24. Juli 2021 / 13:11 Uhr

Leipzigs Leuchtturmprojekt „Willkommen im Fußball“ geht in Verlängerung

Leipzigs Leuchtturmprojekt „Willkommen im Fußball“ geht in Verlängerung

Stephanie Riedel
Leipziger Volkszeitung
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Integration wird im Leipziger Fußball großgeschrieben: DFB-Botschafter Jimmy Hartwig machte einen Abstecher in die Messestadt. © Oliver Peschke
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Es war die offizielle Abschiedsveranstaltung des Integrationsprojekts „Willkommen im Fußball“. Das Leipziger Bündnis hat seit 2015 über 100 Geflüchtete als Trainer- und Schiedsrichter ausgebildet. Damit soll aber noch lange nicht Schluss sein. 

Leipzig. Kultkicker Jimmy Hartwig war am Freitag auf Stippvisite in Leipzig. Die HSV-Legende – vor gut 30 Jahren auch mal für kurze Zeit Trainer in Leipzig-Leutzsch – nutzte seinen Auftritt in Sachsen keineswegs, um seine Bewerbung für das DFB-Präsidentenamt voranzutreiben. Es ging um ein ganz anderes - und ebenso wichtiges - Thema: Integration durch Sport.

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Hartwig: „Fußball ist Integrationsöffner in der ganzen Welt“

Willkommen und Abschied lagen am Freitag nah beieinander. Anno 2015 ging das Integrationsprojekt „Willkommen im Fußball“ an den Start. 23 Bündnisse in ganz Deutschland haben es sich seither zur Aufgabe gemacht, gezielt mit Geflüchteten zusammenzuarbeiten.

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DFB-Integrationsbotschafter Hartwig kämpft an vorderster Front für Integration, will viel bewegen, ist seit acht Jahren im Dienste des Dachverbands. Eine Willkommenskultur sei selbstverständlich beim DFB. „Fußball ist Integrationsöffner in der ganzen Welt“, meint der Ex-Profi. In seinem Wirken setzt der 66-Jährige auf Fair Play und Respekt. „Unabhängig seiner Herkunft – jeder gehört zu uns. Das höre ich zu wenig.“ Dafür werde er so lange kämpfen, bis es selbstverständlich sei.

Stolze Bilanz: Mehr als 100 Geflüchtete ausgebildet

Auch das Leipziger Bündnis war von Beginn dabei, um Geflüchteten Zugang zum Sport zu schaffen. Seitdem wurden über 100 Geflüchtete als Trainer- und Schiedsrichter ausgebildet und fürs Ehrenamt im Sport qualifiziert. In den lokalen Amateurvereinen werden zudem Trainingseinheiten gemeinsame umgesetzt. Zusätzlich zum Fußballtraining werden durch das Projekt Sprachkurse organisiert. Zur Arbeitsgruppe an der Pleiße gehören Bundesligist RB Leipzig, der Fußballverband der Stadt Leipzig (FVSL) sowie die drei Amateurvereine SV Lindenau 1848, SV Eintracht Süd und SV West 03. Auch Porsche unterstützt mit dem Programm „Turbo für Talente“, ebenso die Johanniter.

RB-Clubrepräsentant Perry Bräutigam findet es „bedauerlich, dass überhaupt noch über Integration geredet werden muss“. Der Vizemeister habe sich die Unterstützung von Geflüchteten auf die Fahnen geschrieben. „Name und Nation interessieren nicht.“ Es gehe um Verbundenheit und darum, gemeinsam etwa zu erreichen. „Das versuchen wir als RB vorzuleben.“

Finanzierung der Kampagne bis 2023 gesichert

Nun neigt sich das vom Bund und der DFL-Stiftung finanzierte Projekt dem Ende zu, es wird noch in diesem Jahr ad acta gelegt. Die gute Nachricht: Die Messestadt geht mit dem Programm in die Verlängerung. Porsche springt ein und finanziert die Kampagne bis 2023 – für Geflüchtete wie Alaa Shehabi eine wichtige Stütze. Er selbst wurde am Freitag mit der Ehrennadel des FVSL ausgezeichnet. Nach abgeschlossenem Sport- und Medienstudium flüchtete der ehemalige U-Nationalspieler aus Syrien. „Wir Migranten brauchen Begleitung, Zugang zum Sport, Unterstützung und Motivation.“ Unterstützung und sein Glück hat er beim FC Blau-Weiß Leipzig gefunden. Der 36-Jährige kickt bei den 1. Herren, ist seit 2016 selbst Trainer und hat mittlerweile die C-Lizenz in der Tasche.


Bleiben final Hartwigs Ambitionen zu klären, als DFB-Boss zu kandidieren. Der Ex-Nationalspieler sieht auch hier weit mehr als den Profifußball. Er wolle an allen "Fronten" mitmischen – vor allem an der Basis, um im Amateurbereich junge Leute zu begeistern. „Ich will meinen Hintern bewegen, raus und etwas tun.“