07. Oktober 2019 / 11:42 Uhr

Kommentar zu Kaul, Mihambo, Klosterhalfen und Co. bei der Leichtathletik-WM: Ein Team mit Zukunft

Kommentar zu Kaul, Mihambo, Klosterhalfen und Co. bei der Leichtathletik-WM: Ein Team mit Zukunft

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul, Weitsprung-Champion Malaika Mihambo und Langstreckenläuferin Konstanze Klosterhalfen sind große deutsche Hoffnungen, findet SPORTBUZZER-Redakteur Stefan Döring.
Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul, Weitsprung-Champion Malaika Mihambo und Langstreckenläuferin Konstanze Klosterhalfen sind große deutsche Hoffnungen, findet SPORTBUZZER-Redakteur Stefan Döring. © Getty Images (3)
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Die deutschen Leichtathleten erlebten eine durchwachsende WM in Doha. Doch eines scheint sicher: Viele Athleten haben eine gute Zukunft vor sich, meint SPORTBUZZER-Redakteur Stefan Döring.

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An dieser Stelle wurde schon viel über die äußerst fragwürdigen Bedingungen bei der Leichtathletik-WM in Doha geschrieben. Das Klima war gerade für die Wettbewerbe auf der Straße – und damit außerhalb des klimatisierten Stadions – „schrecklich“, wie es die italienische Marathonläuferin Sara Dossena nannte. Dazu kam die Zuschauerproblematik, weil erst gar keiner kam und dann oftmals zum Füllen der Lücken nicht wirklich interessierte Gastarbeiter massenweise angekarrt wurden. Schließlich bleiben die unmöglichen Umstände, unter denen die WM an Katar vergeben wurde, hängen. Ja, Kritik an dieser WM gibt und gab es genug. Der Sport wurde verkauft, darüber gibt es wenig zu diskutieren.

Doch bei dieser WM, man hat es manchmal fast vergessen, ging es bei allen Störgeräuschen auch um Sport. Und da lässt sich nach zehn Wettkampftagen festhalten: Das deutsche Team hat Zukunft! Mit Bravour schlugen sich vor allem die jungen Athleten und Athletinnen. Allen voran natürlich Zehnkämpfer Niklas Kaul, der überraschend Gold gewann. Er kann das Gesicht einer gesamten Leichtathletik-Generation werden, ist sich nicht nur Zehnkampflegende Ashton Eaton sicher, wie er dem SPORTBUZZER sagte. Kaul ist zudem bodenständig und grundsympathisch. Und das Beste aus Sicht der Funktionäre im deutschen Leichtathletik-Verband: Er hat noch Entwicklungspotenzial, ist erst 21 Jahre alt.

Das sind die deutschen Medaillengewinner der Leichtathletik-WM in Doha

Das sind die deutschen Medaillengewinner der Leichtathletik-WM: Unter anderen Christina Schwanitz, Konstanze Klostermann und Malaika Mihambo holten Edelmetall. Zur Galerie
Das sind die deutschen Medaillengewinner der Leichtathletik-WM: Unter anderen Christina Schwanitz, Konstanze Klostermann und Malaika Mihambo holten Edelmetall. ©

Klosterhalfen kann noch viele Medaillen holen

Gleiches gilt auch für die beiden Läuferinnen Gesa Felicitas Krause und Konstanze Klosterhalfen, die in Doha jeweils Bronze gewannen. Beide haben ihre besten Laufjahre noch vor sich. Allerdings wird sich bei Klosterhalfen nun erst einmal zeigen müssen, wie sie mit den Dopingsperren rund um ihr Laufteam, dem Nike Oregon Project, umgehen wird. Bei der WM beteuerte sie immer wieder, dass sie die Diskussionen nicht betreffen würden, sie das Thema auch nicht an sich heranließe. Doch wie sieht das in Zukunft aus, wenn das Team – und damit Klosterhalfen – immer wieder mit mutmaßlichen Dopingpraktiken von Cheftrainer Alberto Salazar konfrontiert werden? Das Thema Doping kann rund um das Nike Oregon Project nicht mehr wegdiskutiert werden.

Macht Klosterhalfen das alles nichts aus, kann sie über die Mittel- und Langdistanzen noch viele Medaillen für Deutschland holen. Gleiches gilt für Krause, die viel Zeit und Geld in intensive Trainingslager investiert hat und das auch weiterhin tun wird. Auch Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo kann der deutschen Leichtathletik in den kommenden Jahren noch viel Freude bereiten - mit Leistungen wie in Doha (7,30 Meter) ist sie auch in Tokio die Favoritin.

Doch der deutsche Leichtathletik-Verband hat einen ganzen Pool junger Talente in Doha dabei gehabt, die sich anständig verkauft haben. Zu nennen sei da nur die Hochspringerin Imke Onnen, die es überraschend bis ins Finale schaffte.

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Nicht alle Erwartungen erfüllt

Enttäuschungen gab es auch. Läufer Richard Ringer etwa brachte es wieder einmal nicht fertig, die eigenen Erwartungen zu erfüllen. Die Diskuswerfer- und -werferinnen, Hochspringer Mateusz Pryzybylko, und die Speerwerfer blieben weit unter ihren Möglichkeiten. Gerade die letztgenannten waren als Topfavoriten nach Katar gereist, nahmen sogar alle drei Medaillen ins Visier. Doch Thomas Röhler und Andreas Hofmann scheiterten kläglich in der Qualifikation. Einzig Johannes Vetter warf seinen Speer weit genug, um wenigstens aufs Podium klettern zu dürfen – Bronze.

So fällt die Gesamtbilanz für das deutsche Team sicherlich gemischt aus. Aber klar ist: Dieses deutsche Team hat Zukunft! Vielleicht schon bei den Olympischen Spielen im kommenden Jahr in Tokio.