07. Oktober 2019 / 14:10 Uhr

Leipziger Derby hat ein Nachspiel bei der Polizei und vor dem Sportgericht

Leipziger Derby hat ein Nachspiel bei der Polizei und vor dem Sportgericht

Matthias Roth
Leipziger Volkszeitung
103. Leipziger Derby BSG Chemie gegen 1. FC Lok
Im Gästeblock des Alfred Kunze-Sportparks wurden mehrere Rauchtöpfe vermutlich ferngezündet. Es wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. © Alexander Prautzsch
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Wegen Pyrotechnik, Bannern und Sprüchen geht das Derby zwischen der BSG Chemie und dem 1. FC Lok in die Verlängerung. Die Polizei hat mehrere Ermittlungsverfahren eingeleitet. Auch der Nordostdeutsche Fußballverband befasst sich noch einmal mit dem Spiel.

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Leipzig. Das Derby zwischen der BSG Chemie und dem 1. FC Lok Leipzig hat ein Nachspiel. Die Polizei meldet einen Vorfall aus dem Alfred-Kunze-Sportpark an dem Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV). Die Verantwortlichen wollen jetzt noch einmal genau hinsehen. Der BSG Chemie droht eine saftige Strafe.

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Am 6. Oktober 2019 standen sich die BSG Chemie Leipzig und der 1. FC Lok Leipzig zum 103. Mal gegenüber. Zur Galerie
Am 6. Oktober 2019 standen sich die BSG Chemie Leipzig und der 1. FC Lok Leipzig zum 103. Mal gegenüber. ©
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Fünf ferngezündete Rauchtöpfe

Der nach der Absage der Lok-Fans völlig leere Gästeblock zog zu Beginn des Spiels die Blicke der 4999 Zuschauer auf sich. „Dort wurden unentdeckt fünf fernzündbare Rauchkörper angebracht“, teilte die Polizei mit. Die Pyrotechnik sei schließlich aktiviert worden und hüllte den Bereich in eine grüne Rauchwolke. Unmittelbar davor befand sich ein Kamerateam des MDR. „Von Verletzungen ist uns nichts bekannt“, sagte Polizeisprecher Alexander Bertram. Die Rauchtöpfe brannten kontrolliert ab und wurden anschließend von den Einsatzkräften für weitere Untersuchungen sichergestellt. Es werde wegen einer Ordnungswidrigkeit ermittelt.

Anspielung auf Sicherheitskonzept

Während auf der einen Seite die Rauchschwaden aufzogen, zeigten auf der Gegenseite die Fans der BSG ein Banner mit der Aufschrift „Bullenschweine, ob euer Konzept aufgeht, seht ihr, wenn der Rauch aufgeht“. Es war eine deutliche Anspielung auf das Sicherheitskonzept der Leipziger Beamten.

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Daniel Heinze (BSG Chemie): Wie soll man das erklären - noch fehlen mir die Worte. Irgendwann waren wir mal dran. Die Voraussetzungen waren gut, denn Lok war klarer Favorit. Wir standen sehr kompakt, so richtig ist Lok nichts eingefallen, ein Quäntchen Glück war für uns sicher auch dabei. Ich hatte meinen Vater ein Tor versprochen - das war für dich, Papa. Zur Galerie
Daniel Heinze (BSG Chemie): "Wie soll man das erklären - noch fehlen mir die Worte. Irgendwann waren wir mal dran. Die Voraussetzungen waren gut, denn Lok war klarer Favorit. Wir standen sehr kompakt, so richtig ist Lok nichts eingefallen, ein Quäntchen Glück war für uns sicher auch dabei. Ich hatte meinen Vater ein Tor versprochen - das war für dich, Papa." ©

Anders als auch bei solchen Risikospielen üblich, sollte der 1. FC Lok nicht zehn, sondern lediglich fünf Prozent der Karten für seine Anhänger bekommen. Damit hätten nur 250 Schlachtenbummler aus Probstheida ihre Mannschaft anfeuern können. Lok verzichtete am Ende komplett auf das gekürzte Kontingent.

„All Cops are Bastards“

Zudem war auf Fahnen die Abkürzung „ACAB“ zu lesen. Dazu war der Spruch „All Cops are Bastards“ zu hören, so die Polizei. Erst nach der polizeilichen Aufforderung an den Sicherheitsbeauftragten der BSG habe der Stadionsprecher den eigenen Anhang aufgefordert, die Sprüche zu unterlassen. Wegen der beiden Schriftzüge hat die Polizei Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung eingeleitet, so Bertram.

Beschäftigen muss sich mit dem Fall nun auch der NOFV. „Wir warten zunächst die Berichte des Schiedsrichters und unseres Sicherheitsbeauftragten ab“, erklärte Till Dahlitz, Spielbetriebsexperte beim NOFV. Anschließend werde das Sportgericht tätig und müsse über eine eventuelle Strafe gegen die BSG Chemie entscheiden.

Fanlager attackieren sich seit Wochen

Beide Fanlager lieferten sich schon Wochen vor dem Derby mehrere Auseinandersetzungen. So griffen am 1. September etwa 35 Vermummte, die die Polizei dem Anhang von Chemie zuordnet, in Neukieritzsch eine S-Bahn mit Lok-Fans an.

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Rund 100 Vermummte, laut Beamte wohl aus dem Lager von Lok, attackierten am 7. September an der S-Bahnstation MDR eine Reihe von Chemie-Fans, die vom Benefizspiel in Frankfurt auf dem Weg nach Hause waren.

Schlägerei und Farbanschlag

In der Nacht vor dem Spieltag lieferten sich zwei Gruppen von je 20 bis 30 Personen auf der Georg-Schwarz-Straße eine Schlägerei. Dabei wurde auch Pyrotechnik gezündet. Die Beamten ermitteln wegen Landfriedensbruchs.

Wenige Stunden später beschmierten Unbekannte gegen 5 Uhr das Rathaus Leutzsch und die Straßenkreuzung davor mit blauer und gelber Farbe.

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