12. Juni 2019 / 12:23 Uhr

Leipziger Läufer Robert Farken ist zurück auf dem Tartan

Leipziger Läufer Robert Farken ist zurück auf dem Tartan

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Beim Anhalt-Meeting in Dessau lief Robert Farken (l.) auch vor fast genau einem Jahr – und sah bis zur 600-Meter-Marke blendend aus. Danach verließen den DHfK-Läufer bei böigem Wind die Kräfte.
Beim Anhalt-Meeting in Dessau lief Robert Farken (l.) auch vor fast genau einem Jahr – und sah bis zur 600-Meter-Marke blendend aus. Danach verließen den DHfK-Läufer bei böigem Wind die Kräfte. © imago/Beautiful Sports
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Sieben Wochen nach dem Verkehrsunfall und der Not-OP feiert der DHfK-Mittelstreckler sein Comeback in Dessau . 

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Leipzig. Eines weiß Robert Farken mit Sicherheit: Der Mann mit dem Hammer – der Moment, wenn nichts mehr geht – kommt immer. „Die Frage ist nur, wann er kommt“, meint der Mittelstreckenläufer des SC DHfK vor seinem ersten Freiluft-Start der Saison am Freitag in Dessau. Dass der Blondschopf überhaupt wieder auf der Tartanbahn steht und wettkampftauglich ist, grenzt an ein kleines Wunder. „Ich bin einfach nur froh, sieben Wochen nach meinem Unfall laufen zu können. Das ist für mich ein Geschenk, dass ich nur dankbar annehmen kann“, sagt der deutsche 800-Meter-Hallenmeister, der Ende April in einer so guten physischen Verfassung gewesen sei wie noch nie.

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Es ist die Einsteigerdistanz auf dem Weg zum langen Kanten: Egal ob Schüler oder Renter - ein breit gefächertes Teilnehmerfeld machte sich auf die Vier-Kilometer-Runde. Zur Galerie
Es ist die Einsteigerdistanz auf dem Weg zum langen Kanten: Egal ob Schüler oder Renter - ein breit gefächertes Teilnehmerfeld machte sich auf die Vier-Kilometer-Runde. © Regina Katzer
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Doch dann kam die verhängnisvolle Nacht von Zinnowitz, wo die Lokalmedien von einem Auto berichteten, das bei Regen von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt war. Erst Tage später stellte sich heraus, dass zwei Leistungssportler aus dem Ostsee-Trainingscamp des Leichtathletik-Verbandes im Wagen saßen – und Alkohol im Spiel war. Der Fahrer blieb unverletzt, Beifahrer Robert Farken hatte es schwer erwischt, er war nach Greifswald verlegt und im Bauchraum notoperiert worden. Gut sechs Wochen später zeigt er im Sportbuzzer-Interview seine lange Narbe, die drei Monate lang keine speziellen Bauchmuskel-Übungen zulasse. Auch Beinpresse und andere schwere Kraftübungen stehen vorerst auf dem Index. Ansonsten fühle er sich gut. Nach vier Wochen Sportverbot und einer Woche intensiven Radtrainings laufe er seit zehn Tagen wieder, gestern trug er bei Tempoläufen zum zweiten Mal nach dem Unfall wieder die Spikes.

„Eigentlich ist die Saison gelaufen"

Doch wie hat er den Unfall mental weggesteckt? „Ganz gut“, sagt der 20-Jährige, der Rückendeckung von allen Seiten gespürt habe. „Meine Familie war immer um mich herum, meine Sponsoren und Partner, auch der Verein und die Trainer haben zu mir gehalten.“ Dass es wegen des nächtlichen Party-Ausflugs seitens des Vereins Sanktionen gab, „sehe ich komplett ein“. Die Art und Höhe der „absolut gerechtfertigten“ Strafe gehöre aber nicht in die Öffentlichkeit. Seine persönliche Konsequenz: Auf Partys werde er künftig höchstens mal in der Saisonpause zu sehen sein. „Aber nicht nur, weil es verboten ist. Sondern weil ich es nicht möchte. Das hat mit professionellem Sporttreiben nichts zu tun.“ Der Unfall von Zinnowitz habe sein Verständnis von Leistungssport geweitet.

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Doch kann er die von einem Moment auf den anderen verkorkste Saison noch retten? „Eigentlich ist sie gelaufen. Denn vier Wochen ohne Training sind nicht zu kompensieren“, sagt Farken ganz realistisch. Doch er ist ehrgeizig genug, um nachzuschieben: „Ein bisschen schiele ich auf die U23-EM-Norm.“ Diese liegt bei 1:47,50 Minuten – und damit rund neun Zehntelsekunden über seiner Bestzeit.“ Fürs Comeback-Wochenende hat er gleich drei Rennen geplant: Nach dem Auftritt in Dessau sollen Vor- und Endlauf bei den U23-Meisterschaften in Wetzlar folgen. Danach ist die Zeit für die Normerfüllung offiziell bereits vorbei. Eine Hintertür gibt es noch acht Tage später in Ingolstadt.

Unabhängig von der EM-Norm seien die kommenden Läufe wichtig, um mit Blick auf die Olympiaqualifikation 2020 an Wettkampfhärte zuzulegen. Am kommenden Mittwoch will er beim Leipziger Firmenlauf die 5 Kilometer bestreiten, danach seien der „Beneflitzlauf“ für die Leipziger Kinderstiftung und sein Lieblings-Trainingslager in St. Moritz geplant. Doch wann kommt am Freitag der Mann mit dem Hammer? 2018 kam er in Dessau nach 650 Metern. „Das geht über 800 ganz plötzlich – gerade bei böigem Wind.“ Bei 600 Metern dachte Farken, er könne gewinnen. Plötzlich bangte er, nicht Letzter zu werden. Diesmal soll ihn eine Portion Lockerheit über die zwei Runden tragen. Die Tatsache, wieder laufen zu können, kann befreiend wirken.

Hanna Gerwig

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