29. August 2021 / 08:42 Uhr

Leipziger Gold-Junge Martin Schulz krönt sich erneut zum Paralympics-Sieger im Triathlon 

Leipziger Gold-Junge Martin Schulz krönt sich erneut zum Paralympics-Sieger im Triathlon 

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Gold für Martin Schulz: Der Leipziger Para-Triathlet konnte in Tokio seinen Titel verteidigen. 
Gold für Martin Schulz: Der Leipziger Para-Triathlet konnte in Tokio seinen Titel verteidigen.  © dpa
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Tokio/Leipzig. Die erste deutsche Goldmedaille bei den diesjährigen Paralympics geht nach Leipzig! Martin Schulz vom SC DHfK wiederholte in der Nacht zum Sonntag sein Husarenstück von Rio de Janeiro und krönte sich fünf Jahre nach seinem Triumph an der Copacabana erneut zum Paralympics-Sieger im Triathlon.  

Tokio/Leipzig. Die erste deutsche Goldmedaille bei den diesjährigen Paralympics geht nach Leipzig! Martin Schulz vom SC DHfK wiederholte in der Nacht zum Sonntag sein Husarenstück von Rio de Janeiro und krönte sich fünf Jahre nach seinem Triumph an der Copacabana erneut zum Paralympics-Sieger im Triathlon.

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„Martin, Martin“-Sprechchöre

"Ich habe mich heute schon vor dem Wettkampf richtig gut gefühlt, nachdem ich in den ersten Tagen in Tokio mächtig mit Jetlag zu kämpfen hatte. Es war dann endlich mal wieder ein großes Rennen, bei dem für mich alles gepasst hat", so Schulz, als ihn der SPORTBUZZER am Sonntagvormittag erreichte. "Ich konnte den Wettkampf mitbestimmen und ein Stück weit auch kontrollieren. Natürlich war es wahnsinnig hart, aber man beißt sich da rein, wenn es um Gold geht. Und es hat riesigen Spaß gemacht, zumal ich irgendwann gemerkt habe, dass es reichen wird. Nun genieße ich den Medienmarathon."

In Tokio siegte der gebürtige Oschatzer mit einer Weltklasse-Vorstellung nach 750 Meter Schwimmen, 20 Kilometern auf dem Rad und 5 Kilometern Lauf. Mit „Martin, Martin“-Sprechchören wurde der 31-Jährige von den deutschen Teamkollegen im Ziel empfangen. Auf den letzten Metern schickte der Sachse Kusshände ins Publikum, er überquerte die Ziellinie nach 58:10 Minuten und hatte 45 Sekunden Vorsprung auf den Briten Peasgood sowie 1:12 Minute auf den Kanadier Daniel.

Schulz nach dem Schwimmen mit knappem Rückstand

Beide Kontrahenten hatten den Leipziger in den vergangenen Monaten und Jahren auch schon besiegt. Dank der Goldmedaille von Martin Schulz machte Deutschland im Medaillenspiegel im Handumdrehen einen Sprung vom 40. auf den 24. Platz. „Gestern Abend auf dem Zimmer ist meinem Trainer und mir klar geworden, dass wir das Glück haben, die ersten sein zu dürfen“, sagte der Leipziger. „Das war das, was mich auf dem letzten Kilometer nochmal gepusht hat. Ich bin mega glücklich und hoffe, dass das dem Team nun Aufschwung gibt und wir uns im Medaillenspiegel noch richtig nach oben arbeiten können.“

Martin Schulz, dem seit der Geburt ein Unterarm fehlt, hatte ein spannendes Rennen prophezeit – genau so sollte es kommen. Denn der am Fuß gehandicapte Brite Peasgood spielte beim Schwimmen seine Stärke aus, schließlich kann er mit zwei gesunden Armen für Vortrieb sorgen. Der Engländer erschwamm sich einen Vorsprung von rund einer Minute auf einen ebenfalls wie erwartet schnellen Brasilianer und auf Martin Schulz.

Dominanz beim abschließenden 10 Kilometer-Lauf

Auf der ersten von vier Radrunden machte der Leipziger zunächst ordentlich Druck und verkürzte den Rückstand auf 34 Sekunden. Doch der Engländer legte einen Zahn zu, sodass der Abstand fortan gleichblieb und beim Wechsel zum Lauf sogar wieder auf 47 Sekunden anstieg. Wichtig für Martin Schulz: Einen solchen Rückstand hatte er in der Vergangenheit schon wettmachen können. Und der im Lauf so starke Weltmeister Stefan Daniel aus Kanada schlüpfte mit 2:20 Minuten Abstand zum Führenden in die Laufschuhe – die Gefahr von hinten war für den Sachsen dennoch da.


Nach 2,5 von 5 Laufkilometern war es dann passiert: Martin Schulz holte George Peasgood ein und ging mit seiner Attacke sofort entscheidend an die Spitze. Inzwischen war es 29 Grad warm, doch auf die Hitze hatte sich Martin Schulz in Wärmezelten in Kienbaum und Leipzig lange vorbereitet. Zudem hatte er sieben Tage vor dem Rennen Zeit, sich an die Bedingungen in Japan anzupassen. Zudem hatte er die Erwärmung vor Ort mit Kühlweste auf  dem Rad durchgeführt, um beim Einlaufen keine Energie zu verpulvern. Die professionelle Vorbereitung zahlte sich aus – gepaart mit seinem großen Kampfgeist. Noch in der Nacht sagte sein Leipziger Schwimmtrainer Jackie Heiner: „Martin ist und bleibt das große Vorbild für unseren Nachwuchs.“