07. März 2021 / 16:16 Uhr

Lehmann rechnet mit Schalke ab und kritisiert Grammozis: "Versteht man überhaupt, was man da macht?"

Lehmann rechnet mit Schalke ab und kritisiert Grammozis: "Versteht man überhaupt, was man da macht?"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ex-Schalke-Profi Jens Lehmann (r.) hat bittere Kritik an den Knappen geübt.
Ex-Schalke-Profi Jens Lehmann (r.) hat bittere Kritik an den Knappen geübt. © Getty/IMAGO/Passion2Press
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Jens Lehmann ist verärgert über seinen Ex-Verein Schalke 04. Die Knappen taumeln auch unter Dimitrios Grammozis in Richtung 2. Liga. Bei S04 seien viele Fehler gemacht worden, so Lehmann - der auch den neuen Trainer nicht verschonte.

Der langjährige Schalke-Profi Jens Lehmann hat herbe Kritik an seinem früheren Verein geübt - und dabei auch den neuen Trainer Dimitrios Grammozis nicht ausgespart. Dem Ex-Darmstadt-Coach warf der frühere Nationaltorhüter eine allzu zögerliche Taktik im für S04 überlebenswichtigen Heimspiel gegen Mainz 05 am vergangenen Freitag vor, das 0:0 endete und Schalke mit acht Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz am Tabellenende zurücklässt. "Normalerweise hätte ich einen Aufbruch erwartet, zumindest so lange wie die Kräfte reichen nach vorn zu gehen, auch mal Risiko zu nehmen", lamentierte Lehmann am Sonntag bei Sky90. "Das war gar nichts, gar nichts."

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Dabei hatte Grammozis, der am Mittwoch als Nachfolger von Christian Gross vorgestellt worden war, vor der Partie betont, die Spieler "einfach nur noch loslassen" zu wollen, "damit sie hier im Stadion zeigen können, was wirklich in ihnen steckt". Gegen die Mainzer, die ebenfalls tief im Abstiegskampf stecken, schossen die Schalker jedoch nur zwei Mal auf das Tor und blieben insgesamt deutlich harmloser als die Gäste, die es in Summe 19 Mal probierten. Lehmann ärgert dies. "Man sagt, man versucht nochmal etwas, schießt dann aber kaum einmal aufs Tor, hat kaum Ballbesitz und steht nur hinten drin. Versteht man überhaupt, was man da macht auf dem Fußballplatz?", so der Ex-DFB-Keeper weiter. Grammozis habe eine Formation gespielt, in der man praktisch nie gefährlich vor das Mainzer Tor gekommen war.

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Lehmann sieht auch unter dem neuen Chefcoach wenig Anlass zur Hoffnung auf den Klassenerhalt. "Wenn man gegen Mainz in der ersten Halbzeit ich glaube nicht einmal aufs Tor schießt, abgesehen von einer Ecke, dann wüsste ich nicht, woher noch etwas kommen sollte." Jedoch müsse man auch Grammozis eine Chance geben, so Lehmann, auch wenn Schalke dazu in dieser Saison wohl kaum mehr Zeit mehr hat. Der Klub werde "so zerschossen, das ist eigentlich nicht akzeptabel", so Lehmann. S04 unterstellte er in Summe "Nichtwissen mit teilweise Ignoranz".

Lehmann: Ex-Sportchef Schneider wurde "allein gelassen"

Lehmann, der den künftigen Co-Trainer Mike Büskens als "sehr gute Wahl" lobte, hat wie sein einstiger Mitspieler eine emotionale Bindung zu dem Klub ("Schalke geht ans Herz"), bei dem er in den späten 1980er Jahren seinen Durchbruch schaffte und mit dem er 1997 als Teil der legendären "Eurofighter" den UEFA-Cup gewann. Mit den Helden dieser Generation hält er regelmäßig Kontakt. "Inzwischen realisiert jeder, wie schlecht alles gelaufen ist", sagte der 51-Jährige, der inzwischen als Aufsichtsrat bei Hertha BSC fungiert. Deshalb stellte er klar: "Ich biete da keine Hilfe an, ich bin bei Hertha."

Allerdings gab der gebürtige Essener, der insgesamt 310 Mal für Schalke aufgelaufen war, auch zu, ein gutes Verhältnis zum genau wie Gross mittlerweile geschassten Jochen Schneider gehabt zu haben. Er habe erst vor zwei Wochen mit dem Ex-Sportvorstand gesprochen. "Er ist ein guter Typ, ich kenne ihn noch aus Stuttgart. Er war mit den ganzen Anforderungen allein gelassen", ärgerte sich Lehmann, der kurz nach der Kontaktaufnahme von Schneiders Demission erfuhr: "Als wir dann mal reden wollten, war er wieder weg." Lehmann ging auch auf den Aufsichtsrat los, der bei S04 "keine Ahnung was macht - anscheinend nicht viel..."

Schalke nie wieder auf Augenhöhe mit BVB, Gladbach & Co.?

Nun muss S04 wohl oder übel für die 2. Bundesliga planen - wie Knäbel im "Doppelpass" von Sport1 nochmals bekräftigte. Lehmann verwies auf andere Großvereine, deren Fehler in der 2. Liga Schalke nicht wiederholen dürfe. Viele dieser Klubs würden denken, sie könnten sofort wieder aufsteigen. "Vergiss es! Es kann passieren, dass du zwei, drei Jahre da unten rumhängst", betonte der Ex-Torwart, der als junger Schlussmann selbst mit Schalke nach dem Bundesliga-Abstieg 1988 erst 1991 den Wiederaufstieg schaffte. "Und den Anschluss dann wieder zu schaffen an Dortmund, Gladbach und so weiter ist fast unmöglich."