13. November 2020 / 12:03 Uhr

Leipzigs erfolgreichster Fußballer erinnert sich: "Haben zu sehr im eigenen Saft geschmort"

Leipzigs erfolgreichster Fußballer erinnert sich: "Haben zu sehr im eigenen Saft geschmort"

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Wolfram Löwe erzielt 1977 gegen Torhüter Koncilia das 1:1 gegen Österreich.
Wolfram Löwe erzielt 1977 gegen Torhüter Koncilia das 1:1 gegen Österreich. © Frank Kruczynski
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Wenn es nach dem DFB geht, ist Wolfram Löwe Leipzigs erfolgreichster Fußballer. Aus Anlass der aktuellen Länderspiele in der Messestadt erinnert sich der ehemalige Spieler des 1. FC Lok an seine aktive Zeit, Probleme im DDR-Fußball und verrät, wer für ihn der beste deutsche Kicker aller Zeiten ist.

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Leipzig. Er selbst bestritt sein 43. und letztes Länderspiel – natürlich im Leipziger Zentralstadion – vor 43 Jahren gegen Österreich vor der stolzen Kulisse von 95. 000 Zuschauern und traf selbst zum 1:1-Ausgleich. Einen Vollblut-Fußballer wie Lok-Stürmer Wolfram Löwe schmerzen Geisterspiele wie das Mittwoch-Match zwischen der DFB-Elf und Tschechien wie jeden Fan. Ohne Corona wäre er selbst über den „Klub der Nationalspieler“ Gast in der Red-Bull-Arena gewesen.

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Vom DFB war der 75-Jährige als erfolgreichster Leipziger Fußballer (WM-Fünfter 1974 und Olympiasieger 1976) auserkoren für eine Story im Stadionheft. Bis zu 40. 000 Zuschauer hätten am Mittwoch und am Samstag gegen die Ukraine das Löwe-Porträt im kostenlosen Hochglanzheft gelesen. Wegen des fehlenden Publikums verzichtete der DFB auf den Druck des Magazins „DFB aktuell“ – zu finden als E-Paper auf der Verbands-Homepage.

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3. Oktober 1973 - Nach dem Sieg auswärts gewinnt der 1. FC Lok Leipzig auch daheim gegen den AC Turin und zieht in die zweite Runde des UEFA-Cups ein. (@ Archiv) Zur Galerie
3. Oktober 1973 - Nach dem Sieg auswärts gewinnt der 1. FC Lok Leipzig auch daheim gegen den AC Turin und zieht in die zweite Runde des UEFA-Cups ein. (@ Archiv) ©

1977 verpasste die DDR nicht nur den Sieg gegen die Prohaska & Co., sondern auch die WM-Qualifikation. Die Österreicher durften nach Argentinien reisen, wo sie der DFB-Elf und damit dem Titelverteidiger mit 3:2 die „Schmach von Cordoba“ und zugleich den K.o. zufügten.

Treppentraining mit Sandsäcken

Wolfram Löwe erklärt im DFB-Heft, warum die ostdeutschen Kicker damals international über einige Achtungserfolge nicht hinauskamen: „Wir haben zu sehr im eigenen Saft geschmort. Wenn uns die DDR die Möglichkeit gegeben hätte, im Ausland zu spielen, hätten wir uns entwickeln können.“ Sportlich und finanziell hätte das eine Win-Win-Situation für die Sportler und den Staat werden können. Doch diese Lockerung gab es erst nach 1988, als die allmächtige SED Katarina Witt Profiauftritte in aller Welt genehmigte. Sein Umfeld zu verlassen, um irgendwo in Europa mehr Geld zu verdienen, lehnte Löwe stets ab: „Das wollte ich meiner Familie nicht antun.“ Benfica Lissabon hatte 1967 die Fühler nach dem gebürtigen Markranstädter ausgestreckt.

Wolfram Löwe (dritter von rechts, oben) im Kreise des ehemaligen DDR-Kaders.
Wolfram Löwe (dritter von rechts, oben) im Kreise des ehemaligen DDR-Kaders. © imago/WEREK

Den DDR-Spielern seien auch die an der Leipziger Sporthochschule DHfK entwickelten Trainingsmethoden auf die Füße gefallen. „Wir haben die ganze Woche wie die Verrückten gebuckelt – und konnten dann zu den Spielen nicht mehr.“ Mit einem 20 Kilo schweren Sandsack hätten die Kicker jede Stufe des riesigen Zentralstadions hochlaufen müssen. „Das würde sich heute kein Profi mehr antun.“

Löwe hat seit Jahrzehnten einen Lieblingsverein in der Bundesliga – den FC Bayern. „Ich habe mich an den Besten orientiert – die Spielweise der Bayern hat mich immer begeistert.“ Den Ex-Stürmer fasziniert heute der komplette Fußballer Robert Lewandowski – im Zusammenspiel mit Serge Gnabry und Kingsley Coman. Auch der pfeilschnelle Ex-Leipziger Timo Werner gehört zu Löwes Lieblingsstürmern.

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Bis zum Sommer spielte Timo Werner für RB Leipzig. Für die DFB-Elf kehrt er nun zurück in die Messestadt. Zur Galerie
Bis zum Sommer spielte Timo Werner für RB Leipzig. Für die DFB-Elf kehrt er nun zurück in die Messestadt. ©

Und wer ist für ihn der beste deutsche Kicker aller Zeiten? „Franz Beckenbauer, zumal wir ja im gleichen Jahr geboren sind.“ Der Jahrgang 1945 sei – so Löwe – für den deutschen Fußball eben ein ganz besonderer. Wer will da widersprechen?