27. Dezember 2020 / 09:00 Uhr

Leipzigs Fußball-Idol Hans-Jörg Leitzke wird 60: "Ein Trainer muss menschlich sein"

Leipzigs Fußball-Idol Hans-Jörg Leitzke wird 60: "Ein Trainer muss menschlich sein"

Stephanie Riedel
Leipziger Volkszeitung
Kultfigur Hans-Jörg Leitzke schaut zufrieden auf seine Zeit als Fußball-Profi und Trainer zurück.
Kultfigur Hans-Jörg Leitzke schaut zufrieden auf seine Zeit als Fußball-Profi und Trainer zurück. © PICTURE POINT
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Hans-Jörg Leitzke, den viele nur Hansi nennen, hat über die Hälfte seiner Lebenszeit dem Fußball gewidmet. Der Leipziger lief für die BSG Chemie und den 1. FC Lok als Profi auf. Und er ist noch immer am Ball, feiert seinen 60. Geburtstag. Ein Rückblick.

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Leipzig. Europapokal-Duell des 1. FC Lok Leipzig gegen Rapid Wien: Fußball-Ikone Hans-Jörg Leitzke hat im November 1986 den spielentscheidenden Treffer zum 2:1 erzielt. Erst in der Verlängerung setzte der Stürmer das Leder vor einem unbesetzten Block in die Maschen. Der 25-Jährige jubelte vor einer menschenleeren Südkurve. An jenem Tag waren wegen Schlechtwetters nur 19.300 Zuschauer im Stadion der Hunderttausend und feierten den Achtelfinalsieg. Bis zum Triumph reichte es leider nicht. Erst im Finale stoppte Ajax Amsterdam die Loksche, die 0:1 in Athens Olympiastadion unterlag.

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25 Jahre Profi-Dasein

Anno 2020 können die Bundesliga-Profis nur allzu gut nachvollziehen, wie es sich tatsächlich anfühlt, ohne den zwölften Mann gegen das Leder treten und jubeln zu müssen – Freudentänze im Corona-Jahr vor leeren Rängen. Auf derartige Gefühlsausbrüche muss Leitzke vorerst verzichten, auch wenn feierliche Ereignisse ins Haus stehen.

DURCHKLICKEN: Bilder aus der Karriere von Hans-Jörg Leitzke

April 1987: Hans-Jörg Leitzke setzt sich per Kopfball gegen den Berliner FC Dynamo durch. Nützt nichts – Lok Leipzig verliert das Match 1:3. Zur Galerie
April 1987: Hans-Jörg Leitzke setzt sich per Kopfball gegen den Berliner FC Dynamo durch. Nützt nichts – Lok Leipzig verliert das Match 1:3. ©

Fröhliche Stimmung kommt nicht nur über die Heiligen Nächte bei Leitzke auf. Am 27. Dezember feiert er seinen 60. Geburtstag. Doch die fidele Familiensause entfällt. „Unsere Familie ist zu groß. Wenn, dann wird im kommenden Jahr nachgefeiert.“ Es wird also ruhig um den Jubilar. Wie begeht das Fußball-Idol seinen Ehrentag? „Mit einem Gläschen Sekt auf dem Balkon, in die Welt hineinblickend.“

Vom Aus- zum Rückblick: „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben.“ Das sei die Hauptsache. Seine Entscheidungen bezeichnet Leitzke als „Glücksgriff“. Er habe wenig Ansatzpunkte, noch mal etwas anders im Leben machen zu wollen.

Schulfreunde brachten den Freizeitkicker zur BSG Chemie. „Meine Mutter hat gesagt, dass sie mich mitnehmen sollen.“ Dann sei ich weg von der Straße. Der Leipziger durchlief alle Nachwuchsmannschaften und war ein verlässlicher Akteur in der DDR-Oberliga – Torschussgarant, auf rechtem und linkem Flügel einsetzbar und tatsächlich nur einmal in seiner Karriere verletzungsbedingt ausgebremst (Schultersprengung).

Leitzke kickt mit Jung und Alt

Leitzke kickte 17 Jahre im Leutzscher Holz. Mit dem Abstieg der Chemiker aus der höchsten Spielklasse der DDR wechselte er zum Stadtrivalen nach Probstheida und feierte mit dem 1. FC Lok zweimal den Pokalsieg. Der Vierjahresausflug führte ihn schlussendlich zurück zu den BSG-Wurzeln. Seine letzte Spielzeit absolvierte er 1995/96 beim FC Sachsen. Danach endete seine Laufbahn nach 25 Jahren als Leistungsfußballer. Leitzke hatte bis dahin über 366 Partien allein im Herrenbereich in den Knochen. Den Chemikern blieb er bis 2009 als Chefcoach treu. Seit 2012 trainiert er die Männer des FSV Großpösna. „Ich habe mich dem Fußball nicht vollkommen verschrieben. Sonst wäre ich Profitrainer. Fußball ist eine sehr angenehme Freizeitgestaltung", sagt der selbstständige Bauunternehmer.

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Was sollte der modere Fußball aus Trainersicht besser machen? „Es wird viel zu viel reininterpretiert und rumgedoktert. Der Fußball ist zu glatt. Maradonas Hand Gottes wird es nie wieder geben.“ Das Schöne sei: „Statistik heißt noch lange nicht, dass man gewinnt. Im Fußball muss man immer noch Tore schießen.“ So auch die Nationalelf, die im Sommer 2021 bei der Europameisterschaft gefordert ist. „Der Umbruch musste kommen. Ich weiß nicht, was Joachim Löw bewegt hat, nach dem WM-Titel in Brasilien nicht abzutreten.“ Nach Meinung von Leitzke bräuchte es einen richtigen Neustart, „beim Trainer und von oben“.

Wie hält es Leitzke selbst als Cheftrainer seiner FSV-Jungs? „Das sind junge Leute. Die brauchen den Sport und wollen ordentlich trainieren. Ein Trainer muss menschlich sein.“ Mit seinen Spielern, alle um die 19 Lenze, schwitzt Leitzke zeitweise gemeinsam. Eine gute Abwechslung zum Altherren-Training? Dort läuft er mit Wegbegleitern und ehemaligen Fußball-Kollegen auf: Ex-DFB-Nachwuchstrainer Frank Engel, DDR-Oberliga-Mitstreiter Uwe Ferl und SPORTBUZZER-Reporter Guido Schäfer. Oldies am Ball. „Ja, ich muss ehrlich sagen, das geht. Bisher habe ich keine größeren Blessuren davongetragen. Das macht richtig Spaß und man bleibt in Bewegung.“