10. Februar 2022 / 07:36 Uhr

Leichtathletik in der Arena Leipzig: Starke Gastgeber und ein überraschender Weltrekord

Leichtathletik in der Arena Leipzig: Starke Gastgeber und ein überraschender Weltrekord

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Daniel Borchardt (Eintracht Frankfurt), Alexander Kosenkow (TV Wattenscheid), Patrick Domogala (MTG Mannheim), Roy Schmidt (SC DHfK) über  60 m 

  (v.l.n.r.).
Alexander Kosenkow (TV Wattenscheid, 3. v.r.) sorgte beim Sprint über 60 Meter für Furore. © Christian Modla
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Der DHfK-Läufer Conrad Kieselberger führte beim Leipziger Leichtathletikmeeting seinen Vereinskollegen Robert Farken zum Heimsieg. Für einen Weltrekord sorgte der Wattenscheider Alexander Kosenkow.

Leipzig. Bis zum Nachmittag war der angehende Maschinenbauer noch als Werkstudent für die Deutsche Bahn im Einsatz. Doch kurz nach 20 Uhr übernahm Läufer Conrad Kieselberger am Mittwoch beim Leichtathletikmeeting seines Vereins auf der Rundbahn der Arena Leipzig einen verantwortungsvollen Job im DHfK-Trikot. Der 22-Jährige machte beim international besetzten 800-Meter-Lauf das Tempo für seinen Vereinskollegen Robert Farken. Dieser lief 14 Tage nach Rückkehr vom Höhentraining in Südafrika seinen womöglich einzigen 800er dieser Hallensaison, ehe es in wenigen Tagen mit den 1500 Metern weitergeht. Der aus Rangsdorf stammende Kieselberger gab die Pace 500 Meter lang vor und führte seinen zwei Jahre älteren Kumpel zum souveränen Heimsieg.

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Schneller zweite Hälfte von Farken

In 1:47,14 Minuten hatte Olympia-Halbfinalist Robert Farken fast eine Sekunde Vorsprung auf seinen ärgsten Widersacher George Mills aus Großbritannien – zugleich steigerte der Sachse seine persönliche Bestzeit unterm Hallendach um sieben Hundertstel. Zunächst war Kieselberger happy: "Ich sollte bei 400 Metern in 52,50 Sekunden durchgehen - das ist so exakt gar nicht leicht zu treffen. Eine 52,6/52,7 ist es zum Glück geworden, ich konnte Robert sogar noch 100 Meter länger helfen und freue mich über seine Bestzeit." Der Tempomacher hat selbst eine Bestzeit von unter 1:50, war im Januar aber krank und verzichtet auf eine eigene Hallensaison.

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Corinna Schwab (LAC Erdgas Chemnitz) über 200m Frauen. Zur Galerie
Corinna Schwab (LAC Erdgas Chemnitz) über 200m Frauen. © Christian Modla

Farken klemmte sich am Mittwoch nicht sofort an die Fersen seines Kumpels. "Ich bin absichtlich etwas langsamer angegangen. Dadurch konnte ich die zweite Hälfte schneller laufen als die erste - das ist immer ein gutes Zeichen. Zudem hatte ich einige Positionskämpfe. Auch die muss man ab und an üben."

Fulminanter Weltrekord

In den Sprints sorgte der Zwölftplatzierte über 60 Meter für Furore! Wie das? Alexander Kosenkow war fast zwei Jahrzehnte lang Mr. Zuverlässig in der DLV-Sprintstaffel. In wenigen Wochen wird der Wattenscheider 45 Jahre alt. Auf der schnellen Leipziger Bahn ging er diesmal auf Weltrekordjagd in der Altersklasse 45-49. Im Kurzsprint verpasste er die Bestmarke in 7,00 Sekunden um drei Hundertstel.

Doch zwei Stunden später hatte der viermalige EM-Medaillengewinner eine zweite Chance über 200 Meter. Hier waren 22,46 Sekunden zu knacken – und Kosenkow nutzte die Leipziger Top-Bedingungen und den günstigen Kurvenradius auf Außenbahn sechs zu einem fulminanten Weltrekord in 22,21 Sekunden. Platz 13 im Vergleich mit seinen deutlich jüngeren Nachfolgern konnte der Oldie gut verkraften. Bundestrainer Ronald Stein aus Leipzig freute sich für seinen Ex-Schützling und meinte: "Für so einen verdienstvollen Mann haben wir gern die Außenbahn freigehalten." Bei den Frauen glänzte Corinna Schwab aus Chemnitz in 22,96 Sekunden mit einer Top-Zeit.

Schnellster Kurzsprinter war der für Wolfsburg startende Lokalmatador Deniz Almas, der seine Saisonbestzeit in 6,69 und 6,66 Sekunden gleich zwei Mal knackte und zufrieden feststellte: „Das hat sich heute endlich wieder wie Sprint angefühlt. Darauf lässt sich aufbauen.“ Bei der Hallen-DM am 26. Februar will Almas wie 2020 um Gold kämpfen. Mit seinem Mittwoch-Sprint schob er sich zunächst in Lauerposition auf Platz vier der diesjährigen Bestenliste – bei den folgenden Meetings in Dortmund und Düsseldorf will er auch gegen starke Konkurrenz ins Finale kommen.