31. Dezember 2019 / 17:55 Uhr

Laufbegeistertes Leipzig: Wo jeder Bereich im Laufsport abgedeckt ist

Laufbegeistertes Leipzig: Wo jeder Bereich im Laufsport abgedeckt ist

LVZ-Sportbuzzer
Leipziger Volkszeitung
43. Stadtwerke Leipzig Marathon . LŠufer  vom Marathon vor dem neuen Rathaus auf dem Martin-Luther-Ring in Leipzig.
Foto: Andre Kempner
Es läuft in Leipzig: Läufer vom Marathon im April vor dem neuen Rathaus auf dem Martin-Luther-Ring. © André Kempner
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Leipzig läuft! Michael Mamzed und Peter Schütze vom Stadtsportbund Leipzig sprechen im Interview über die Organisation des Marathons, den Reiz des Laufens, die besten Strecken in der Stadt – und was Laufanfänger beachten sollten.

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Leipzig. Leipzig läuft! Und es läuft in Leipzig, wie nicht nur der Leipzig Marathon belegt. Michael Mamzed, Geschäftsführer des Stadtsportbundes und verantwortlich für die Organisation des Laufs, und Peter Schütze (Vereinsberatung und Veranstaltungsorganisation), der sportliche Leiter des Marathons, sehen Leipzig insgesamt stark bewegt. Über 50 Wettkampfläufe gibt es hier im Jahr. Für beide wäre es im Rückblick 2019 und Ausblick 2020 schön, wenn sich die Lust der Leipziger am Laufen noch mehr auf die Mitgliedszahlen der Laufvereine auswirken würden.

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Michael Mamzed und Peter Schütze vom Stadtsportbund Leipzig stellen fest: Leipzig ist eine Laufstadt. © Stefan Michaelis
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Ist Leipzig eine Laufstadt oder laufverrückte Stadt?

Michael Mamzed: Davon kann man ausgehen, allein davon, was man im öffentlichen Raum wahrnimmt. Mit geht das so, denn ich bin viel mit dem Rad unterwegs, und da sieht man, dass sich viele Leipziger aktiv in den Anlagen der Stadt bewegen. Unabhängig davon zeigt der Laufkalender – also die Laufveranstaltungen, die sich in Leipzig etabliert haben – dass wöchentlich mehrere Veranstaltungen zur Verfügung stehen für Laufinteressierte. Das ist auch ein Beleg dafür.

Peter Schütze: Die Teilnehmerzahlen steigen bei fast allen Veranstaltungen. Es gibt weit über 50 Wettkampfläufe unterschiedlichen Charakters im Jahr in der Stadt. Man sieht es nicht zuletzt am Marathon, zu dem die Leipziger immer mehr kommen, egal über welche Distanz. Und dann auch an der Stadtrangliste Leipzig, die seit Jahren einen enormen Zuwachs hat. Das einzige Manko, was wir haben, ist, dass die Läufer den Weg in die Vereine nicht finden. Der Großteil ist individuell unterwegs. Der größte Verein ist der Verein der Nicht-Mitglieder. Wie laufverrückt die Leipziger aber sind, sieht man, wenn man am letzten Tag des Jahres einen Lauf macht: Zum Silvesterlauf kommen 700 Leute und zum Neujahrslauf 1000 Leute.

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Impressionen vom 57. Fockeberglauf in Leipzig ©

Hat Leipzig im Bereich Breitensport mehr Laufbegeisterte als andere Städte?

Michael Mamzed: Ich denke schon, dass Leipzig einen ziemlich hohen Grad an Laufbegeisterten hat.

Peter Schütze: Man muss unterschieden zwischen denen, die mal bei einem Wettkampf auftauchen, und denen, die einfach nur Laufen, um sich zu bewegen, um einen Sport zu betreiben. In der letzten Hinsicht ist Leipzig schon sehr, sehr aktiv. Das hat auch damit zu tun, dass Leipzig eine sehr grüne Stadt ist, mit dem Rosental, mit dem nördlichen und südlichen Auenwald, mit den Seen, um die gelaufen wird, von der Schladitzer Bucht bis runter zum Markkleeberger See. Man kann ja fast von Halle durch Leipzig bis Markkleeberg nur durchs Grüne laufen. Das ist etwas, was für Leipzig spricht.

