mit Tony habe ich 2008/2009 selbst noch ein Jahr bei Dynamo Dresden zusammengespielt.

Sie wechselten mit 17 Jahren nach Aachen. Wie kam es dazu?
Ich spielte bei Borea und war Jugend-Nationaltorhüter. Damals gab es Angebote von Mönchengladbach und Schalke 04. Ich habe mich für Aachen entschieden, weil ich als Juniorentorwart schon bei den Profis mittrainieren konnte. Entdeckt hat mich Christian Titz, der später den Hamburger SV trainierte. Er war damals Scout und U19-Coach bei Alemannia. Ich habe sechs Jahre bei seiner Familie gewohnt. Wir halten bis heute Kontakt.

Titz soll vor zwei Jahren auch als Dynamo-Trainer im Gespräch gewesen sein. Stimmt das?
Ja, bevor Cristian Fiel Coach wurde. Christian war damals in Dresden, hat sich zusammen mit Ralf Minge alles angeschaut. Sie waren sich einig, aber der Vertrag kam nie in Hamburg an.

Anno 2007 unterschrieb Marcus Hesse bei Dynamo. Damals saßen Schatzmeister Olaf Schäfer (links) und Manager Siegmar Menz (rechts) mit am Tisch. 
Anno 2007 unterschrieb Marcus Hesse bei Dynamo. Damals saßen Schatzmeister Olaf Schäfer (links) und Manager Siegmar Menz (rechts) mit am Tisch.  © Archiv/Holger Schulze

Zurück nach Aachen. Sie spielten im Mai 2007 zwei Bundesligaspiele gegen Wolfsburg und Hamburg. Warum sind Sie nach der Saison vom „Tivoli“ weg?
Die Anfrage von Dynamo kam damals über Ralf Minge, der früher auch mein Sportlehrer an der Sportschule in Dresden war. Er hat mir dann zugesichert, dass ich bei Dynamo als Nummer eins vorgesehen bin. Ich war 23 und wollte regelmäßig spielen. In Aachen konnte mir das Manager Jörg Schmadtke damals nicht garantieren.

Wann trafen Sie die Entscheidung, die Profilaufbahn zu beenden und einen anderen Berufsweg einzuschlagen?
In Dresden lief es nicht gut. Ich hatte drei Trainer in zwei Jahren, das sagt ja schon viel. Irgendwann habe ich auch gemerkt, dass mein Körper für Hochleistungssport nicht unbedingt geeignet ist. Bis heute hatte ich knapp 30 Verletzungen in meiner Laufbahn. Ich bekam nach meiner Dynamo-Zeit auch keine Angebote, um als Profi weiterzumachen. Und dann habe ich mich beruflich neu orientiert und bin ins Online-Marketing eingestiegen.

Online-Marketing – Hesses zweite Leidenschaft

Sie leiten zusammen mit Ihrem Bruder Felix eine Firma. Können Sie kurz beschreiben, was genau bei „Netzproduzenten“ passiert?
Mein Bruder macht das schon rund zwölf Jahre. Wir waren beide selbstständig, haben u.a. am Design der Fußballbücher von Christian Tietz mitgewirkt. 2016 haben wir die Firma gegründet. Heute haben wir Kontakte in ganz Europa. Einfach gesagt, sind wir der Digital-Partner für Unternehmen, optimieren zum Beispiel den Webauftritt einer Firma mit dem Ziel, Umsatz zu generieren. Oder schalten gezielte Werbeanzeigen in den Suchmaschinen, in erster Linie Google-Werbung. 2019 wurden wir von Google als erfolgreichste Google-Werbeagentur in Deutschland ausgezeichnet.

Würden Sie alle Entscheidungen, die Sie als Fußball-Profi getroffen haben, noch einmal so realisieren?
Nein. Erstens würde ich viel mehr auf meinen Körper hören und nicht auf Teufel komm raus weitertrainieren. Und zweitens würde ich nicht noch einmal von Aachen zu Dynamo wechseln. Jedenfalls nicht unter den Bedingungen, wie sie damals in Dresden waren. Ansonsten bin ich aber mit mir im Reinen. Ich habe vor 60.000 Zuschauern gespielt, war acht Jahre Profi und habe von der U16 bis zur U20 dem DFB-Nachwuchsauswahlkader angehört.

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Von 2012 bis 2014 haben Sie noch einmal in der Regionalliga für den VfR Neumünster im Tor gestanden. Waren Sie da kein Profi?
Nein, da habe ich mein Geld schon im Online-Bereich verdient. Dort hat mich in erster Linie die sportliche Herausforderung gereizt, noch einmal in der vierten Liga zwischen den Pfosten zu stehen. In den zwei Jahren habe ich in Hamburg gelebt. Eine tolle Stadt, eine schöne Zeit.

Stimmt es, dass Sie 2013 zweimal ausgezeichnet wurden?
Ja, als bester Torhüter der Regionalliga Nord und dann wurde ich zum Sportler des Jahres in Neumünster gewählt.