25. Februar 2020 / 21:29 Uhr

Leipziger Olympia-Asse haben Tokio vor Augen – doch „Paris auch eine schöne Stadt“

Leipziger Olympia-Asse haben Tokio vor Augen – doch „Paris auch eine schöne Stadt“

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Olympioniken im Gespräch: Jens Lehmann, Marie Branser, Martin Schulz, Caroline Pohle, Roy Schmidt und Heike Fischer-Jung (v.l.n.r.) beim LVZ-Kuppel-Talk.
Olympioniken im Gespräch: Jens Lehmann, Marie Branser, Martin Schulz, Caroline Pohle, Roy Schmidt und Heike Fischer-Jung (v.l.n.r.) beim LVZ-Kuppel-Talk. © Christian Modla
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Beim vorolympischen Kuppel-Talk fehlte zwar Felix Groß, doch auch Jens Lehmann, Marie Branser, Martin Schulz, Caroline Pohle, Roy Schmidt und Heike Fischer-Jung hatten Einiges zu erzählen.

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Leipzig. Die Leipziger Spitzensportler befinden sich auf der Zielgeraden auf dem Weg nach Tokio. In 150 Tagen werden die Olympischen Spiele eröffnet, an diesem Mittwoch kämpft Felix Groß bei der Bahnrad-WM in Berlin um sein Ticket in der Teamverfolgung. Daher konnte der 22-Jährige natürlich am vorolympischen Kuppel-Talk der Leipziger Volkszeitung und des SPORTBUZZERS nicht teilnehmen. Dafür war sein Vorgänger Jens Lehmann dabei, der genau 30 Jahre älter ist und vor 28 Jahren in Barcelona sowie vor 20 Jahren in Sydney Olympiagold in der gleichen Disziplin errang.

Außerdem begrüßte Moderator Roman Knoblauch die ehemalige Wasserspringerin Heike Fischer-Jung sowie die aktuellen Tokio-Kandidaten Caroline Pohle und Martin Schulz (beide Triathlon) sowie DHfK-Leichtathletik-Sprinter Roy Schmidt. Und last but not least saß auch DHfK-Neuzugang Marie Branser im Podium, die im Judo für die Demokratische Republik Kongo auf der olympischen Tatami kämpfen will.

Der LVZ-Kuppel-Talk: Leipzig - Eine Stadt - Ein Team - Olympia 2020

Heute, am Dienstag den 25.02.20 senden wir live aus der LVZ Kuppel. Roman Knoblauch empfängt Leipziger Sportler, um über Olympia in Tokyo 2020 zu sprechen. Mit dabei, Caroline Pohle, Heike Fischer-Jung, Jens Lehmann, Marie Branser, Martin Schulz und Roy Schmidt. Interessantes, Wissenswertes und Unterhaltsames , jetzt bei uns. Unterstützt vom Sportbuzzer Leipzig: www.sportbuzzer.de SportPunkt, Heimspiel das Fanmagazin

Gepostet von Heimspiel das Fanmagazin am Dienstag, 25. Februar 2020

Jens Lehmann sieht auch mit 52 rank und schlank aus. „Ich versuche jeden Tag, zehn Kilometer zu laufen und mache einmal im Jahr beim Leipziger Halbmarathon eine Startnummer dran.“ Olympia habe ihn geprägt: „Das Flair der Spiele ist etwas einmaliges. Ich hatte das Glück, dies sogar zwei Mal zu erleben.“ Mit Barcelona verbindet den heutigen CDU-Bundestagsabgeordneten aus Engelsdorf das Horror-Erlebnis, dass zwei Wochen vor dem großen Highlight ein Hörsturz alles in Gefahr brachte. Denn er wusste nicht mehr, wo oben und unten ist, ob er auf der Bahn überhaupt die Spur halten kann. „Ich war unglaublich stolz, dass ich am Ende mit Gold und Silber heimgekehrt bin.“

„Augen auf bei der Sportarten-Wahl“

Caroline Pohle von den Tristars Markkleeberg kämpft um einen Platz in der Mixed-Staffel. Als ehemalige Beckenschwimmerin musste sie erst einmal ihre Angst im Freiwasser überwinden lernen. Und sie betreibt eine material- und kostenintensive Sportart, in der die Langstrecken-WM auf Hawaii alles in den Schatten stellt. „Tokio war für mich bis zum Sommer ganz weit weg. Nun habe ich in drei Monaten die große Chance. Ein Rennen entscheidet, das finde ich eine faire Lösung. Und wenn es nicht klappt: Paris ist auch eine schöne Stadt.“ Sie sprach von Olympia 2024.

