11. Januar 2022 / 15:08 Uhr

Start mit Hindernissen: Der Laufpass-Serie macht Corona weiterhin zu schaffen

Start mit Hindernissen: Der Laufpass-Serie macht Corona weiterhin zu schaffen

Norbert Fettback
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Da lief es noch im Georgengarten: Auf dem Gelände des TuS Marathon gehen die Sportler 2020 auf die Strecke.
Da lief es noch im Georgengarten: Auf dem Gelände des TuS Marathon gehen die Sportler 2020 auf die Strecke. © Norbert Fettback
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Für die Laufpass-Serie braucht's im 19. Jahr abermals einen besonders langen Atem. "Hammerschwer" sei es gewesen, das 36 Rennen umfassende Programm für 2022 überhaupt zusammenzustellen, berichtet Organisatorin Stefanie Eichel. Schon der Start konnte nicht wie geplant stattfinden.

Es ist wie bei einem Rennen, dem viele voller Ungeduld entgegenfiebern: Es heißt, eine ganze Weile zu warten, ehe die Ersten über die Startlinie gehen. Auch der Sparkassen-Laufpass der Region Hannover, der seine 19. Auflage erlebt und deutschandweit als älteste und größte Serie dieser Art gilt, verzögert sich. Coronabedingt musste der für den 16. Januar geplante Auftakt, der Winterlauf durch den Georgengarten, abgesagt werden.

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Unter der Woche gibt es vorab stattdessen ein sogenanntes virtuelles Angebot, bei dem jeder für sich allein die extra markierten Strecken an der Graft in Hannovers Westen unter die Füße nehmen kann. Nicht wie geplant wird es auch mit dem Bothfelder Crosswettbewerb laufen: Er wurde vom 5. Februar auf den 26. März verlegt – so wolle man der Verantwortung für die Gesundheit aller Beteiligten gerecht werden, sagt Timo Görtler, Abteilungsleiter beim TuS Bothfeld.

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Wirkliche Freude kommt bei den meisten, die Spaß und Geselligkeit beim Laufen suchen, angesichts dessen nicht auf. „Auf ein drittes Jahr mit der virtuellen Variante habe ich keine Lust mehr. Mir fehlt das Miteinander“, sagt Michael Weisker (55).

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Eigentlich ist der Hannoveraner ein großer Fan der Laufpass-Serie; all die Jahre vor Corona hat er kaum etwas ausgelassen, wenn zwischen Barsinghausen und Burgwedel der Startschuss zu einem Rennen ertönte. Mit der Pandemie setzte dann die große Leere ein. Voriges Jahr fanden gerade einmal sechs Läufe der Serie unter wettkampfnahen Bedingungen statt. Normalerweise hätten es 37 sein sollen.

Verlässliche Prognosen auf wackligen Beinen

Weiskers Name stand auch auf der Anmeldeliste für den abgesagten Winterlauf im Georgengarten. Nun muss er sich wohl bis zum 6. März gedulden – dann soll der Volkslauf am Altwarmbüchener See gestartet werden. Auch in dem Fall sorgt Corona für Fragezeichen; verlässliche Prognosen stehen weiterhin auf wackligen Beinen.

Für die vier Sportvereine von der Graft – SG 74, TuS Marathon, MTV Herrenhausen und TSG 93 –, die den Winterlauf ausrichten wollten, und den TuS Bothfeld ist die Gesundheit der Sportler und Unterstützer wichtiger, als einen Lauf auf Teufel komm raus durchzuziehen.

Muss sich in Geduld üben: Michael Weisker (links) war vor zwei Jahren beim Winterlauf dabei, der jetzt erneut abgesagt werden musste.
Muss sich in Geduld üben: Michael Weisker (links) war vor zwei Jahren beim Winterlauf dabei, der jetzt erneut abgesagt werden musste. © Norbert Fettback

Das ist auch oberste Prämisse für die gesamte Serie, wie Stefanie Eichel betont. Als Geschäftsführerin der Veranstaltungsagentur eichels: Event GmbH hat sie mit den Hut dafür auf, dass die Serie auch im 19. Jahr zu einem Renner ohne Risiken wird. Das unter Corona-Bedingungen hinzubekommen verlangt besonders langen Atem. „Hammerschwer“ sei es gewesen, sagt Eichel, das 36 Veranstaltungen umfassende Laufpass-Programm für 2022 überhaupt zusammenzustellen.

