27. Januar 2021 / 15:03 Uhr

Leipziger Wirtschaftsprofessor fordert Schnelltest auf Bestandskraft der Bundesliga-Clubs

Leipziger Wirtschaftsprofessor fordert Schnelltest auf Bestandskraft der Bundesliga-Clubs

Stephanie Riedel
Leipziger Volkszeitung
Die Fußball-Profis spielen in der Red Bull Arena vor einer Geisterkulisse. Einnahmen aus dem Spielbetrieb fehlen den Ligaclubs.
Die Fußball-Profis spielen in der Red Bull Arena vor einer Geisterkulisse. Einnahmen aus dem Spielbetrieb fehlen den Ligaclubs. © Maja Hitij/Getty Images
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Die Bundesligaclubs werden auch im zweiten Lockdown vor finanzielle Herausforderungen gestellt. Professor Henning Zülch von der Handelshochschule Leipzig (HHL) hat die finanzielle Bestandskraft der Clubs in der Beletage genau unter die Lupe genommen und rät zu mehr Transparenz.

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Leipzig. Zweiter Lockdown: Der Fußball rollt trotzdem in den Stadien Deutschlands. Doch die Profis kicken vor einer Geisterkulisse. Schon während des ersten Lockdowns wurden Stimmen laut, dass Proficlubs aus der Fußball-Bundesliga von der Insolvenz bedroht seien. Denn neben TV-Geldern – die weiterhin fließen – sind die Liga-Clubs auch auf Einnahmen aus dem Ticketing angewiesen. Diese Erlöse entfallen derzeit. Welche Konsequenzen haben diese Einbußen?

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Sieben Clubs in Grauzone

Der Wirtschaftswissenschaftler Henning Zülch von der Handelshochschule Leipzig (HHL) beschäftigt sich mit solchen Fragen. „Basierend auf den Daten der Saison 2018/2019 macht der Anteil der Einnahmen aus dem Spielbetrieb an den Gesamteinnahmen im Durchschnitt für die Klubs der ersten Liga 13 Prozent aus“, erklärt Zülch. Die aktuellen Geisterspiele führen also zu einem deutlichen Umsatzeinbruch.

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Anhand des sogenannten Altmann Z-Scores – ein Maß in der Kreditwirtschaft – hat der 47-Jährige die finanzielle Kraft der Bundesligaclubs unter die Lupe genommen. Grundlage waren verfügbare Finanzdaten, unter anderem Daten der DFL und aus dem Bundesanzeiger für die Saison 2018/2019 – also vor Corona.



Elf Bundesligavereine sind demnach frei von der Gefahr einer kurzfristigen Insolvenz. Sieben Clubs hingegen sind als nicht sicher zu klassifizieren. Drei davon werden als hoch bestandsgefährdet eingestuft. „Ein Zeichen, das alarmieren sollte, zumal die verwendeten Finanzkennzahlen noch nicht die Covid-19-Auswirkungen reflektieren“, sagt der Professor.

Mehr wirtschaftliche Transparenz

Vier Klubs befinden sich in einer „Grauen Zone“, bergen zwar ein Risiko, aber nicht das einer akuten Bestandsgefährdung. Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig sind dieser Grauzone zuzuordnen. „RB steht grundsätzlich nicht schlecht da; der Club befindet sich basierend auf den Daten der Saison 2018/2019 an der Schwelle zu ungefährdet“, erklärt der HHL-Wissenschaftler und ergänzt: „Gerade durch die zuletzt eingefahrenen sportlichen Erfolge dürfte auch dieser Sprung nach oben – trotz Corona – nunmehr vollzogen worden sein.“

Professor Zülch sieht jedoch Handlungsbedarf. Er appelliert an mehr wirtschaftliche Transparenz der Bundesligisten, plädiert für eine Einführung von Frühwarnsystemen, sogenannten Risikomanagementsystemen. Es müsse sich etwas ändern, um aus der Krise zu lernen. „So wie es einen Schnelltest für Corona gibt, ist auch ein Schnelltest auf Bestandskraft der Bundesliga-Clubs zu fordern.“ Die spanische LaLiga hat es bereits vorgemacht.