23. März 2021 / 13:25 Uhr

Als Leih-Trainer vom DFB zu Bayer Leverkusen: Wie Wolf seine Chance als Bosz-Nachfolger sieht

Als Leih-Trainer vom DFB zu Bayer Leverkusen: Wie Wolf seine Chance als Bosz-Nachfolger sieht

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hannes Wolf übernimmt vorerst als Leihtrainer den Posten bei Bayer Leverkusen.
Hannes Wolf übernimmt vorerst als "Leihtrainer" den Posten bei Bayer Leverkusen. © dpa (Montage)
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Bayer Leverkusen hat sich am Dienstag von Trainer Peter Bosz getrennt. Nachfolger bis zum Saisonende ist Hannes Wolf. Bei einer Pressekonferenz sprach der neue Coach unter anderem über eine besondere Konstellation: Der 39-Jährige ist vorerst nur ein Leih-Trainer vom DFB.

Hannes Wolf ist bei Bayer Leverkusen zunächst ausdrücklich ein Trainer auf Zeit. Ein langfristiges Engagement des 39-Jährigen beim Bundesligisten ist aber zumindest möglich. Der Nachfolger des am Dienstagmorgen beurlaubten Peter Bosz trainiert normalerweise die U18-Nationalmannschaft des DFB. Doch bei Bayer hält man es nicht für ganz ausgeschlossen, dass der Ex-Trainer des VfB Stuttgart und Hamburger SV über den Sommer hinaus im Rheinland bleibt.

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"Zunächst ist es nur für die acht Spiele. Aber ausgeschlossen ist natürlich nichts", sagte Bayer-Sportchef Rudi Völler bei der Vorstellung des neuen Trainers am Dienstag. Bayer-Sportdirektor Simon Rolfes ergänzte: "Wir waren erst einmal fokussiert, die beste Konstellation für diese acht Wochen zu finden. Was Richtung Sommer passiert, werden wir uns in Ruhe überlegen und im nächsten Schritt anschauen." Wolf selbst wolle nicht zu weit in die Zukunft schauen. Der 39-Jährige stellte klar, "dass ich den Job beim DFB für diesen kurzen Zeitraum nicht aufgegeben hätte. Das wäre fahrlässig gewesen. Das Konstrukt der Ausleihe ist für mich ein sehr gutes, weil ich mit allem, was ich habe, reingehen kann, ohne den ganz großen Druck, was ich mache, wenn es nicht weitergeht. Wichtig war mir auch, dass ich keinen im Stich lasse."

Wolf verspürt keinen Druck

Er könne sich auch mit der Rolle als U18-Trainer beim DFB "total identifizieren". Aber auch die Aufgaben als Chef-Coach einer Profi-Mannschaft hätten ihm "große Freude" bereitet. "Es macht nicht so viel Sinn in die Zukunft zu schauen. Ich freue mich jetzt riesig auf die kommenden acht Wochen. Es ist eine fantastische Aufgabe. Da wird es so viel zu denken und arbeiten geben, so viele Themen an die wir ranwollen. Es gibt keine Zeit, um über das nachzudenken, was danach kommt. Ich gehe hier ohne den ganz großen Druck an die Aufgabe. Es ist eine sehr, sehr gute Konstellation", erklärte Wolf auf Nachfrage des SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Die U18 absolviert momentan aufgrund der Corona-Pandemie keine Spiele. Wolf habe sich in den vergangenen Wochen intensiv mit der Bundesliga beschäftigt. "Wenn man als fußballbegeisterter Mensch in Deutschland aufwächst, guckt man Bundesliga. Deswegen kenne ich viele Spieler schon viele Jahre. Ich habe die Jungs auch schon aus der Analyse kennengelernt", erklärte der neue Bayer-Coach. Seinen Fokus richtet Wolf vorerst nur auf die acht Spiele mit Leverkusen: "Normal ist eine Saison ein Marathon. Das ist ein 800-Meter-Lauf." Und diesen wolle er "mit ganzer Energie" angehen.

Kontakt zu Vorgänger Bosz? "Kenne seine Situation"

Offen ist noch, ob er sich mit seinem Vorgänger ins Vernehmen setzt, ehe er sich auf die Strecke wagt. "Mal schauen, ob wir in Kontakt treten", sagte er mit Blick auf Bosz, der seit Dezember 2018 für die Werkself verantwortlich zeichnete. "Ich kenne ja auch seine Situation. Er hat schon einen Koffer an Erfahrungen mitgebracht - an großartigen Dingen, aber auch Momenten, die nicht so funktioniert haben, wo man dann wieder aufstehen muss. Man muss schauen, ob sich das Gespräch in den nächsten Tagen ergibt." Bosz, der 2017 bei Borussia Dortmund nach etwas mehr als vier Monaten gehen musste, hatte Bayer als Nachfolger des Weihnachten 2018 beurlaubten Heiko Herrlich übernommen. Er führte Leverkusen in der ersten Saison noch in die Champions League. Im zweiten Jahr verpasste er diese als Fünfter, erreichte aber das Pokalfinale, das mit 2:4 gegen den FC Bayern verloren wurde. Er betreute die Werkself in 108 Pflichtspielen, mehr als die Hälfte davon (59) gewann er.