16. Juli 2021 / 09:47 Uhr

"LE in Tokio": Slalomkanutin Andrea Herzog - Die Quarantäne lauert überall

"LE in Tokio": Slalomkanutin Andrea Herzog - Die Quarantäne lauert überall

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Slalomkanutin Andrea Herzog will in Tokio im Canadier-Einer Gold holen.
Slalomkanutin Andrea Herzog will in Tokio im Canadier-Einer Gold holen. © Imago / Eibner
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Reisechaos auf dem Weg nach Tokio, solidarische Hilfeleistungen für die Slowenen: Andrea Herzog und die Slalomkanuten haben schon vor Beginn der Olympischen Spiele Einiges hinter sich. An das Hygienekonzept haben sie sich inzwischen gewöhnt – und freuen sich nun auf den Tapetenwechsel.

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Tokio/Leipzig. Die Story mit dem verhinderten Bootstransport auf dem Lufthansaflug nach Tokio wäre für die deutschen Slalomkanuten beinahe zur unendlichen Geschichte geworden – im negativen Sinne. Zum Glück musste nicht das ganze Team auf Turkish Airlines umbuchen. Doch die beiden Trainer, die die Boote begleiteten, sind nur knapp einer siebentägigen Quarantäne entkommen. Bei der Ankunft in der Olympiastadt war ein Passagier, der mit den Spielen nichts zu tun hat, coronapositiv. Alle Mitreisenden, die in seiner Nähe saßen, fanden sich in Quarantäne wieder.

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Herzog seit einer Woche im Training

So durfte das slowenische Slalomteam anfangs nicht trainieren und stand ein paar Tage mit nur einem Betreuer da. „Da haben wir solidarisch Hilfe angeboten – uns hätte es ja genauso treffen können“, erzählt DKV-Cheftrainer Klaus Pohlen in der Zoom-Pressekonferenz des Verbandes live aus Tokio. Mittlerweile durften die slowenischen Trainer zurück an den Kanal – jedoch isoliert von allen Kollegen auf der anderen Seite des Wassers.

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Seit einer Woche trainiert auch die Leipziger LKC-Hoffnung Andrea Herzog auf der Olympiastrecke. Jede Einheit sei für die 21-Jährige wichtig, um sich die Spezifik des Kanals zu erarbeiten. Wegen der Pandemie waren seit Herbst 2019 alle Trainingslager ausgefallen. Der Charakter der Strecke wurde durch Umstecken der Hindernisse seither mehrfach geändert. Die komplette Weltelite muss nun in wenigen Tagen alle neuralgischen Punkte kennenlernen, um Fehler im Wettkampf zu vermeiden.

Umarmung mit Philipp?

Die alten „Olympia-Hasen“ finden den Kanal technisch anspruchsvoll, aber vom Wildwasser her weniger imposant als 2012 in London oder 2016 in Rio de Janeiro. Da es in den ersten Tagen sehr regnerisch war, wurden Andrea Herzog und ihre Mitstreiter nicht gleich mit der geballten japanischen Juli-Hitze konfrontiert, die sich nun langsam breitmacht. Das olympische Flair beschränkt sich vorerst auf die riesigen fünf Ringe an der Strecke und die großen Tribünen, die leer bleiben werden. Noch sind die DKV-Slalomkanuten im Hotel untergebracht, wo fast jede Nation eine eigene Etage bewohnt. Ans Hygienekonzept mit täglichem Spucktest, ständigem Desinfizieren der Hände und der Einteilung der Nationen in drei Gruppen haben sich alle gewöhnt.

Zum Frühstück gibt es – unter anderem – bereits Pommes und Fleisch, an der Strecke Fertignahrung in Plastebehältern. Doch das soll sich im Olympischen Dorf bessern, weshalb alle dem Tapetenwechsel am Montag entgegenfiebern. „Wir fühlen uns sehr gut aufgenommen, wir wurden freundlich begrüßt, die Japaner tun alles, damit es uns gut geht und wir uns sicher fühlen“, erzählt die Canadier-Weltmeisterin aus Leipzig. Und die 21-Jährige ergänzt: „Natürlich sind die Gastgeber in Sachen Einhaltung der Coronaregeln strenger als wir es von Weltcups gewohnt sind. Aber das ist auch in unserem Sinne. Wir wollen ja unseren Olympiastart nicht gefährden und möglichst um eine Quarantäne herumkommen.“ Diese lauert theoretisch überall.

Kurz nach der Eröffnung wird sogar Andreas Lebenspartner Philipp in Tokio ankommen, der vor Ort die Medienarbeit des Kanu-Verbandes koordiniert. Doch mit seiner Presseakkreditierung ist der 26-Jährige kein Teammitglied. Ob er seine Andrea auch mal in den Arm nehmen kann, ist alles andere als sicher.

C1-Qualifikation: 28. Juli, 6 Uhr. Halbfinale/Finale: 29. Juli, 7 Uhr/8.45 Uhr.