02. Dezember 2021 / 17:58 Uhr

Leichtathletik: SC Potsdam verlängert Verträge mit Top-Sportlern

Leichtathletik: SC Potsdam verlängert Verträge mit Top-Sportlern

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Der SCP-Vorstandsvorsitzende Peter Rieger (2.v.r.) gab die Vertragsverlängerung mit Top-Leichtathleten des Vereins bekannt. Zu den Aktiven gehören Nils Brembach, Henning Prüfer, Leni Freyja Wildgrube, Christopher Linke, Hagen Pohle, Kristin Pudenz und Bernhard Seifert (v.l.). 
Der SCP-Vorstandsvorsitzende Peter Rieger (2.v.r.) gab die Vertragsverlängerung mit Top-Leichtathleten des Vereins bekannt. Zu den Aktiven gehören Nils Brembach, Henning Prüfer, Leni Freyja Wildgrube, Christopher Linke, Hagen Pohle, Kristin Pudenz und Bernhard Seifert (v.l.).  © Gerhard Pohl
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Die Unterstützung durch den Verein ist ein Rädchen im Erfolgssystem der Aktiven, die 2022 gleich zwei internationale Höhepunkte haben. Allerdings gestaltet sich die Sportlerförderung stets als Herausforderung. 

Das Jahr 2021 war ein außergewöhnliches für die Leichtathletik-Sparte des SC Potsdam. „Unser bisher bestes – ganz besonders im Elitebereich“, sagt der Vorstandsvorsitzende Peter Rieger. Sieben Aktive waren bei den Olympischen Spielen in Tokio am Start, Diskuswerferin Kristin Pudenz holte dabei mit persönlicher Bestleistung Silber und damit die erste Potsdamer Olympiamedaillen in der Leichtathletik seit 1988. „An die tollen Erfolge wollen wir 2022 anknüpfen“, sagt Rieger. Für diese Mission gab der Verein am Donnerstag die Vertragsverlängerung mit seinen Top-Leichtathleten bekannt.

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Finanzierung der Trainingslager

Insgesamt 30 SCP-Sportler sind für das nächste Jahr als Leichtathletik-Bundeskader eingestuft worden. Pudenz und der Olympiafünfte im 20-Kilometer-Gehen, Christopher Linke, gehören dem Olympiakader als oberster nationaler Stufe an. Zum Perspektivkader zählen Nils Brembach, Hagen Pohle (beide Gehen), Clemens und Henning Prüfer (beide Diskuswurf), Bernhard Seifert, Annika-Marie Fuchs (beide Speerwurf), Jean Paul Bredau (Sprint), Leni Freyja Wildgrube und Ella Buchner (beide Stabhochsprung). Darunter ist der Nachwuchskader angesiedelt. Sieben Aktive aus der starken Potsdamer Leichtathletikriege waren am Donnerstag bei der Vertragsverkündung in der MBS-Arena stellvertretend für alle Kaderathleten anwesend.

In Bildern: Diese Aktiven aus Brandenburg gewannen bei den auf 2021 verschobenen Sommerspielen Edelmetall.

Gleich doppelt war Brandenburg am Goldgewinn des deutschen Kajak-Vierers beteiligt. Die Potsdamer Ronald Rauhe (2.v.l.) und Max Lemke (r.) gehörten ebenso zur Crew wie Max Rendschmidt aus Essen (l.) und Tom Liebscher. Rauhe beendete mit diesem Triumph seine herausragende Karriere. Zur Galerie
Gleich doppelt war Brandenburg am Goldgewinn des deutschen Kajak-Vierers beteiligt. Die Potsdamer Ronald Rauhe (2.v.l.) und Max Lemke (r.) gehörten ebenso zur Crew wie Max Rendschmidt aus Essen (l.) und Tom Liebscher. Rauhe beendete mit diesem Triumph seine herausragende Karriere. ©

Die Förderung durch den Verein sei„ein wichtiges Rädchen im System“, sagt Pudenz. Die meisten der Spitzensportler sind durch Fördergruppen bei Bundeswehr oder Polizei abgesichert, hinzu kommen die Sporthilfen von Deutschland und Brandenburg. „Der Verein ist eine weitere beständige Stütze“, meint Brembach. Sein Disziplinkollege Pohle ergänzt: „Zusammen mit dem Land Brandenburg finanziert der Verein unsere Olympiaprojekte, also Trainingslager. Das ist sehr wichtig.“ Bei den Gehern kämen pro Saison ein halbes Dutzend und mehr solcher Lehrgänge zusammen.  „Das braucht es für Weltklasseleistungen“, sagt Speer-Olympionike Seifert, „um diese Maßnahmen stemmen zu können, spielt der Verein eine große Rolle.“ Außerdem erhalten die Top-Athleten individuell ein finanzielles Zubrot. „Darüber sind wir froh. Es ist zu einem gewissen Grad eine Anerkennung der Leistung. Ich sage bewusst: gewisser Grad. Denn wir merken jedes Jahr aufs Neue, welch harter Kampf es für uns Sportler, aber auch den Verein ist, gute Verträge schließen zu können“, sagt Linke.


WM und Heim-EM im nächsten Jahr

Das bestätigt auch der Vorstandsvorsitzende. In der Vergangenheit hatte der SC Potsdam immer mal wieder zum Thema gemacht, wie schwer es sei, Sponsoren für die Leichtathleten zu gewinnen. „Leider halten sich da viele potenzielle Unterstützer zurück, weil sie nicht so einen großen Werbefaktor sehen. Selbst tolle Erfolge ändern da wenig dran“, erzählt Rieger. „Inzwischen konnten wir uns stabilisieren.“ Das sei auch durch Strukturänderungen im Verein gelungen. 2018 begann ein entsprechender Umbau, ein hauptamtlicher Vorstand wurde installiert. „Damit sind Aufgaben auf mehr Schultern verteilt, wir sind bei der Mittelakquise besser aufgestellt, effizienter“, erklärt Rieger. Die Herausforderung sei, als eingetragener Verein „gemeinnützig zu handeln, aber kommerziell zu denken, um alles gut finanzieren zu können“.

Aktuell müssen bereits wieder die ersten Trainingslager der neuen Saison bezahlt werden. 2022 wirft seine Schatten voraus – diese haben ungewöhnliche Konturen, denn nächstes Jahr stehen gleich zwei internationale Höhepunkte auf dem Plan. Vom 15. bis 24. Juli finden die Weltmeisterschaften in Eugene (USA) statt, die im Dominoeffekt der coronabedingten Tokio-Olympiaverschiebung um ein Jahr nach hinten terminiert worden sind. Im Rahmen der Multisportveranstaltung European Championships in München (11. bis 21. August) folgt dann die Heim-EM. „Zwei solche Events in kurzem Abstand zueinander sind reizvoll und eine spannende Herausforderung“, sagt Pudenz. „Und nach Silber bei Olympia ist natürlich mein Anspruchsdenken jetzt nicht mehr, nur unter die Top 8 kommen zu wollen.“ Die Messlatte nach dem außergewöhnlichen 2021 liegt hoch. Für sie im Speziellen und den SC Potsdam ganz allgemein.