Die größte Veranstaltung ist der Leipzig Marathon. Was macht seinen Reiz aus, was ist das Besondere dieser Veranstaltung?

Michael Mamzed: Es ist der Mix. Wir bieten ambitionierten Läufern die Marathonstrecke. Derjenige, der noch nicht ganz so weit ist, kann sich über die Halbmarathonstrecke oder über die zehn oder vier Kilometer versuchen. Wir haben die ganz Kleinen dabei, die mit zwei Jahren gerade so laufen können. Es gehen rund 500 Kinder von zwei bis zehn Jahren auf die Strecke. Und im höheren Altersspektrum: Ich kann da nur an Edith Kasek erinnern, die noch mit 87 Jahren mitläuft. Die Vielfalt der Möglichkeiten, die Internationalität – wir haben im Schnitt um die 70 Nationen am Start. Wir hatten schon Starter aus Neuseeland oder Japan.

DURCHKLICKEN: Bilder rund um den Leipzig Marathon 2019

Inline-Skater am Start. Zur Galerie
Inline-Skater am Start. ©

Ist bei den Veranstaltungen eines Jahres überhaupt noch Luft nach oben?

Michael Mamzed: Ich denke, wir haben schon eine ziemlich hohe Dichte, was an Veranstaltungen angeboten wird. Und das sind im Normalfall ja lokale Anbieter, also Vereine oder andere Veranstalter. Hin und wieder drängen ja auch noch Externe zusätzlich mit Spezialevents in die Stadt.

Peter Schütze: Wir haben sehr unterschiedliche Formen von Läufen, ich denke, man muss nicht mehr machen. Wir haben zum Beispiel die älteste Stundenlaufserie Deutschlands, die seit einigen Jahren von der LG eXa durchgeführt wird. Wir haben die Stadtranglistenserie, die 13 Läufe hat, inklusive Bahn- und Cross-Meisterschaften. Wir haben die Stadtläufe, den Marathon, den Sportcheck-Lauf. Es gibt den Traditionslauf, den Fockeberglauf. Und noch vieles mehr. Jeder Bereich im Laufsport ist eigentlich abgedeckt. Sicher könnte man mehr machen, aber es muss nicht sein. Die Läufer stimmen mit ihren Füßen ab.

DURCHKLICKEN: Bilder vom letzten Stundenlauf des Jahres 2019

Eindrücke vom 238. Stundenlauf am 10. Oktober 2019 in Leipzig. Zur Galerie
Eindrücke vom 238. Stundenlauf am 10. Oktober 2019 in Leipzig. ©

Wo sind für Sie die besten Laufstrecken in der Stadt?

Michael Mamzed: Da ist einmal der Auenwald in der Gänze, dort gibt es ja auch verschiedene Bereiche, die von Vereinen genutzt werden. Die Seen bieten durch die meistens guten Wegbedingungen und Wegbeziehungen Voraussetzungen, die das Laufen geradezu herausfordern. Gerade, wenn man ambitioniert ist. Am Markkleeberger See muss man schon ein bisschen geübt sein, während man im Clara-Zetkin-Park und Auenwald auch kürzere Strecken angehen könnte.

Peter Schütze: Leute, die nicht so leistungsorientiert sind, laufen gerade in den warmen Sommermonaten sehr viel im Clarapark, weil der sehr viele kurze, aber auch längere Möglichkeiten bietet. Das ist der Hotspot in der Stadt.

Wenn wir an einen Bewegungsmuffel denken, der für 2020 den guten Vorsatz fasst, mit dem Laufen anzufangen – was empfehlen Sie dem zum Einstieg?