Beim Triathlon ist das Wasser nicht immer so warm wie in Tokio, Wind und Wellen fordern die Athleten heraus. „Augen auf bei der Sportarten-Wahl“, sagte Heike Fischer-Jung, die als Wasserspringerin immer 32 Grad Wassertemperatur und zumindest in der Halle keinen störenden Wind erlebte. Beide Eltern waren zugleich die Trainer – dies war für beide Seiten nicht immer einfach. „Man wird ganz besonders gefordert. Im Training war ich die Sportlerin, zu Hause war ich die Tochter. Damit sind wir immer gut gefahren.“

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Impressionen vom olympischen LVZ-Kuppel-Talk am 25. Februar 2020. Zur Galerie
Impressionen vom olympischen LVZ-Kuppel-Talk am 25. Februar 2020. © Christian Modla

„Aber am Geld allein liegt es nicht“

Auch sie erlebte wie Jens Lehmann zwei Sommerspiele, doch ihre Premiere 2004 in Athen ging in die Hose. „Ich war top in Form, aber wie auf Knopfdruck ging mit Wettkampfbeginn nichts mehr.“ Die Angst vor dem Versagen bekam sie 2008 in den Griff: „Ich habe mir immer gesagt, der 10. August ist dein Tag.“ Das Synchronfinale verlief wie im Flow, an Details kann sie sich nicht mehr erinnern – im Nachgang ein gutes Zeichen. Sie kehrte mit Bronze aus Peking zurück – und hörte sofort auf. Denn mehr konnte sie nicht erreichen.

Heute begleitet die 37-Jährige ein wichtiges Ehrenamt. Als Vizepräsidentin des Landessportbundes sagte sie: „Wir müssen mehr Gas geben in der Sichtung, die Basis ist zu dünn. Und alle müssen sich verinnerlichen: Leistungssport ist kein Spaziergang.“ Jens Lehmann ergänzte: „Im Übergang vom Nachwuchs zur Elite muss noch einiges getan werden. Aber am Geld allein liegt es nicht.“

„Im Kongo ist nichts planbar“

Roy Schmidt begann in Jena mit der Leichtathletik wie alle Kinder mit Mehrkampf, heute ist er mit Leib und Seele 100-Meter-Läufer: „In zehn Sekunden sein Potenzial abzurufen, das ist die Herausforderung im Sprint. Es gibt keine zweite Chance. Ein kleiner Fehler in einer einzigen Hundertstelsekunde kann alles zunichte machen.“ Dass ihm seine Gegner von der Statur her oft überlegen sind, stört ihn nicht. „Es gibt im Sprint viele verschiedene Typen. Für mich als Staffel-Kurvenläufer ist es gar nicht so schlecht, dass ich ein wenig kleiner bin.“ Die Atmosphäre in einem voll besetzten Stadion, noch dazu bei Staffeln, findet er einzigartig. Aber das Training im „Bunker“ - dem Laufschlauch der Arena ohne Tageslicht – sei schwierig. Generell wünscht er sich, dass die Leichtathleten wieder öfter im Fernsehen zu bewundern sind. „Ich glaube, die Leute würden sich das gern anschauen.“

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Paralympicssieger Martin Schulz hat wie Caroline Pohle die Olympiastadt im Sommer 2019 schon getestet. Die Luftfeuchtigkeit war nicht das einzige Problem. Wegen der schlechten Wasserqualität wurde aus dem Triathlon ein Duathlon. „Wir waren kurz vor dem Schwimm-Verbot dort noch trainieren. Das Ganze nennt sich Badestrand, ich glaube aber nicht, dass dort schon mal jemand baden war – höchstens den Hund schicken die Japaner dort rein.“ Doch die Olympiagastgeber seien Perfektionisten und werden das Problem schon hinbekommen.

Marie Branser versucht derweil fleißig, bis 31. Mai Punkte für die Olympiarangliste zu sammeln. Für den Kongo startete die 27-Jährige zum Beispiel bereits bei der WM vor einem halben Jahr in Tokio, als ihr zahlreiche organisatorische Probleme zu schaffen machten. „Der Kongo ist im Vergleich zu Deutschland Jahre hinterher, vieles korrupt und unehrlich. Im Kongo ist nichts planbar, das macht es so schwer.“ Daher hilft sie sich gerade selbst, mit Hilfe ihrer Mutter Sabine – eine engagierte Turnerin – brachte sie eine Crowdfounding-Aktion auf den Weg, die 6000 Euro für die nächsten Wettkämpfe einspielte. Für alle gilt: Die nächsten Wochen werden extrem spannend. Für Felix Groß schon dieser Mittwoch. Frank Schober

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