20. Juli 2021 / 08:31 Uhr

"LE in Tokio": Judoka Marie Branser – Mit ungebrochenem Willen auf die Tatami

"LE in Tokio": Judoka Marie Branser – Mit ungebrochenem Willen auf die Tatami

Stephanie Riedel
Leipziger Volkszeitung
JUDO - IJF World Championships 2021 BUDAPEST,HUNGARY,11.JUN.21 - JUDO - IJF World Championships, ladies -78kg. Image shows Marie Branser COD and Patricija Brolih SLO. PUBLICATIONxNOTxINxAUTxSUIxSWE GEPAxpictures/xJohannesxFriedl
Bei der WM in Budapest verlor Marie Branser (weißer Anzug) gleich ihren ersten Kampf gegen die Slowenin Brolih. © Imago/GEPA pictures
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Judoka Marie Branser vom SC DHfK Leipzig steht in Japan für die Republik Kongo auf der Matte. Die 28-Jährige erlebt ihren ersten olympischen Sommer und will vorn mitmischen. 

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Leipzig. Zwölf Spitzensportlerinnen und -sportler aus Leipzig mit Startrecht für die Messestadt treten bei Olympia in Tokio für das Team Deutschland an. Eine weitere Ur-Leipzigerin ist für Afrika am Start: Judoka Marie Branser vom SC DHfK kämpft nach ihrem Nationenwechsel vor drei Jahren für die Demokratische Republik Kongo.

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Warten aufs olympische Outfit

Die Afrikameisterin hat sich den kontinentalen Quotenplatz für das größte Sportereignis der Welt gesichert. Die 28-Jährige landet am Dienstag in Japan, hinter ihr liegen eine Stippvisite in Kinshasa und eine zweiwöchige Vorbereitung mit Trainingswettkämpfen in Valencia und Paris. In der kongolesischen Hauptstadt wurde sie gemeinsam mit dem Olympiateam von 10 .000 Fans auf der Straße begrüßt – trotz ihres noch recht frischen Nationenwechsels im zurückliegenden Olympiazyklus. Die Athletin ist im Kongo angekommen, denn: „Die sportliche Leistung zählt“, so die Kampfsportlerin. Mit ihr reisen weitere sieben Sportlerinnen und Sportler für Kongo zu den Sommerspielen.

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Kurz vor dem Abflug gab sich die Athletin positiv, aufgeregt und sogar ein wenig euphorisch. „Ich freue mich mega, aber die Spannung steigt.“ Die Sächsin sei nervöser als sonst, beim Training unruhig, manchmal schneller gereizt. Doch sie vertraut auf ihre professionelle Vorbereitung über mehrere Jahre – und hat ein vertrautes Betreuerteam mit dabei. Nationaltrainer Petru Gherhes, DHfK-Coach Tobias Matthieu und Physiotherapeutin Stefanie Biber sind mit an Bord. Der Afrika-Coach wird Branser mit der nötigen Aggressivität und „mit ungebrochenem Willen“ auf die Matte bringen. Matthieu sei für die Taktikbesprechungen ganz besonders wichtig. „Er hat die Zügel in der Hand“, so formuliert es die Leipzigerin.

Die musste auch Marie Branser öfter ergreifen. Die Athletin ist noch nicht vom Olympischen Komitee ihres Landes eingekleidet worden. Also war ein Gang zum hiesigen Sporthändler vonnöten, um die kleine Leipziger Delegation mit Shirts auszustatten. Trainingsanzüge besorge der Nationalcoach in Paris. Marie Branser nimmt das mit Humor. Sie hofft, spätestens bei der Eröffnungsfeier im olympischen Zeremonie-Outfit der Republik Kongo auflaufen zu können.

Gegnerinnen mit Topniveau

Sonst sei seitens ihres Verbandes alles in Sack und Tüten. Heißt: Konzentration aufs Sportliche. Familie, Freunde und die DHfK-Sportfamilie drücken ihr die Daumen. Doch sie hat nicht nur Fans in Leipzig. Es gibt auch Neider und kategorische Gegner solcher mittlerweile recht häufigen Nationenwechsel. Doch eines steht auch fest: Die Sächsin hatte viele Hürden vor sich, sie brauchte jede Menge Geduld und Energie, geschenkt bekam sie den Olympiaplatz keineswegs.

Obwohl Marie Branser erst am Dienstag in Japan landet, bleibt der Judoka noch Zeit zum Akklimatisieren. Am 29. Juli (4 Uhr MESZ) steigt der erste Fight auf der Tatami. 23 Mitstreiterinnen – fast alle auf Weltklasseniveau – kämpfen um Edelmetall. Bransers Gewichtsklasse bis 78 Kilo ist natürlich top besetzt – jede mögliche Gegnerin hat es in sich. Fast alle Kontrahentinnen liegen in der Weltrangliste vor ihr – schließlich hat sich ja die Leipzigerin nicht direkt über die Rangliste qualifiziert. Das Motto „Dabei sein ist alles“ rückt dennoch in den Hintergrund. Sie würde gern mindestens einen Kampf gewinnen – ein hohes Ziel für eine Afrikanerin im Judo. „Du kannst aber auch nach der ersten Runde duschen gehen. Der Kopf und die Tagesform werden entscheiden.“

Mit Frank Schober