03. Juli 2021 / 15:00 Uhr

Leipzigs Nachwuchskicker am Ball: Fünf Sieger, jede Menge Jubel und ein zerbrochener Pokal

Leipzigs Nachwuchskicker am Ball: Fünf Sieger, jede Menge Jubel und ein zerbrochener Pokal

Nico Schmook und Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
L-Cup, FInale des Stadtpokal Leipzig, C-Jugend, SV Lok Enkelsdorf vs. SG Rotation Leipzig 1950 II
Die Kicker der SG Rotation II bejubeln den Sieg bei den C-Junioren. © Alexander Prautzsch
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Nach einem Jahr Unterbrechung haben Leipzigs Nachwuchskicker neue Pokalsieger. Egal ob A- oder E-Junioren: Am großen Finaltag wurden alle Endspiele ausgetragen. Nico Schmook und Antje Henselin-Rudolph waren für Euch vor Ort.

Leipzig. Viele strahlende Gesichter, tolle Zweikämpfe, Lachen, aber auch Tränen, Jubel und Enttäuschung: Der Finaltag des Leipziger Cups bot Nachwuchsfußball in allen Facetten. Von den A- bis zu den E-Junioren wurden am Samstag die Pokalsieger ermittelt. Das Beste: Auf dem Gelände der Sportschule Abtnaundorf waren Zuschauer zugelassen. "Endlich rollt der Ball wieder", meinte Oliver Gebhardt, Vize-Präsident des ausrichtenden Fußballverbandes der Stadt Leipzig (FVSL). "Das ist das erste Highlight nach anderthalb Jahren Corona-Pandemie. Wir sind dankbar und hoffen, dass wir dann auch in der kommenden Saison den Kindern und Jugendlichen eine Perspektive jenseits von zu Hause und Konsole bieten können."

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E-Junioren: Torregen zur Eröffnung des Finaltages

Der Finaltag in der Fußballschule Abtnaundorf begann gleich vielversprechend. Im Duell der E-Junioren standen sich RB Leipzigs U10 und der 1. FC Lok Leipzig gegenüber. Eine Paarung, die schon vorab viel Spannung und fußballerische Klasse verspricht. Und das Versprechen wurde gehalten. Das berüchtigte Leipziger Derby wurde auch bei den E-Junioren ein brisantes. Beide Teams zeigten ein starkes Spiel, ließen ihr Talent aufblitzen und nahmen sich nichts. Am Ende behielten aber, vor allem aufgrund einer mehr als überzeugenden zweiten Halbzeit die Blau-Gelben die Oberhand. Mit einem 7:3 nach zweimal 25 Minuten konnte der Pokal am Ende von den jungen Kickern in die Höhe gestreckt werden.

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7:3 gewinnt der 1. FC Lok Leipzig das E-Junioren-Finale gegen RB Leipzigs U10. ERst in der zweiten Hälfte können die Blau-Gelben die Partie deutlich für sich entscheiden. Zur Galerie
7:3 gewinnt der 1. FC Lok Leipzig das E-Junioren-Finale gegen RB Leipzigs U10. ERst in der zweiten Hälfte können die Blau-Gelben die Partie deutlich für sich entscheiden. © Alexander Prautzsch

Schon von Beginn an war klar, dass beide Teams heiß auf den Pokalsieg waren. In umkämpften ersten Minuten war aber RB besser im Spiel und erzielte nach wenigen Minuten durch Linus das erste Tor des Turniers. Lok wachte auf, gleichte aus und d ein offener Schlagabtausch begann, der mit einem 3:2 in die Pause ging.

In Durchgang zwei hatte Lok dann den besseren Start, der auch prompt mit dem Ausgleichstreffer durch Offensivspieler Luciano fiel. Was folgte glich auf einmal einer Machtdemonstration. Die jungen Spieler von RB zeigten zwar weiterhin einige gute Szenen, verloren aber den Faden. In weniger als 10 Minuten schlug drei Mal der Ball im Netz der Roten Bullen ein. Das Spiel komplett gedreht und der Sieg für Lok schon in sicheren Händen. Das 7:3 kurz vor Abpfiff beseitigte dann wirklich alle Restzweifel.

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„Man darf nicht vergessen dass die Kids alle erst zehn oder elf sind. Was sie dafür gezeigt haben, war einfach nur stark. Nach so einer schwierigen Saison sind wir jetzt alle überglücklich“ freute sich Lok-Trainer Kay Kermer nach Abpfiff. Auch sein Gegenüber Felix Lange zollte den jungen Spielern Respekt. „Es war eine engagierte Leistung von beiden. Dass wir zwei unterschiedliche Halbzeiten gezeigt haben ist leider typisch für Kinderfußball.“ Den Sieg feierten die Blau-Gelben euphorisch. Fast schon zu euphorisch. Denn was übrig blieb für die Probstheidaer war ein zerstörter Pokal.