Michael Mamzed: Als Stadtsportbund können wir helfen: Wir bieten alljährlich ein Laufseminar an, im Herbst des Jahres beginnend bis ran an den Leipzig-Marathon-Termin. Wir bieten darin systematisch in verschiedenen Leistungsgruppen vom Anfänger bis zum ambitionierten Läufer ein Training an, um sich von einem Frischling zu einem guten Läufer zu entwickeln.

Peter Schütze: Das Ziel ist: Wenn ein Läufer bei uns im Seminar anfängt, soll er nach den 20 Wochen vier bis zehn Kilometer laufen können. Wir sind der Meinung, man muss nicht gleich Halbmarathon oder Marathon laufen. Ansonsten haben wir viele Laufvereine, wo trainingsmethodisch sehr gut trainiert wird, zum Beispiel die Laufgruppe vom SC DHfK Leipzig, die weit über 200 Teilnehmer hat. Dort haben auch viele Teilnehmer des Seminars ihre sportliche Heimat gefunden. Das Hauptproblem ist für die, die mit dem Laufen anfangen: Viele wollen zu schnell zu viel.

DURCHKLICKEN: Bilder vom Auewald-Mannschaftslauf 2019

Der Auewald-Mannschaftslauf lockte am 14. August bereits zum 20. Mal zum sportlichen Wettstreit an die Neue Linie. Zur Galerie
Der Auewald-Mannschaftslauf lockte am 14. August bereits zum 20. Mal zum sportlichen Wettstreit an die Neue Linie. © Dirk Knofe

Was kann man denn richtig falsch machen als Laufeinsteiger?

Peter Schütze: Es trainieren viele zu schnell. Manche werden ungeduldig und wollen noch schneller trainieren. Sinnvoll ist aber auch, mal eine Trainingseinheit wegzulassen, weil sich vor allem bei einem Laufanfänger der Stütz- und Bewegungsapparat an die deutlich höhere Belastung gewöhnen muss. Gerade, wenn man lange nichts gemacht hat. Manche Leute fangen an mit 30 oder 40 Kilometern in der Woche, dann melden sich natürlich irgendwann die Gelenke. An dieser Stelle muss man bremsen, und dafür haben wir die Laufseminare, in denen zeigen, dass weniger auch mal mehr ist.

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Der Leipziger Sportmediziner Dr. René Toussaint, Turnierarzt der Leipzig open und selbst Läufer, empfiehlt Einsteigern ab 35 Jahren: Geht erst zum Arzt und lasst euch durchchecken. Was ist Ihre Empfehlung?

Peter Schütze: Ja, das sollte man auf jeden Fall machen. In unserem Laufseminar muss jeder Teilnehmer vorher einen Eingangsfragebogen ausfüllen, in dem verschiedene medizinische Indikatoren abgefragt werden, zum Beispiel Bluthochdruck. Sobald dort auch nur eine Frage mit Ja beantwortet, müssen die Teilnehmer vorher ihren Haus- oder Facharzt konsultieren und uns mitteilen, dass sie dort gewesen sind, bevor wir sie mitmachen lassen. Man unterschätzt das: Jahre lang nichts gemacht und im Sessel gesessen, abends das Feierabendbier getrunken – das kann ganz schnell umschlagen, weil der Körper das Laufen nicht gewohnt ist. Wir sensibilisieren die Leute: Laufen ist nicht einfach so Schuhe anziehen und losrennen. Ab einem gewissen Alter sollte man auf jeden Fall zum Arzt, um zu klären: Lassen das meine Gelenke überhaupt zu?

Was bietet ein Verein für Laufinteressierte, und warum ist es wichtig, sich darin zu betätigen?

Peter Schütze: Neben der sportlichen Betätigung ist die soziale Kompetenz wichtig, das Miteinander. Viele unserer Sportvereine organisieren ja Laufveranstaltungen. Wenn keine Leute da sind, die das in die Hand nehmen, brechen uns vielleicht schöne traditionelle Veranstaltungen weg. Wenn man zum Beispiel den Laufclub Auensee sieht, der einen der wenigen noch in Deutschland verbliebenen 100-Kilometer-Läufe organisiert mit seinen knapp 100 Mitgliedern – da ist der ganze Verein unterwegs, von früh um 4 Uhr, wenn die ersten Helfer die Strecke aufbauen, bis abends 22 Uhr, wenn die letzten Teilnehmer ins Ziel kommen.

