11. Januar 2019 / 19:59 Uhr

Leipzig: Neue Ballsporthalle wird immer wahrscheinlicher

Leipzig: Neue Ballsporthalle wird immer wahrscheinlicher

Frank Schober
Fans des SC DHfK Leipzig feuern ihr Team an.
Die Heimspiele des SC DHfK Leipzig in der Arena an der Jahnallee können maximal 7300 Handballfans verfolgen. © Hendrik Schmidt/dpa
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Die Idee einer neuen Sporthalle wurde vor fast zehn Jahren erstmals öffentlich diskutiert, als in der Arena am Waldplatz diverse Termine kollidierten. Jetzt kocht das Ganze – weil Leipzig bei der momentan laufenden Handballweltmeisterschaft als Spielort keine Chance hatte – wieder hoch.

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Leipzig. Bekommt Leipzig eine gut 10 000 Zuschauer fassende Ballsporthalle? Diese Idee wurde vor fast zehn Jahren das erste Mal öffentlich diskutiert, als in der Arena am Waldplatz Termin-Kollisionen zwischen Handballerinnen und Leichtathleten einerseits sowie Konzerten und Shows andererseits immer häufiger wurden. Damals scheiterte die Umsetzung an der Finanzierung aus privaten Mitteln. Inzwischen ist der HCL (vorübergehend) in der 3. Liga und damit in der Brüderstraße verschwunden, doch das Problem haben die DHfK-Handballer übernommen. Zudem zeigt sich: Leipzig, Sachsen und ganz Mitteldeutschland spielen bei einem Großevent wie der momentan laufenden Handball-WM der Männer keine Rolle, weil die Zuschauer-Kapazität der Arenen in Magdeburg und Leipzig nicht ausreicht.

Auch großer Sport zum DURCHKLICKEN: Das vergangene Bundesligaspiel SC DHfK gegen SC Magdeburg in der Arena

SC DHfK Leipzig - SC Magdeburg 24:25 Zur Galerie
SC DHfK Leipzig - SC Magdeburg 24:25 © Dirk Knofe
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Doch der Neubau der Ballsporthalle ist wieder aktuell – diese soll an der Alten Messe im Bereich Richard-Lehmann-Straße/Zwickauer Straße auf einem städtischen Grundstück entstehen und Leipzig in den Kreis der Spielorte der Handball-EM der Männer 2024 katapultieren. Inzwischen ist die öffentliche Hand in Zeiten sprudelnder Steuereinnahmen bereit, das Projekt zu stemmen. Im September informierte Leipzigs Finanzbürgermeister Torsten Bonew (CDU) den Stadtrat über den Haushaltsentwurf, in dem auch 6 Millionen Euro für dieses Großprojekt geplant seien. Im November bestätigte OBM Burkhard Jung auf dem Olympiaball auf LVZ-Anfrage, dass die Pläne für eine Ballsporthalle sehr konkret seien (LVZ berichtete). Im Dezember verabschiedete der Landtag in Dresden den Doppelhaushalt, der 7 Millionen Euro Planungsmittel für das Projekt bis 2020 vorsieht. Sogar eine Beteiligung des Bundes ist wahrscheinlich – entsprechende Verhandlungen führen Vertreter des Freistaates derzeit in Berlin. Leipzigs Sportbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) meint: „Der Standort ist bestens geeignet. Dieses Leuchtturmprojekt vereint Lösungen für mehrere verschiedene kommunale Herausforderungen.“ Stadt und Freistaat würden bei diesem für Mitteldeutschland einmaligen Großprojekt Hand in Hand arbeiten.

„Es existiert der politische und finanziell unterlegte Wille, dass die Halle kommen soll“, erklärt Dirk Panter. Der SPD-Landtagsabgeordnete saß 2010 mit am Tisch, als der damalige HCL-Manager Kay-Sven Hähner die Idee äußerte. Seither hat Panter das Thema nie aus den Augen verloren. „In den ersten Jahren bin ich gegen Wände gelaufen“, erinnert sich der Leipziger, der jedoch auch weiß, dass die Zeit für ein solches Projekt nicht reif war: „Erst müssen Investitionen in Schulen und Kitas geklärt sein, ehe wir über solche Dinge wie eine Ballsporthalle sprechen können.“ Das sei nun der Fall.

„Ein klein wenig gesunder Größenwahn“

In den Koalitionsvertrag nach der Landtagswahl 2015 hatte es die Halle noch nicht geschafft, auch nicht in den Doppelhaushalt 2017/18. Aber als Michael Kretschmer (CDU) 2017 Ministerpräsident wurde und höchste Vertreter der Staatsregierung deutlich mehr Präsenz in der Region Leipzig zeigten, nahm das Projekt Fahrt auf. Es tauchte in einer Absichtserklärung der Großen Koalition in Dresden auf. Kretschmer gilt als absoluter Befürworter der Halle. Auf Anfrage des Sportbuzzers sagt der Ministerpräsident: „Der Freistaat hat großes Interesse, dass in den neuen Bundesländern Sportanlagen entstehen, die internationale Wettkämpfe und Großereignisse möglich machen. Daher haben wir den Vorschlag der Stadt Leipzig immer positiv begleitet. Sport ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Es wäre gut, wenn im Rahmen des Strukturwandels und des Ausstiegs aus der Braunkohle auch Flächen dafür genutzt werden.“

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Das Stadion der Hunderttausend wurde vor 60 Jahren in Leipzig eingeweiht. Zur Galerie
Das "Stadion der Hunderttausend" wurde vor 60 Jahren in Leipzig eingeweiht. © LVZ Archiv

Inzwischen liegt ein Entwurf einer von der Stadt in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie vor. Darin ist von einem Investitionsvolumen von 75 Millionen Euro die Rede. In der Halle sollen Profisport wie Handball, Boxen oder Basketball sowie Vereinssport, Schulsport sowie weitere Großevents beheimatet sein. Die Halle bekommt einen Unter- und Oberrang, der nur bei Top-Spielen und großen Events geöffnet wird – dann würden 10 500 Sitzplätze existieren. Eine Sportsbar und ein sportmedizinisches Zentrum sind ebenso vorgesehen. „Wir sollten mit Experten über Synergien nachdenken“, sagt Panter. Die Integration einer Schwimmhalle gilt nicht als ausgeschlossen.

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Eine Kombination aus Ball- und Eissport würde dagegen den Rahmen sprengen und sei nicht vorgesehen. „Neben den Energiekosten ist der ständige Umbau ein Kostenfresser.“ Laut Studie seien 540 bis 600 Parkplätze vorgesehen. Panter verweist in dem Zusammenhang auf die günstige Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Achillesferse sei die wirtschaftliche Betreibung. Bis zu 300 000 Euro Betriebskostenzuschuss jährlich sei einzuplanen, aber keine Halle dieser Größenordnung rechne sich. „Zudem profitiert die Stadt an vielen anderen Stellen von ausverkauften Events.“ Bedenken gegen eine solche Halle könne Panter verstehen. Doch die habe es beim Umbau des Hauptbahnhofs und der Großinvestition City-Tunnel auch lange gegeben – und längst verstummt. „Heute sind die Leipziger stolz auf ihren Bahnhof und den Tunnel.“ Leipzig brauche Visionen und langfristige Ziele. Und letztlich meint Dirk Panter: „Ein klein wenig gesunder Größenwahn passt doch zu Leipzig.“

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