17. Februar 2021 / 10:04 Uhr

Leipziger Schwimm-Trainer Embacher mahnt: "Olympische Spiele müssen stattfinden"

Leipziger Schwimm-Trainer Embacher mahnt: "Olympische Spiele müssen stattfinden"

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Frank Embacher
Frank Embacher ist besorgt um die Zukunft des Schwimmsports. © SSG/Rohmberger
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Der Leipziger Schwimm-Landestrainer Frank Embacher sieht zur Austragung der Olympischen Spiele in diesem Sommer keine Alternative. Sollten diese nicht stattfinden können, befürchtet er Langzeitschäden für den Sport. Und auch coronabedingte Verluste im Nachwuchsbereich betrachtet der 57-Jährige mit Sorge.

Leipzig. Diese eine Frage steht seit Monaten im Raum: Können oder sollen die um ein Jahr verschobenen Olympischen Spiele in Tokio in diesem Sommer tatsächlich stattfinden? Frank Embacher will das Wörtchen „sollen“ kategorisch streichen. „Sie müssen stattfinden. Wenn das nicht gelingt, sind viele Sportarten tot“, sagt der Schwimm-Landestrainer, der nach seiner erfolgreichen Zeit mit Paul Biedermann und anderen Top-Schwimmern vor vier Jahren von Halle nach Leipzig gewechselt ist.

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Leipziger helfen sich mit Trainingswettkämpfen

„Wir brauchen diese Plattform in Tokio und können nicht noch drei Jahre bis zu den nächsten Spielen warten. Es ist wichtig, die olympische Idee am Leben zu erhalten. Olympia gibt immer noch vielen Talenten den entscheidenden Impuls, eine dieser Sportarten auszuüben“, ergänzt der 57-Jährige im Youtube-Podcast „Abliefern, wenn es drauf ankommt“, den „Die Sportpsychologen“ um Professor Oliver Stoll in unregelmäßigen Abständen produzieren. Dass es in Coronazeiten andere Spiele womöglich ohne Zuschauer, Lärm und Anfeuerung werden, müsse man akzeptieren. Einige Athletinnen und Athleten würden unter Laborbedingungen gerade ihre Leistung abrufen, andere bräuchten die Atmosphäre einer vollen Halle.

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Die vergangenen zwölf Corona-Monate hätten in Sachen Motivation nicht nur den Sportlern, sondern auch den Trainern viel abverlangt. „Das habe ich in 30 Jahren Berufserfahrung noch nicht erlebt, dass ein feststehendes Ziel wegbricht.“ Immer wieder habe der Deutsche Schwimm-Verband kommuniziert, welche Meisterschaft trotz Pandemie auf jeden Fall stattfinden soll. „Darauf hatte ich meine Sportler eingestellt – dann fiel der Wettkampf doch aus. Irgendwann wirst du als Trainer unglaubwürdig.“


Aderlass im Nachwuchs

In der Phase wegbrechender Wettkämpfe hätten sich die Leipziger selbst geholfen: „Die Idee der Trainingswettkämpfe kam von unseren Sportlern. Die 75 Schwimmerinnen und Schwimmer am Stützpunkt wurden in drei Teams eingeteilt. Sie haben von den Vereinen T-Shirts in schwarz, rot und gold erhalten – wir wollten ja was für Deutschland tun.“ Es sei aber bislang nicht gelungen, die Idee zum nationalen Fernwettkampf auszuweiten. „Wir hatten gehofft, dass andere Standorte auf unseren Zug aufspringen.“

Seit des verschärften Lockdowns im Dezember trainieren nun nur noch etwa 10 statt 75 Schwimmer in der Uni-Halle. Nach wie vor öffnet auch die Stadt Leipzig keines ihrer Bäder für den Nachwuchsleistungssport. Embacher befürchtet wegen Corona 10 bis 15 Prozent Verluste im Nachwuchs. Das sei mit Blick auf 2024 schmerzlich. „Aber das Problem haben ja nicht nur wir Deutschen.“