05. Oktober 2019 / 20:41 Uhr

Leichtathletik-WM: Klosterhalfen holt sensationell Bronze über 5000 Meter

Leichtathletik-WM: Klosterhalfen holt sensationell Bronze über 5000 Meter

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
DOHA, QATAR - OCTOBER 05: Konstanze Klosterhalfen of Germany celebrates bronze in the Women's 5000 Metres final during day nine of 17th IAAF World Athletics Championships Doha 2019 at Khalifa International Stadium on October 05, 2019 in Doha, Qatar. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images for IAAF)
DOHA, QATAR - OCTOBER 05: Konstanze Klosterhalfen of Germany celebrates bronze in the Women's 5000 Metres final during day nine of 17th IAAF World Athletics Championships Doha 2019 at Khalifa International Stadium on October 05, 2019 in Doha, Qatar. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images for IAAF) © 2019 Getty Images
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Konstanze Klosterhalfen ließ sich bei der Leichtathletik-WM nicht von der Dopingsperre des Leiters ihres Laufprojekts irritieren. Im Finale zeigte sie eine couragierte Leistung - und holte die Bronze-Medaille!

Konstanze Klosterhalfen gewinnt Bronze bei der Leichtathletik-WM! Die deutsche Lauf-Hoffnung setzte sich am Samstag in einem grandiosen Rennen über die 5000 Meter gegen mehrere Kenianerinnen und Äthiopierinnen durch, wurde nur geschlagen von der Kenianerin Hellen Obiri, die einen Weltmeisterschaftsrekord aufstellte. Klosterhalfen setzte sich nach gut der Hälfte des Rennens mit fünf Konkurrentinnen ab und lief lange souverän an zweiter Position. Hinten raus zeigte sie einen herausragenden Schlussspurt.

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Dabei war die letzte halbe Woche für Klosterhalfen womöglich eine der schwersten ihrer noch jungen Karriere. Unter der Woche wurde der Leiter des Nike Oregon Project (NOP), dem sie seit April offiziell angehört, wegen Dopingvergehen für vier Jahre gesperrt. Die amerikanische Anti-Doping-Behörde Usada sah es als bewiesen an, dass der ehemalige Top-Läufer Alberto Salazar über viele Jahre mit Dopingmethoden praktiziert hatte. Ausgerechnet während der Leichtathletik-WM in Doha, ausgerechnet einen Tag vor der Qualifikation Klosterhalfens über die 5000 Meter. Sie ließ sich aber im Rennen nichts anmerken, rannte souverän ins Finale.

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Erst danach geriet sie leicht ins Stolpern, als sie von „schockierende Nachrichten“ sprach, die sei „ein bisschen traurig“ gemacht hätten. „Aber wir haben das in unserem Team besprochen. Das betrifft uns alle nicht“, sagte Klosterhalfen da. Kritik gab dennoch. Vor allem der US-Mittelstreckenstar Jenny Simpson wurde deutlich: „Jeder, der sich auch nur ein bisschen in diesem Sport auskennt, weiß, dass ein Schatten über dieser Gruppe liegt“, sagte die Olympiadritte und Ex-Weltmeisterin über 1500 m: „Warum sich jemand dieser Gruppe anschließt? Keine Ahnung. Jeder, der jetzt schockiert ist, ist nicht in diesem Sport involviert.“

Tatsächlich liegt schon seit Jahren ein Schatten über dem NOP. Schon 2015 berichtete die BBC und die Webseite ProPublica über Doping-Verstrickungen Salazars, der übrigens die 1.500-Meter- und 10.000-Meter-Weltmeisterin von Doha, Sifan Hassan trainiert. Der 140-Seiten-Bericht der Usada bestätigte nun die Vorwürfe. Trotzdem will Salazar in Berufung gehen – mit der Unterstützung des Sportartikel-Riesen Nike, der seit der Gründung des Projekts massiv in das Laufteam investierte und sich so einen guten Ruf in der Laufszene erarbeitete. Gegründet wurde das Projekt, um die ostafrikanische Dominanz in Mittel- und Langstrecken-Läufen zu brechen, was auch teilweise gelang. Der Brite Mo Farah, Doppel-Olympiasieger von London, war so ein Vorzeige-Athlet, verließ das Projekt aber 2017. Offiziell aber nicht aufgrund der Doping-Anschuldigungen. Davon hatte hätte er ohnehin nichts mitbekommen.

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Genauso wie Klosterhalfen. „Aus unserem Team betrifft das alle nicht“, behauptete sie. Deshalb habe sie auch nicht vor, Konsequenzen zu ziehen. „Ich habe das beste Jahr gehabt und bin superglücklich, in diesem Team zu sein“, sagte die 22-Jährige. „Ich freue mich jetzt schon drauf, nach der Saisonpause wieder hin zu gehen und weiter zu trainieren und besser und schneller zu werden.“

Klosterhalfen trainiert unter Pete Julian

Seitdem sie mit dem NOP – da genau genommen unter „Pete Julian und nicht Alberto Salazar“ trainiert, wie Klosterhalfen immer wieder betont – hat sie sechs deutsche Rekorde aufgestellt. Drei davon in der Halle, drei im Stadion. Julian soll, so munkelt man in Doha, die Führung des Projekts übernehmen, wenn Salazars Einspruch erfolglos bliebt. Das von ist nach aktuellem Stand der Ermittlungen von auszugehen.

Aufgrund dieser Leistungssteigerung innerhalb eines Jahres musste sich Klosterhalfen bereits im Vorfeld unangenehme Fragen gefallen lassen, die sie allerdings immer wieder mit ihren großen Rehaugen ausweichend beantwortete. „Die Journalisten wissen ja nicht, wie es da abgeht“, sagte sie. Das Training sei einfach intensiver als zuvor in Leverkusen, die Struktur schlauer.

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