14. Mai 2020 / 08:11 Uhr

Leipziger Sportmacher im Unruhestand: Detlev Günz wird es nicht langweilig

Leipziger Sportmacher im Unruhestand: Detlev Günz wird es nicht langweilig

Kerstin Förster
Leipziger Volkszeitung
Detlev Günz auf dem Vereinsgelände des BSV AOK Leipzig, seinem zweiten Zuhause für Jahrzehnte.
Detlev Günz auf dem Vereinsgelände des BSV AOK Leipzig, seinem zweiten Zuhause für Jahrzehnte. © Privat
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Aus der Sportlandschaft der Messestadt ist er nicht wegzudenken. Detlev Günz leitete jahrzehntelang den BSV AOK Leipzig, stellte den Verein für die Zukunft auf, hob unter anderem den Frauenlauf aus der Taufe. Seit vielen Jahren schlägt sein Herz außerdem für bedürftige Kinder in Nepal. Regelmäßig ist er in dem kleinen Land im Himalaya zu Gast.

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Leipzig. Nicht neu, aber immer wieder treffend formuliert: Rentner haben niemals Zeit. Detlev Günz schreibt für sich um: „Mir wird nicht langweilig“, weiß der 65-jährige Ex-Vereinsgeschäftsführer schon nach dem ersten Abstand gewinnen.

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Günz und der Leipziger Sport gehören zusammen, der promovierte Sportwissenschaftler hat sich engagiert, eingemischt, mit seinen jeweiligen Teamkollegen eine ausgezeichnete Arbeit abgeliefert. Jetzt wartet ein neuer Abschnitt auf den begeisterten Fußball-Fan. Seine drei Ehrenämter, die da wären Präsident des BSV AOK, Vize im Sächsischen Behinderten- und Rehasportverband sowie Vorstandsmitglied der Nepal Kinderhilfe, nimmt er weiter wahr. „Ich merke schon, dass man da einiges zu tun hat.“

Fast 30 Jahre BSV AOK Leipzig

Die erste Zeit des Loslassens führte ihn im Januar/Februar/März ins Heimatland seiner mitreisenden Frau Gita nach Nepal sowie Thailand und Myanmar. Es waren traumhafte Wochen bis der Albtraum Corona die Tour vorzeitig beendete. Vorangegangen war purer Stress: Eine unterbrochene Taxifahrt, Fieber messen, zig Telefonate, um einen Flug von Kathmandu nach Deutschland zu bekommen. „Drei Stunden vor Schließung des Flughafens war Start. In Dubai hatten wir 15 Stunden Aufenthalt, zum Glück ging es weiter über Frankfurt und Leipzig“, schildert Detlev Günz das Abenteuer. Es folgte ein freiwilliges, zweiwöchiges Quarantäne-Kapitel.



August 2004: Grundsteinlegung für den Erweiterungsbau des BSV AOK Leipzig mit Bürgermeister Holger Tschense (links) und Detlev Günz.
August 2004: Grundsteinlegung für den Erweiterungsbau des BSV AOK Leipzig mit Bürgermeister Holger Tschense (links) und Detlev Günz. © Klaus-Dieter Gloger

Seit 1991 leitete der Sport-Besessene den BSV AOK (Anton-Bruckner-Allee) – haupt- und ehrenamtlich. Hier entstand aus dem ehemaligen Zentrum für Gesundheitssport im Clara-Zetkin-Park ein Schmuckstück mit 1300 qm Sporträumen, eine Begegnungsstätte, ein zweites Zuhause für die Mitglieder und Gäste. Eine Sauna und Minigolfanlage folgten. Im Jahr 2000 übernahm Günz den Geschäftsführerposten. Ideen hatte er ohne Ende, der Charity-Gedanke spielte mit. So fand 2010 der erste Volksbank-Frauenlauf statt. Am vergangenen Sonntag wäre die elfte Auflage gestartet, nun unter Verantwortung von Knut Trauboth und einer eingespielten Mannschaft. Wieder Corona, Absage.

Mit dem Frauenlauf nach Berlin

Schmerzlich für den Initiator? „Natürlich, aber ich verstehe die Notwendigkeit, es ist vernünftig. Damit ist es für mich okay.“ Die Läuferinnen können entscheiden, ob sie ihr Startgeld spenden oder ihren Platz für den 9. Mai 2021 umschreiben lassen.

DURCHKLICKEN: Die 10 Kilometer beim Frauenlauf 2019

Bereits zum 10. Mal startete am 5. Mai 2019 der Leipziger Frauenlauf. Ein Teil des Erlöses aus den Startgebühren der Läuferinnen geht  an das 1. autonome Frauenhaus des Vereins Frauen für Frauen e.V. Leipzig Zur Galerie
Bereits zum 10. Mal startete am 5. Mai 2019 der Leipziger Frauenlauf. Ein Teil des Erlöses aus den Startgebühren der Läuferinnen geht an das 1. autonome Frauenhaus des Vereins Frauen für Frauen e.V. Leipzig © Regina Katzer

Die Geschichte des Frauenlaufes wurde eine Sternstunde für die Organisatoren. 2018 belegte der Leipziger Verein „Laufen hilft“ in Berlin den dritten Platz bei den „Sternen des Sports“ in Gold, überreicht durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Dessen Vorgänger Joachim Gauck stand 2013 mit auf der Bühne, als das Projekt Integration 50+ des BSV AOK ebenfalls beim „Oscar des Breitensports“ die Bronzemedaille erhielt. „Das Finale der 16 Bundesländer zu erreichen, ist schon eine Leistung. Aber dort zu den Besten zu gehören, macht stolz, denn jeder Verein hatte einen tollen Ansatz“, schaut Detlev Günz auf diese unvergesslichen Sternstunden zurück.

"Halte auf jede Mannschaft aus unserer Stadt"

Ein Herz für andere. Zum 60. Ehrentag wünschte er sich von Familie, Freunden, Kollegen und Gästen Spendengelder für das „Poor and Orphan Children Relief Center“ in Nepal. Den Kontakt stellte Günz bei einem Urlaub in der Dritten-Welt-Metropole her. „Ich hatte Kindersachen mitgenommen und wurde in das Waisenhaus vermittelt. Drei Stunden war ich dort und emotional tief beeindruckt.“ Dazu passend die Geschichte um die RB-Kult-Kopfbedeckung. Der Erlös der 400 handgestrickten Mützen kam Kindern in Nepal zugute. Auch Bälle, Trikots und Kinderkleidung sendete der Jubilar über DHL nach Asien.

Helfen in Nepal - ein Herzensprojekt von Detlef Günz, hier im Kinderhaus in Bharathpur.
Helfen in Nepal - ein Herzensprojekt von Detlef Günz, hier im Kinderhaus in Bharathpur. © Privat

Den Ball flach halten. „Klar werde ich mir Geisterspiele anschauen und bin gespannt, wie das rüberkommt, denn Stimmung und Emotionen fehlen“, hofft der Fußball-Fan ab 16. Mai trotzdem auf tolle Bundesliga-Stunden. Leipzig lobt er sich. „Ich halte auf jede Mannschaft und jeden Sportler aus unserer Stadt“, bekennt Günz, der seit 2013 eine RB-Dauerkarte besitzt und Mitglied im Bulls-Club ist.

Gemeinsam mit seiner Frau geht er in die Red-Bull-Arena. Die neue Freizeit will er genießen. „Ich habe viele Veränderungen mitgemacht, musste immer reagieren. Dazu habe ich keine Lust mehr.“ Dazu passt das bereits anfangs Gesagte: „Mir wird nicht langweilig. Außerdem habe ich jetzt einen Garten.“