20. Mai 2020 / 13:41 Uhr

„Lauf geht‘s“ im Selbstversuch: Mit System zum Halbmarathon

„Lauf geht‘s“ im Selbstversuch: Mit System zum Halbmarathon

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
Abstand halten war natürlich oberstes Gebot.
"Abstand halten" war natürlich oberstes Gebot. © Dirk Knofe
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Für die Teilnehmer der Gesundheitsaktion "Lauf geht's" wird es praktisch. Nach dem durch Corona erzwungenen eher stillen Start trafen sich die Laufwilligen am Dienstag zum ersten gemeinsamen Training in Leipzig. SPORTBUZZER-Reporter Tilman Kortenhaus war aktiv dabei.

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Leipzig. Im Park vor der Leipziger Pferderennbahn leuchten neonfarbene Laufshirts und Joggingschuhe um die Wette. Fast 100 Teilnehmer von „Lauf geht‘s“ haben sich hier am Dienstagabend versammelt, um zum ersten Mal in diesem Jahr unter Anweisung ihrer Trainer ins Schwitzen zu geraten. Bisher hatten dem Lauftreff die Corona-Maßnahmen einen Riegel vorgeschoben, doch seit den jüngsten Lockerungen darf wieder gemeinsam trainiert werden. Mit viel Abstand und insgesamt zwölf Coaches betreut Laufladen-Chef Jörg Matthé die Teilnehmer. In kleinen Grüppchen, unterteilt nach Leistungsstand und Lauferfahrung, startet das Sportprogramm mit Erwärmungs- und Stabilitätsübungen.

Im Hopserlauf durch den Park

Gemeinsam mit knapp 20 weiteren Teilnehmern der „Espresso-Gruppe“ hüpfe ich den breiten Laufweg am Flussufer des Elsterflutbetts entlang. Coach Matthé erklärt und demonstriert die verschiedenen Übungen jeweils kurz, bevor seine Gruppe versucht, es ihm nachzuahmen. Sidesteps, Hopserlauf, kleine Schritte mit angezogenen Knien oder Versen – zahlreiche Muskelgruppen werden angesprochen, zahlreiche Bewegungen fühlen sich noch etwas komisch an. So richtig professionell sieht das bisher nur bei wenigen aus. Ein paar Mitglieder der Truppe seien Wiederholungstäter, verrät Matthé. Gute Vorbilder für die nächsten Übungen, die mir teilweise etwas albern vorkommen.

DURCHKLICKEN: Bilder der ersten gemeinsamen Trainingseinheit

Nachdem die Teilnehmer aufgrund der Corona-Pandemie zunächst allein loslegen mussten, traf sich die Leipziger Lauf geht's-Trainingsgruppe am 19. Mai erstmals zu einer gemeinsamen Einheit, natürlich mit dem gebotenen Abstand. Zur Galerie
Nachdem die Teilnehmer aufgrund der Corona-Pandemie zunächst allein loslegen mussten, traf sich die Leipziger "Lauf geht's"-Trainingsgruppe am 19. Mai erstmals zu einer gemeinsamen Einheit, natürlich mit dem gebotenen Abstand. © Dirk Knofe

Ohne hartes Training, ist ein Halbmarathon nicht zu schaffen – so viel ist mir natürlich klar. Im Hopserlauf durch den Park zu hüpfen, wäre mir aber nie in den Sinn gekommen. Die Vorbereitungen auf die 21 Kilometer hatte ich mir bisher sehr simpel vorgestellt: Einfach mehrmals die Woche die Laufschuhe schnüren und in den nächsten Park joggen. Wer die Distanz jede Woche erhöht, der müsste irgendwann zwangsläufig auch einen Halbmarathon schaffen. Ganz easy.

Meilensteinlauf Mitte Juli

Ein geringes Verletzungsrisiko, gezielten Muskelaufbau und schnellen Trainingserfolg hätte ich mit meiner Methode aber nicht. Die Erwärmung soll langfristigen Trainingsausfällen vorbeugen, die vielen Übungen schon vor dem Lauf die ersten Muskelgruppen ansprechen. Training mit System. Die Struktur und die individuellen Trainingstagebücher sind auch ein Grund, warum so viele der Finisher aus dem vergangenen Jahr erneut mitmachen. „Einige finden das regelmäßige gemeinsame Training super, aber viele wollen auch ihre Zeit vom vergangenen Jahr unterbieten“, sagt Matthé während unser 20-minütigen Joggingrunde.

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Beim Laufen gucken die Teilnehmer immer wieder auf ihre Fitness-Uhr. Sie sollen ein Tempo von 6:30 Minuten pro Kilometer halten, das in den kommenden Wochen und Monaten immer weiter verbessert werden soll. Die schwächeren Kaffeesorten beginnen entsprechend mit einem geringeren Tempo und kürzeren Einheiten. Für die „Latte-Macchiatos“ geht es heute zum Beispiel nur auf eine lange Walking-Runde. „Mitte Juli machen wir dann den Meilensteinlauf. Unter Wettkampfbedingungen testen wir die Läufer auf einer 10-km-Strecke. So können wir das Tempo für den Halbmarathon im Herbst ermitteln“, sagt der Laufladen-Chef.

Wurzener Schiedsrichter läuft mit

Die erste Laufeinheit stecken alle in meiner Gruppe ganz gut weg. Das soll sich zeitnah ändern. Matthé dreht nun fünf kleinere Runden mit uns durch den Park und zieht mehrfach pro Minute das Tempo an. „Die Frequenz der Schritte soll gleich bleiben, die Schrittlänge wird größer“, ruft er der Gruppe als Erinnerung zu. Die letzten zehn Sekunden jeder Runde ähneln einem Sprint. „Das war richtig hart, aber der Gruppenzwang hat mir geholfen“, erzählt Leo Kretzschmar nach dem zehnminütigen Auslaufen am Ende unseres ersten Trainingstages. Mit 16 Jahren ist er der jüngste Teilnehmer bei "Lauf geht‘s".

„Ich bin Schiedsrichter beim ATSV Frisch auf Wurzen. Durch Corona fallen jetzt alle Spiele aus, also habe ich nach einer neuen Motivation gesucht“, sagt Leo. Mit den regelmäßigen Laufeinheiten will er sich nicht nur auf den Halbmarathon vorbereiten, sondern auch auf den jährlichen Lauftest für Schiedsrichter. „Ich würde gerne bald im Herrenbereich pfeifen, dafür sollte ich aber noch ein bisschen an meiner Fitness arbeiten“, gibt er zu. Die erste Einheit hat ihm bereits gut gefallen und auch das System hat bereits seine ersten Vorteile gezeigt. „Nach den schnellen Läufen kam mir das Auslaufen viel einfacher vor, dabei war es das selbe Tempo wie am Anfang“, sagt der Wurzener.