Der Siegerpokal der E-Junioren hatte nur ein kurzes Leben, ging beim Jubeln schlicht zu Bruch.
Der Siegerpokal der E-Junioren hatte nur ein kurzes Leben, ging beim Jubeln schlicht zu Bruch. © Alexander Prautzsch

D-Junioren: RB Leipzigs Mädels überlegen aber gnädig

Im deutschen Nachwuchsfußball gibt es eine Regel: Reine Mädchenmannschaften dürfen im Ligenspielbetrieb und Pokal in der nächst-niedrigeren Altersklasse der Jungs antreten. Im D-Junioren-Finale standen sich deshalb die C-Juniorinnen von RB Leipzig und die D-Junioren des FC Blau-Weiß gegenüber. Der Ausgang der Partie: deutlich. 4:1 (1:0) setzten sich die Mädels durch und hätten eigentlich sogar wesentlich höher gewinnen müssen.

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Keine Chance für die D-Junioren des FC Blau-Weiß Leipzig: gegen RB Leipzigs C-Mädchen hatten sie nur wenige Chancen, unterlagen schließlich 1:4. Zur Galerie
Keine Chance für die D-Junioren des FC Blau-Weiß Leipzig: gegen RB Leipzigs C-Mädchen hatten sie nur wenige Chancen, unterlagen schließlich 1:4. © Alexander Prautzsch

Denn 60 Minuten lang kannte das Spielgeschehen nur eine Richtung: die auf das Tor von Konstantin im Trikot der Blau-Weißen. Der hielt sein Team mit tollen Paraden lange bei einem doch recht knappen 0:1-Rückstand. Theo, sein Kapitän, mühte sich redlich, seinem Schlussmann zu helfen, rackerte unermüdlich, kämpfte und hatte sogar das 1:1 auf dem Fuß, verzog aber. Es war eine der wenigen Gelegenheiten für die Jungs aus dem Südwesten der Stadt. Denn die Mädels legten einen Klasse-Auftritt hin, überlegt in der Anlage, stets gut positioniert, unaufgeregt, schnell auf den Beinen.

Einziges Manko, wenn man es denn überhaupt so bezeichnen mag: Vor dem Kasten suchten die Mädchen um Doppeltorschützin Linn zu selten den direkten Abschluss, suchten lieber die vermeintlich besser postierte Mitspielerin. Deshalb stand es zur Pause auch "nur" 1:0. Erst im zweiten Abschnitt wurde es dann deutlich. Der laute Jubel nach Abpfiff war mehr als berechtigt. Das Team feierte ausgelassen. "Europapokal, Europapokal, Leipzig International" sangen die RB-Mädels und duschten ihren Coachm natürlich altersgerecht mit Mineralwasser.

C-Junioren: Rotations Zweite holt sich den Pokal

Sorgte bereits das Spiel der E-Junioren für viel Furore, kehrte bei der nächsten Partie auf dem Hauptplatz etwas mehr Ruhe ein. In einem über 70 Minuten ausgeglichenem Spiel konnte sich die SG Rotation Leipzig am Ende aber mit 2:0 gegen Lok Engelsdorf durchsetzen und den Pokal der C-Junioren in die Lüfte stemmen.

In der Anfangsphase tasteten sich beide Mannschaften zunächst ab, sehenswerte Chancen und Aktionen waren zunächst Mangelware. Das Highlight der ersten 15 Minuten war somit der Spielball, dem schon nach dem ersten Kontakt die Luft ausging und ausgetauscht werden musste. Danach erarbeitete sich Rotation ein Chancenplus, das Spiel spielte sich jedoch weiterhin vor allem im Mittelfeld ab. Wie aus dem Nichts und nach einer maßgenauen Flanke zappelte dann auf einmal der Ball für die SG im Netz. Mit einem sehenswerten Kung-Fu-ähnlichen Schuss sorgte der Kapitän für den Führungstreffer für das Team in den schwarz-goldenen Trikots. Mit dem 1:0 ging es dann auch in die Halbzeit.


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Der Sieg bei den C-Junioren geht an die Jungs der SG Rotation II. Das Team bleibt gegen Lok Engelsdorf ohne Gegentor, feiert am Ende lautstark. Zur Galerie
Der Sieg bei den C-Junioren geht an die Jungs der SG Rotation II. Das Team bleibt gegen Lok Engelsdorf ohne Gegentor, feiert am Ende lautstark. © Alexander Prautzsch

Und auch im zweiten Durchgang gab es wenig Starfraumaktionen, beide Mannschaften nahmen sich wenig. Dass die sommerlichen Temperaturen ihren Tribut zollten, war auch zu merken. Doch auf einmal fiel der zweite Treffer für die Leipziger. Nach einer stark getretenen Ecke steigt ein Spieler von Rotation am höchsten und köpft den Ball platziert in die obere Ecke. Der Schock und der Frust war auf Seiten der Engelsdorfer zu spüren. Vor allem letzteres entlud sich immer mehr auf das Schiedsrichtergespann, ehe es in der Endphase die gelbe Karte für die Trainerbank gab. Die Engelsdorfer bäumten sich noch einmal auf, aber alle half nichts und so blieb es beim 2:0 für Rotation, die ihren Sieg lautstark feierten. „Es war ein ausgeglichenes Spiel, bei dem wir am Ende eben zwei Chancen gut genutzt haben und die Jungs das Spiel gut über die Ziellinie gebracht haben“, zeigte sich Daniel Ott, Co-Trainer von Rotation, stolz. Mit gutem Recht. Die besondere und kurze Saison konnten die Leipziger nicht nur mit dem Pokalsieg krönen. Sie blieben auch ungeschlagen.

