16. Juli 2021 / 18:15 Uhr

Leiferde, Wolfsburg, USA: Die ungewöhnliche Fußball-Karriere einer 19-Jährigen

Leiferde, Wolfsburg, USA: Die ungewöhnliche Fußball-Karriere einer 19-Jährigen

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Über Leiferde, Wolfsburg und Neubrandenburg in die USA: Lisa Sofie Schröder kickt künftig in New Jersey.
Über Leiferde, Wolfsburg und Neubrandenburg in die USA: Lisa Sofie Schröder kickt künftig in New Jersey. © Privat/MCC
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Lisa Sofie Schröder ist 19 Jahre alt und hat schon eine ungewöhnliche Fußball-Karriere hinter sich. Über Leiferde, Wolfsburg und Neubrandenburg geht es jetzt in die USA - ans Mercer Community College in New Jersey.

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Leiferde, Wolfsburg, Neubrandenburg, Bröckel - Lisa Sofie Schröder hat in ihrer Fußballkarriere schon einige Ortswechsel hinter sich. Jetzt kommt der ganz große Sprung: Ende des Monats zieht es die 19-jährige Leiferderin nach New Jersey ans Mercer Community College, wo sie zukünftig für die Vikings das grüngoldene Trikot trägt. Die Sprache, der athletische Fußball in den USA - der Sprung über den Atlantik "ist die beste Möglichkeit, mich noch einmal weiterzuentwickeln, sportlich und persönlich".

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Dabei war lange gar nicht klar, dass Fußball ihre Sportart ist. Mit neun Jahren wurde sie Leichtathletin, mit zehn Jahren Kreismeisterin im Judo. Zum Kicken kam sie mit elf Jahren durch eine Schul-AG. "Ich musste einfach immer in Bewegung bleiben", erzählt sie. "Ab der fünften Klasse ist dann nach und nach eine Sportart weggebrochen und ich bin letztlich beim Fußball hängen geblieben, was mir eh am meisten Spaß gemacht hat."

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Bittere Verletzung

Spaß und Talent - 2014 wechselte die Innenverteidigerin von den JFV Kickers Hillerse/Leiferde zum VfL Wolfsburg, wo sie bei einem Probetraining überzeugt hatte. Von der U13 bis zur U17 durchlief sie alle Nachwuchsteams und erlebte erste Rückschläge: Als die U17 2018 deutscher Meister wurde, konnte sie wegen einer Sprunggelenksverletzung nur zuschauen. Schröder: "Das war eine harte Zeit. Ich wurde anschließend zu spät operiert, hatte Komplikationen und dann Probleme, wieder den Anschluss zu finden."

Es folgte der Wechsel zum Sportgymnasium Neubrandenburg, wo sie zu alter Stärke zurückfand und beim 1. FC Neubrandenburg und in der U18-Landesauswahl von Mecklenburg-Vorpommern spielte. Highlight: Eine DFB-Pokal-Partie gegen den damaligen Bundesligisten MSV Duisburg - ein besonderes Erlebnis trotz der 0:14-Niederlage. "Das ist schon eine ganz andere Nummer. Ich musste gegen Nationalspielerinnen verteidigen, das brennt sich natürlich ein", erinnert sich Schröder.

Zuletzt hielt sie sich beim Oberligisten TuS Bröckel fit, um für das Abenteuer USA bereit zu sein. Ein Abenteuer, das sie einem Zufall verdankt. Als sich bei der Landesauswahl Sport-Agenturen vorstellten, die Sportstipendien anbieten, ließ sich Schröder in die Liste der Interessentinnen eintragen und absolvierte einen entsprechenden Test - ohne die Sache zunächst weiterzuverfolgen. "Aber als ich dann in Deutschland keinen passenden Studienplatz in Sportmanagement oder Sportwissenschaften bekommen habe, habe ich mich wieder an die Agentur gewandt", erzählt sie. Die Agentur erstellte kurzerhand ein Profil der Verteidigerin, auf das alle Universitäten der USA zugreifen konnten - und das auf große Resonanz stieß. Schröder: "Ich hatte insgesamt von neun verschiedenen Universitäten Angebote, darunter New Jersey, Mississippi, Kalifornien und New York. Ich habe mit mehreren Trainern gesprochen und mir deren Ideen angehört."

Ambitionierte Ziele in New Jersey

Die Wahl fiel letztlich auf New Jersey und das Mercer Community College. "Das Trainerteam hat hohe Ziele für die Saison und möchte in der Region Champion werden, das hat mich direkt angesprochen. Doch auch die Lage hat mir zugesagt. Zur Ostküste sind es 30 Minuten, 45 nach New York City..." Dass ihre zukünftige Trainerin Elyse Diamond auf Schröders Qualitäten baut, macht sie stolz: "In Amerika erhoffen sie sich wirklich viel von deutschen Spielerinnen, da wir im taktischen und technischen Bereich grundsätzlich besser geschult sind."

Angst vor Heimweh hat die 19-Jährige nicht. "Ich bin es ja schon etwas gewohnt, von zu Hause weg zu sein", schmunzelt Schröder. Ihre künftige Mannschaft organisiere bereits jetzt regelmäßige Zoom-Meetings, in denen sich die Spielerinnen kennenlernen können. In New Jersey wird sich Schröder mit fünf weiteren Akteurinnen ein Apartment teilen. Ihre Zimmernachbarin kommt aus England in die USA, "und wir verstehen uns schon ganz gut. Ich bin überzeugt davon, dass das passen wird".