Nic Ihlow gewinnt 43. Leipzig Marathon

Hat sich beim Leipzig Marathon hinsichtlich der Strecken bei den Teilnehmerzahlen etwas verändert?

Michael Mamzed: Generell muss man sagen, dass die Halbmarathonstrecke die gefragteste ist. Dort haben wir knapp 3000 Teilnehmer. Die zehn Kilometer sind mit 2000 Teilnehmern auch sehr gut frequentiert. Wir wünschten uns natürlich auch, dass der Marathon die 1000er-Marke stabil hält, aber das schwankt ein bisschen. Insgesamt sind wir mit den Teilnehmerzahlen sehr zufrieden. Die Konfiguration, die wir für diese Stadt haben, ist genau die, die wir leisten können mit der Infrastruktur und Logistik. Wir messen uns nicht mit Berlin, München oder Frankfurt. Das ist für Leipzig nicht ins Kalkül zu ziehen. Wir haben hier eine sehr schöne Veranstaltung, die über die Stadt hinaus in die Region ausstrahlt mit internationaler Beteiligung. Das ist ein super Paket.

Wo laufen Sie persönlich am liebsten?

Peter Schütze: Im Winter laufe ich am liebsten im nördlichen Auenwald, ansonsten im südlichen Auwald. Mit dem Fockeberg, damit man sich auch mal richtig quält. Ich bin außerdem ein bekennender Frühläufer. Morgens um 5 Uhr ist die beste Zeit.

Michael Mamzed: Ich fahre Rad. Ich muss meine Gelenke ein bisschen schonen. Ich fahre sowohl an die oberen Seen bis hin zur Goitzsche, ich mache da richtig Strecke. Ich bewege mich aber genauso gern im Südraum, Störmthaler oder Markkleeberger See, da gibt es sensationelle Bedingungen.

Lauftermine in Leipzig

Leipzig Marathon

26. April 2020

2019 gingen rund 9000 Läuferinnen und Läufer am Start von Leipzigs größter Laufveranstaltung mit Marathon, Halbmarathon, Läufen über zehn und vier Kilometern sowie weiteren Spezialläufen.

www.leipzigmarathon.de

Stadtrangliste Leipzig

ab Januar 2020

2019 waren 13 Läufe in der Wertung. Gewertet werden Vereins- und Läufer, die ihren Wohnsitz in Leipzig haben. Nach einem Wertungssystem – Teilnahmen, Platzierungen – werden so die besten Läufer des Jahres ermittelt.

www.stadtrangliste-leipzig.de

Leipziger Stundenläufe

ab 2. April 2020

Die Laufgemeinschaft eXa lädt zum Stunden-, Stundenpaar- und Halbstundenlauf auf die „Blaue Bahn“ der Sportfakultät der Universität Leipzig, jeweils am ersten Donnerstag eines Monats ab 18 Uhr. Dabei sollen so viele Runden wie möglich gelaufen werden.

www.stundenlauf.lg-exa.de

Laufseminare

Der Stadtsportbund Leipzig veranstaltet jedes Jahr – beginnend im Herbst – ein Ausdauertraining, das zwar auf die Teilnahme am Leipzig Marathon vorbereitet, aber viel mehr ist. Es macht auch Anfänger generell fit für den Laufsport, ist ein Herz-Kreislauf-Training, kombiniert dies mit Ernährungsberatung und einer kompetenten Begleitung über 20 Wochen. Das Laufseminar kann von Krankenkassen als Präventionskurs bezuschusst werden. Infos und Anmeldeunterlagen finden Interessierte auf der Website des Leipzig Marathons. Auch andere Anbieter und Vereine bieten Laufseminare an.

Stefan Michaelis

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