B-Junioren: Stötteritz holt Pokal im Kampf vom Punkt

Nach zehn Minuten sah alles nach einer ganz klaren Angelegenheit aus. Denn da führte der SSV Stötteritz gegen die SpG Wahren/Victoria/Rotation II nach Toren von Simon und Benny bereits 2:0. Doch klar sollte hier gar nichts sein, Es brauchte schließlich 80 Minuten reguläre Spielzeit, 20 Minuten Verlängerung und die Entscheidung vom Punkt bis fest stand: Ja, der Pokal geht nach Stötteritz.

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Zwischen der SpG Wahren/Victoria/Rotation II und dem SSV Stötteritz gab es beste Chancen in Hülle und Fülle. Der Pokalsieg entscheid sich dennoch im Elfmeterschießen. Zur Galerie
Zwischen der SpG Wahren/Victoria/Rotation II und dem SSV Stötteritz gab es beste Chancen in Hülle und Fülle. Der Pokalsieg entscheid sich dennoch im Elfmeterschießen. © Alexander Prautzsch

Zunächst biss sich die Spielgemeinschaft mit viel Energie und peu a peu in die Partie zurück. Erst traf Luis, später Alexander. Der gehörte fraglos zu den herausragenden Akteuren auf Wahrener Seite, hätte die Begegnung mehrfach vorentscheiden zu können. Aber weder sein schöner Lupfer noch diverse Alleingänge und Solo-Situationen vor dem Tor führten zum Erfolg. Sein Pendant auf der Gegenseite hörte auf den Namen Marat. Auch er agierte nimmermüde, biss und rackerte. Beide Kicker trafen noch je einmal. Doch es blieb dabei: Elfmeterschießen. Hier trafen Lukas, Alexander und Luis für die Spielgemeinschaft, Benny, Tillmann, Diego und Simon für Stötteritz. Die Jubeltraube nach dem letzten Schuss: ein Bild der puren Freude.

A-Junioren: Leutzsch/Bienitz vor dem Tor eiskalt

Der Jubel kannte keine Grenzen. Die SG TuS Leutzsch/Bielitz konnte deutlich mit 5:1 (3:1) gegen die SG LVB gewinnen und sich so den Leipziger Cup der A-Junioren sichern. Vor allem vor dem Tor zeigten sich die Leutzscher eiskalt.

Dabei begann das Spiel gar nicht gut für den nun aktuellen Pokalsieger. Mit reichlich Druck startete die SG LVB in die Partie, die Mannschaft schien hieß auf den Pokalerfolg zu sein. Schon fast mit Ankündigung fiel nach drei Minuten das erste Tor des Spiels für das Team in den Blau-Gelben Trikots. Und sie ließen nicht nach. Weiter wurde stark nach vorne gespielt, ein zweites Tor wurde aber auf der letzten Linie verhindert. Einen Angriff später und wie aus dem Nichts liegt auf einmal der Ball im Netz der Straßenbahner. Mit der zweiten Chance sorgte Max Kossmann auf einmal für das überraschende 1:1. Dabei schien eher die SG LVB am zweiten Tor dran zu sein, als das TuS Leutzsch ausgleicht. Und es ging Schlag auf Schlag weiter. Mit der dritten Chance, fiel plötzlich das 2:1 für die Leutzscher. Nichts schien danach, doch auf einmal führten die Spieler in den grünen Trikots. Und der Torregen ging weiter, als nur wenige Minuten später das 3:1 fiel. Der spätere Pokalsieger glänzte mit unglaublicher Effektivität. Die Überlegenheit der SG LVB gehörte lange der Vergangenheit an.

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Die Kicker der SpG TuS Leutzsch/Bienitz ließen an ihrem Pokalsieg zu keinem Zeitpunkt Zweifel aufkommen, siegten souverän 5:1 gegen die SG LVB. Zur Galerie
Die Kicker der SpG TuS Leutzsch/Bienitz ließen an ihrem Pokalsieg zu keinem Zeitpunkt Zweifel aufkommen, siegten souverän 5:1 gegen die SG LVB. © Alexander Prautzsch

Im zweiten Durchgang versuchte die SG LVB noch einmal zurückzukommen, die Offensivaktionen brachten jedoch keinen Ertrag. Mit fortschreitender Spielzeit verflachte immer mehr das Spiel und lief so vor sich hin. Es fiel das wohl entscheidende 4:1 und beide Mannschaften schalteten einen Gang runter. Die einen wollten verwalten, die anderen hatten sich scheinbar schon aufgegeben. Nach dem 5:1 in der 75. Minute waren alle Zweifel beseitigt, die Bank der SG TuS Leutzsch/Bielitz war endgültig im Jubeltaumel untergegangen. Ein Jubeltaumel, der erahnen ließ, wie bei den Leutzschern noch am restlichen Tag gefeiert werden würde.

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