12. September 2019 / 09:27 Uhr

Leipziger Kanu-Trainer Eiche zwischen WM-Gold und Olympia-Mission

Leipziger Kanu-Trainer Eiche zwischen WM-Gold und Olympia-Mission

Kerstin Förster
Leipziger Volkszeitung
Der stolze Leipziger Trainer mit seinen Gold-Jungs.
Der stolze Leipziger Trainer mit seinen Gold-Jungs. © Privat
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Hans-Peter Eiche hat einen wichtigen Auftrag: Er soll Chinas Canadier-Asse fit machen für die Olympischen Spiele. Bei der WM in Ungarn erlebte er bereits eine erste Sternstunde mit seinen Athleten.

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Leipzig. Kanzlerin Angela Merkel war gerade auf Kurzbesuch dort. Kanu-Trainer Hans-Peter Eiche bleibt etwas länger in der Volksrepublik China. Der 54-jährige Leipziger soll die Canadier-Spezialisten aus dem Reich der Mitte fit machen für die Olympischen Spiele in Tokio (24. Juli bis 5. August 2020). Auf dem Weg dorthin erlebte der frühere Auswahl-Paddler im August eine Sternstunde bei den Weltmeisterschaften im ungarischen Szeged. Vier Boote holten den Titel, drei C2-Besatzungen wurden von Coach Eiche betreut.

Deutsche Trainer in China beliebt

„Das war ein fulminanter Einstieg für mich, eine absolut tolle Sache nach dem Motto: Kam, sah und siegte“, beschreibt Hans-Peter Eiche das goldene WM-Erlebnis. Dass es mitunter schwierig mit den neuen Arbeitgebern ist, zeigte sich bei der Besetzung des C2 der Frauen über die olympischen 500 Meter. Gegen den Widerstand der chinesischen Trainer holte der Sachse die besten Einzelkämpferinnen Sun Mengya und Xu Shixiao ins Boot. „Das war anfangs ein bisschen kompliziert. Aber dann haben sie sich aufgerappelt, gefunden und gewonnen. Zuvor waren die Chinesen noch nie Weltmeister“, berichtet Eiche. Unmittelbar nach der WM fanden in Peking die nationalen Meisterschaften statt. Der Sachse schaute sich seine hoch motivierten Athleten an und komplettierte seine Männer-Mannschaft.

Hao Liu and Hao Wang nach ihrem WM-Sieg im C2 über die 1000 Meter.
Hao Liu and Hao Wang nach ihrem WM-Sieg im C2 über die 1000 Meter. © Tamas Kovacs / AP
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Deutsche Trainer in verschiedenen Sportarten mit ihrem Know-how sind nicht neu im bevölkerungsreichen Staat in Ostasien. Im Kanu leitete ab 2005 Josef Capousek die Geschicke des chinesischen Nationalteams (bis 2008). Zuvor hatte der gebürtige Tscheche im Deutschen Kanu-Verband den Chefposten inne. 17 Olympiasiege waren eine exzellente Jobbeschreibung. Die Beziehungen beider Verbände gelten als freundschaftlich. Im Frühjahr gab es aus Fernost wieder eine Anfrage an DKV-Präsident Thomas Konietzko (55) nach Trainerverstärkung. Der Blick ging nach Sachsen, konkret nach Leipzig und dem Bundes- und Landesstützpunkt beim SC DHfK. Dort wurden zunächst der Olympiafünfte Alexander Schuck (62) und Olympiasieger Olaf Heukrodt (57) angesprochen, die 1985 zusammen im C2 den Weltmeistertitel geholt hatten. Beide lehnten die China-Mission aus verschiedenen Gründen ab. Hans-Peter Eiche saß in Reichweite und hörte „bewirb dich doch“.

Eiche hat acht Assistenten

Gesagt, getan, doch 14 Tage war es still um die Genossen und der Nachwuchs-Landestrainer glaubte: „Das hat sich erledigt.“ Aber dann kam eine Anfrage zum Vorstellungsgespräch beim Weltcup in Posen. Zunächst sollte Eiche die Kajak-Frauen betreuen, doch als der polnische Canadier-Trainer den Chinesen abhanden kam, wurde es für den Leipziger ernst. Die finanzielle Motivation spielte freilich bei der Entscheidung eine Rolle, doch der von DKV und SKV ausgeliehene Experte wollte sich vor allem dieser Herausforderung stellen. „Dafür muss ich alle meine Sinne schärfen. Denn es gibt trainingsmethodisch viel abzustimmen, die Chinesen wollen viel schriftlich haben, also muss meine Arbeit Hand und Fuß haben.“ Acht (!) Assistenten schauen dem Neuen dabei über die Schulter. Verständigt wird sich zumeist in englischer Sprache, eine Übersetzerin hilft mit.

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Zurück zur WM. In Szeged traf Hans-Peter Eiche auf die Leipziger Mannschaft, Frauen-Bundestrainer Kay Vesely („Alle Achtung“) und die favorisierten C2-Männer Peter Kretschmer (DHfK) und Yul Oeltze (Magdeburg). Statt des dritten Titels in Folge sprang Platz vier heraus. „Das bleibt trotzdem ein starkes Boot. Kretsche hat fleißig trainiert und wird für den Olympia-Traum alles geben“, weiß Coach Eiche, der gerade auf Heimaturlaub ist. Dass er am 19. September wieder in den Flieger steigt, stimmt seine Frau sehr traurig. Denn wenn es mit dem Weihnachtsurlaub nichts wird, dauert das Engagement bis zu den Olympischen Spielen. In Tokio wollen die Chinesen unbedingt Kanu-Gold. Denn bisher reichte es in dieser Sportart nur zu Platzierungen. In der Nationenwertung wurde in Rio 2016 der dritte Platz hinter den USA und Großbritannien belegt. Stark, stärker, Machtkampf auf sportlicher Ebene. Die Deutschen lagen an fünfter Stelle, die erfolgsverwöhnten Paddler enttäuschten nicht. Sie gewannen vier Mal Gold und zweimal Silber – letzteres durch London-Olympiasiegerin Tina Dietze von der SG LVB.

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