17. Juli 2021 / 09:00 Uhr

"LE in Tokio": Schwimmer Marek Ulrich - Punktlandung über 100 m Rücken

"LE in Tokio": Schwimmer Marek Ulrich - Punktlandung über 100 m Rücken

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Es war ein langes Zittern mit Happy End: Der Leipziger Schwimmer Marek Ulrich fährt nach Tokio.
Es war ein langes Zittern mit Happy End: Der Leipziger Schwimmer Marek Ulrich fährt nach Tokio. © imago images/Philipp Brem
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Lange war nicht klar, ob Marek Ulrich in Tokio dabei sein würde. In der Zeit des Bangens stand das kräftezehrende Höhentraining in Spanien auf dem Programm. Am Ende gab es grünes Licht vom DOSB und der 24-Jährige durfte seine Sachen packen.

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Leipzig. Schwimmtraining ist im Profibereich kein Zuckerschlecken – da bildet die SSG Leipzig am Landesstützpunkt Mainzer Straße keine Ausnahme. Dennoch kommt der Spaß in der Gruppe von Frank Embacher nicht zu kurz. Die mehr als 2000 Instagram-Follower der „TG Emma“ bekommen unter „Leipziger Allerlei“ regelmäßig witzige Clips und coole Sprüche geboten. Vor drei Wochen hielt der Coach nach dem Training eine kühle Erfrischung in der Hand und überreichte sie seinem Rücken-Ass Marek Ulrich freudestrahlend mit den Worten: „Wie versprochen: Wenn es mit Olympia klappt, gibt es ein Fässchen Bier.“

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„Das war nicht einfach“

Die SPORTBUZZER-Nachfrage beim Rückenspezialisten ergab: Die fünf Liter sind noch unangetastet, werden erst nach der Rückkehr aus Japan angestochen. Verdient hat sich der 24-Jährige das Extra-Präsent allemal, wurden seine Geduld und die Motivation doch im Mai/Juni auf eine extreme Probe gestellt. Zwar hatte der gebürtige Dessauer im April über 100 m Rücken mit einer Punktlandung den Olympia-Quotenplatz mit internationaler Norm für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) erkämpft, doch am allerletzten Tag des Quali-Zeitraumes fehlten fünf Hundertstel zur internen DSV-Richtzeit und im Finale zwölf Hundertstel zum sicheren Platz in der Lagenstaffel.

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Der DSV schlug den 1,99 m großen Leipziger sofort fürs Tokio-Team vor, doch der Deutsche Olympische Sportbund ließ sich fast weitere sechs Wochen Zeit, ehe er die „Härtefälle“ behandelte und auch Marek Ulrich als letztem Schwimmer grünes Licht für Olympia gab. Damit sind nach der „Nullnummer“ von London und Rio plötzlich wieder drei Leipziger Schwimmer bei Olympia dabei – ihr Verein (Post SV) feiert gleich mit einem Trio Olympia-Premiere. In der quälend langen Zeit des Wartens stand das kräftezehrende Höhentraining in Spanien auf dem Programm. Eine Tortur, der man sich mit Blick auf den Einzug in die olympische Schwimm-Arena gern unterzieht. Doch bei Marek Ulrich bestand die Gefahr, für die Katz zu trainieren. „Das war nicht einfach – ohne meine Familie und mein ganzes Umfeld hätte ich das nicht geschafft“, gestand Marek Ulrich, dessen Trainer ebenfalls angefressen war. Es schien, als müssten sich beide nach dem Tiefschlag in der ersten Nominierungsrunde gegenseitig neu motivieren.

„Möglichst ins Halbfinale kommen“

Inzwischen ist die Welt in Ordnung. Marek passt sich mit dem gesamten DSV-Team gerade in Kumamoto an die Zeitzone an und sagt: „Das Höhentraining hat mir auf jeden Fall etwas gebracht. Bei der Quali in Berlin kam nach 85 Metern der Mann mit dem Hammer, jetzt habe ich die letzten 15 Meter dazugewonnen.“ In der Sierra Nevada hat er noch mal ein paar Pfund verloren. Seit seinem Comeback im Herbst 2019 sind nun 15 Kilo „Speck“ runter, statt 110 zeigt die Waage nur noch 95 Kilo. Außenstehende hätten ihn 2019 sicher als sportlichen jungen Mann eingestuft. Nach eigenem Maßstab fühlte er sich nach zweijähriger Pause eher wie ein Schwamm. Nun springt er mit olympischem Körper ins olympische Becken. Das Comeback ist schon jetzt gelungen, die Chance nach der Olympiaverschiebung um zwölf Monate hat er beim Schopfe gepackt.

Sein Ziel für Tokio? „Die Abschlussfeier“, sagt er lachend. Das wird nicht funktionieren – 48 Stunden nach ihrem jeweils letzten Start müssen die Olympiateilnehmer die Heimreise antreten. „Nein, im Ernst: Ich möchte die Atmosphäre aufnehmen, alles genießen, Spaß haben – und möglichst ins Halbfinale kommen.“ Zudem wäre er gern Deutschlands bester Rückenschwimmer, womit sich sein Aufenthalt definitiv bis zur Lagenstaffel verlängern würde.

100 m Rücken: Vorlauf 25.7. (13.19 Uhr MESZ), HF 26.7. 4.12 Uhr, Finale 27.7. 3.51 Uhr. 4x100 m Lagen: Vorlauf 30.7., 14.50 Uhr, Finale 1.8. 4.36 Uhr.