30. April 2018 / 20:48 Uhr

Lautstarker Abschied für Salif Sané: 96-Fans setzen Boykott mit Einschränkung fort

Lautstarker Abschied für Salif Sané: 96-Fans setzen Boykott mit Einschränkung fort

Sascha Priesemann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Fans trafen sich erneut im Béi Chéz Heinz.
96-Fans trafen sich erneut im Béi Chéz Heinz. © Team zur Nieden/Archiv
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Es bleibt dabei: Die aktive Fanszene von Hannover 96 wird auch im letzten Heimspiel der laufenden Bundesliga-Saison schweigen. Allerdings will sie nach Abpfiff der Mannschaft lautstark Danke sagen. Insbesondere Salif Sané. Das hat sie auf ihrem achten Fanszenetreffen im Kultclub Bei Chéz Heinz beschlossen.

Alles neu macht der Mai – aber nicht in der aktiven Fanszene. Der Stimmungsboykott wird auch zum Saisonfinale nicht ausgesetzt. Beim vermeintlich letzten Heimspiel dieser Saison gegen Hertha BSC am Sonnabend wird der harte Kern der 96-Fans aus Protest gegen 96-Clubchef Martin Kind wieder schweigen. Allerdings mit einer Einschränkung: Nach dem Ab­pfiff soll sich bei der Mannschaft zünftig bedankt und dabei insbesondere Salif Sané lautstark verabschiedet werden. „Das gehört sich einfach. Wir müssen der Mannschaft für ihre starke Saison etwas zurückgeben und Salif Sané gebührend verabschieden“, sagten mehrere Fans nahezu wortgleich beim nunmehr achten Fanszenetreffen im Keller-Club „Chez Heinz“.

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Dort war bei den nur etwa 250 Anhängern auch diskutiert worden, den Stimmungsboykott für die letzte Heimpartie auszusetzen. Emotionale Reden dafür gab es keine, die Fans argumentierten rein aus taktischen Überlegungen. „Wenn wir jetzt nochmal Stimmung ma­chen, hinterlassen wir vielleicht einen guten Eindruck und können in der Sommerpause etwas bewegen“, sagte ein älterer 96-Fan von der Südtribüne.

Salif Sané: Eine Karriere in Bildern

Seit dem Sommer 2013 spielt Salif Sané bei Hannover 96. Im Sommer 2016 wurde der Abwehrspieler von mehreren Bundesligisten umworben - blieb aber bei den Roten und verlängerte sogar seinen Vertrag. Wir blicken auf seine Karriere zurück. Zur Galerie
Seit dem Sommer 2013 spielt Salif Sané bei Hannover 96. Im Sommer 2016 wurde der Abwehrspieler von mehreren Bundesligisten umworben - blieb aber bei den Roten und verlängerte sogar seinen Vertrag. Wir blicken auf seine Karriere zurück. © imago/

Doch die deutliche Mehrheit wollte nicht erneut in „Vorleistung“ treten und gegenüber dem Verein „goldene Brücken“ bauen – wie etwa beim Spiel gegen Freiburg, wo der Stimmungsboykott ausgesetzt worden war. „Da gab es direkt danach die Backpfeife“, schimpfte ein Fan. 96 hatte damals die Podiumsdiskussion abgesagt, die Anfang April unter veränderten Voraussetzungen dann doch stattfand.

„Die Stimmung einfach an- und wieder auszuknipsen, funktioniert nicht“, glaubt ein 96-Anhänger aus der Nordkurve. Zumal sich der Verein aus Sicht vieler im „Chez Heinz“ immer noch nicht bewegt habe. Die Jahreshauptversammlung feierten einige Fans zwar als Erfolg, die Rede von Vorstand Uwe Krause hinterließ jedoch tiefe Spuren bei den Kind-Gegnern. Krause hatte in seinem Rechenschaftsbericht der Kind-Opposition mangelndes Demokratieverständnis und Scheinheiligkeit vorgeworfen. Sein Entschuldigungsschreiben an den Fanbeirat, dass er nicht beabsichtigt habe, die Fans generell zu diskreditieren, und sie respektiere, quittierte der harte Kern der 96-Anhänger in der Kultkneipe am Fössebad mit spöttischem Gelächter.

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Das waren die Choreos der Fans von Hannover 96 der vergangenen Jahre:

Die 96-Fans präsentierten eine aufwendige Choreo für den Pokalheld Jörg Sievers, der Anfang Januar 2020 nach 30 Jahren bei Hannover 96 dem Ruf von Daniel Stendel nach Schottland folgte. Zur Galerie
Die 96-Fans präsentierten eine aufwendige Choreo für den Pokalheld Jörg Sievers, der Anfang Januar 2020 nach 30 Jahren bei Hannover 96 dem Ruf von Daniel Stendel nach Schottland folgte. ©

Allerdings verspüren einige 96-Anhänger auch eine gewisse Boykott-Müdigkeit und fragten bei den Fansprechern nach: „Wie lange soll das noch weitergehen? Reicht es nicht langsam?“ Eine schlüssige Antwort gab es nicht, nur das Versprechen, dass in der Sommerpause wieder mit dem Verein geredet werden soll. „Unser Ziel ist, dass es in der nächsten Saison im Stadion wieder cooler wird“, sagte einer der Wortführer.

So wie es sich die Fans auch nach dem Abpfiff des Spiels gegen Hertha BSC vorstellen. Sie gehen davon aus, dass die Mannschaft mit Abwehrchef Sané, der zur neuen Saison zu Schalke 04 wechselt, in die Kurve kommt. Dann soll es laut werden. „Die Mannschaft und der Trainer haben unter diesen Bedingungen eine Top-Leistung abgeliefert“, sagen die Fans – und sind damit ausnahmsweise mal einer Meinung mit Martin Kind.