Dazu war auch einiges an Überzeugungsarbeit nötig. „Wir haben viele Vereine darin bestärkt und ihnen Mut gemacht, ihren Termin zu benennen. Immer mit der Möglichkeit, virtuelle Alternativen anzubieten, wenn es wegen Corona in echt nicht geht.“ 2022 sei ein „Übergangsjahr“, man hoffe „auf wieder verlässliche Strukturen in 2023“. Dann könnte man auch wieder Punkte fürs SPORTBUZZER-Ranking sammeln; dieses Jahr ist das aus naheliegenden Gründen erneut nicht möglich.

Augath zieht das geplante Programm durch

Bis dahin gilt es den Corona-Marathon, den niemand haben wollte, zu wuppen. Keiner weiß, wie lang er sein wird und wo sich das Ziel befindet. Wie man es dennoch hinbekommen kann, in solchen Zeiten Läufe zu veranstalten, die das Prädikat Lauf auch verdienen, hat Peter Augath demonstriert.

Seine kleine Agentur Trimindous hat zusammen mit Kooperationspartnern das für 2021 geplante Programm durchgezogen. Der Mittsommernachtslauf und das Eilenriederennen, beide gehören zur Laufpass-Serie, fanden ebenso statt wie der Silvesterlauf an der Leine und – als Premiere – das Deister Crossing in Springe. Anderswo wurde derweil meist virtuell gestartet.

Zeigt die Richtung an: Peter Augath veranstaltete 2021 zwei Rennen der Laufpass-Serie - in der Eilenriede und an der Leine.
Zeigt die Richtung an: Peter Augath veranstaltete 2021 zwei Rennen der Laufpass-Serie - in der Eilenriede und an der Leine. © Norbert Fettback

Hat Augath ein Geheimrezept? Für ihn sind zwei Sachen besonders wichtig. „In Kooperation mit dem Gesundheitsamt muss man ein Hygienekonzept haben, das auch umsetzbar ist“, sagt er. „Und den Teilnehmern muss man von Anfang transparent begegnen. Denen darf man nichts vorgaukeln – etwa, dass alles zu 100 Prozent sicher sei.“

Und dann hat Augath noch einen Trumpf im Ärmel: Sein im Schnitt 30-köpfiges Helferteam ist jung an Jahren und daher nicht so sehr von Ausfällen bedroht. Anders als bei so manchem der etablierten Vereine, in denen die unverzichtbaren Leute im Hintergrund mit der fortschreitenden Zahl der jeweiligen Veranstaltung alt geworden sind. Das fordert in Pandemiezeiten seinen Preis in Form abgesagter realer Läufe.

Eichel spürt Verunsicherung, aber auch Zuversicht

Auch Stefanie Eichel spürt in der Hinsicht eine gewisse Verunsicherung bei den Veranstaltern. „Viele haben Schwierigkeiten, eine stabile Helferstruktur zu benennen“, sagt sie. Gemeinsam wolle man aber durchhalten. „Man spürt den guten Willen und die Zuversicht. Das macht Mut.“

Und „ihr“ Hannover-Marathon am 3. April, der auch zur Laufpass-Serie gehört und aufgrund von Corona schon zweimal in Folge ausfallen musste? „Der 30. Marathon mit der deutschen Meisterschaft wird stattfinden“, erklärt Eichel. Über die Größe der Veranstaltung könne sie derzeit aber nichts sagen. „Wir wissen nicht, welche Spielregeln dann gelten, haben aber einiges im Hinterkopf, wie man so etwas verantwortungsbewusst umsetzen kann.“ Die bereits fünfstellige Meldezahl signalisiere Zuversicht. „Wenn man sich anmeldet, dann glaubt man ja, dass der Lauf auch stattfindet.“


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Das scheint auch Michael Weisker so zu sehen. Er hat sich für den 3. April eingeschrieben und will über die 42,195 Kilometer dabei sein. Das volle reale Programm also, nicht virtuell. „Ich bin optimistisch, dass wir bald wieder normal laufen können“, sagt er. Dann mal los!