10. Februar 2021 / 19:00 Uhr

Laufen bei starkem Frost: Jetzt macht die Maske auch beim Sport Sinn

Laufen bei starkem Frost: Jetzt macht die Maske auch beim Sport Sinn

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Laufen für die Gesundheit: Doch bei kalten Temperaturen ist Vorsicht geboten.
Laufen für die Gesundheit: Doch bei kalten Temperaturen ist Vorsicht geboten. © Gaetan Bally/KEYSTONE/dpa
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Trotz wahrscheinlich zweistelliger Minusgrade ist das Spiel von RB Leipzig gegen Augsburg am Freitag nicht gefährdet. Hobbysportler sollten allerdings vorsichtig sein. Der SPORTBUZZER hat einen Mediziner und einen Wissenschaftler gefragt. Beide geben Breitensportlern Tipps fürs Training bei extremen Temperaturen.

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Leipzig. In der Nacht zum Samstag soll das Thermometer in Leipzig auf 17 Grad unter Null sinken, während des RB-Spiels gegen Augsburg sind minus 12 Grad vorhergesagt. Auf der Kippe steht das Spiel dennoch nicht, denn laut DFB-Regularien darf der Ball bis minus 15 Grad auf jeden Fall rollen – nur bei starkem Wind gilt eine untere Grenze von minus 10 Grad. „Ich gehe davon aus, dass wir spielen, auch wenn es laut meiner Temperaturvorhersage eher frostig wird“, sagte RB-Trainer Julian Nagelsmann, der für die Ersatzspieler und Betreuer auf der Bank eher Probleme sieht als für die Profis auf dem Grün, das dank der Rasenheizung und der Greenkeeper schneefrei und gut bespielbar ist.

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Auspowern ist kontraproduktiv

Probleme haben in der extremen Kälte eher die Breitensportler. Mal eben raus aus dem Homeoffice und den Kopf frei joggen. Ist das bei diesen Temperaturen eine gute Idee? „Mit ordentlicher Kleidung, witterungsgeschütztem Schuhwerk und einem Mundschutz spricht nichts dagegen“, sagt Sportmediziner Professor Detlef Brock vom Kinderzentrum am Johannisplatz. Der Mundschutz soll in diesem Fall übrigens weniger vor Corona als viel mehr vor der Kälte schützen, die Atemluft wird dadurch etwas aufgewärmt, was der Lunge die Arbeit erleichtert.

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Eine konkrete Temperatur, ab wann es zu kalt für Sport an der frischen Luft wird, nennt Brock bewusst nicht. „Das ist ziemlich individuell. Joggen ist locker bis minus 10 bis 15 Grad möglich. Sich auszupowern, kann aber kontraproduktiv sein und die Gesundheit beeinträchtigen.“ Das sieht Gerald Voß etwas anders. „Man muss auch mal an die Grenzen und darüber hinweg gehen. Die Dosis macht das Gift“, sagt der promovierte Sportwissenschaftler und Vizepräsident des Sächsischen Leichtathletik-Verbandes. „Schlechtere Bedingungen erzeugen oftmals eine andere Trainingswirkung.“



Überambitioniertes Training einstellen

Allerdings schränkt auch Voß ein: „Man muss schauen, wie der Körper es verarbeitet. Sport ist immer eine Kombination von Belastung und Erholung. Natürlich darf die Gesundheit nicht beeinträchtigt werden.“ So sei nicht zuletzt die richtige Verarbeitung der Belastung wichtig. „Mineralien zu sich nehmen, ein heißes Bad nehmen – und nach dem Training nicht eine Kiste Bier trinken.“

Brock warnt derweil vor überambitioniertem Training, gerade von Frischlingen. „Wer zu schnell zu viel will, riskiert eine Lungeninfektion. Die Keime setzen sich bei diesen Temperaturen eher fest.“ Wie immer beim Sport sei es sinnvoll, sich Stück für Stück zu steigern. „Wenn ich gut abgehärtet bin, bin ich resistenter. Der Körper kann sich darauf einstellen“, erklärt der Mediziner. Dennoch: Selbst Leistungssportler kämen nicht sofort mit extremen Kälte-Bedingungen zurecht. „Sie sind ganz normale Menschen, bloß besser trainiert. Auch sie brauchen eine gewisse Zeit, um sich vernünftig anzupassen“, so Brock.

Auf‘s Fallen eingestellt sein

Voß schlägt in eine ähnliche verbale Kerbe. „Der Mensch passt sich an alles mögliche an. Während wir in unseren Breitengraden mit minus zehn Grad zu tun haben, ist es in Sibirien völlig normal bei solchen Temperaturen Sport zu treiben. Das Training an sich bringt den Körper ja immer in ein Ungleichgewicht und fordert eine Anpassung von ihm.“ Die wohl bekannteste beim Neustart des Systems nach monatelanger Pause in der Sitzecke: Muskelkater.

Und dann gibt es da ja noch die erhöhte Sturzgefahr auf eisglattem Untergrund. Selbst daraus zieht Voß einen positiven Aspekt: „So erfährt das Laufen neben der Ausdauer-Komponente auch noch eine koordinative Komponente. Ich muss mich anders abdrücken, darauf achten, dass ich nicht wegrutsche, brauche eine ganz andere Körperstabilität als auf normalem Untergrund. Übungen auf wackligem Untergrund stabilisieren die Wirbelsäule.“ Dazu gehört übrigens auch: „Auf‘s Fallen eingestellt zu sein.“ Ein Oberschenkelhalsbruch wäre in der Tat eine böse Falle.

Mit Frank Schober