16. April 2020 / 13:50 Uhr

Leipzigs Rennpferde scharren mit den Hufen - Auch Moderenntag abgesagt

Leipzigs Rennpferde scharren mit den Hufen - Auch Moderenntag abgesagt

Frank Kastner, dpa
Leipziger Volkszeitung
Leipzig, 17.04.2019, Galopprennbahn Scheibenholz. , 
Pressekonferenz zur am 1. Mai startenden leipziger Galopp-Saison. , 
Im Bild: Galopp-Trainer Marco Angermann mit dem 3-jährigen Hengst Leipzig. ,  
Foto: PICTURE POINT / Petzsche , 
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Leipziger Galopp-Trainer Marco Angermann. © PICTURE POINT
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Die Galopprennbahn im Leipziger Scheibenholz war am 1. Mai immer ein Zuschauermagnet. Nun bleiben wegen Corona die traditionsreiche Tribüne leer und die Startboxen geschlossen. Eine schwierige Situation für den Cheftrainer Marco Angermann. Seinen tierischen Schützlingen fehlt ein Trainingsziel.

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Leipzig. Die edlen Rennpferde qualmen nach dem Training in der Sonne. Nach zwei Runden Galopp auf dem trockenen Sandgeläuf geht es zum Auslaufen in die drehende Führmaschine, dann in die frisch gesäuberte Box. Es folgt die nächste Trainingsrunde auf der Galopprennbahn im Leipziger Scheibenholz - insgesamt wollen 30 Pferde sieben Mal die Woche bewegt werden. Nur sonntags geht's etwas ruhiger zu. Nichts erinnert im täglichen Ablauf an die Corona-Krise. „Es ist schwierig, unsere Arbeit machen wir fast wie immer, nur wir haben plötzlich kein Ziel. Die Pferde galoppieren in der Vorbereitung rund 50.000 Kilometer, doch wir brauchen einen fest terminierten Renntag, wo wir gezielt drauf hinarbeiten können“, sagte Leipzigs Cheftrainer Marco Angermann.

DURCHKLICKEN: Rückblick auf den Aufgalopp am 1. Mai 2019

Das war der Aufgalopp im Scheibenholz am 1. Mai 2019. Rund 20.000 Besucher pilgerten zur Rennbahn. Zur Galerie
Das war der Aufgalopp im Scheibenholz am 1. Mai 2019. Rund 20.000 Besucher pilgerten zur Rennbahn. © André Kempner

Das ursprüngliche Ziel war der Aufgalopp am 1. Mai, dann die Absage. Der Dachverband Deutscher Galopp plant zwar die Wiederaufnahme des Rennbetriebs, aber nur komprimiert bis zunächst 15. Juni. Sprich: Es soll „Geisterrennen“ ohne Zuschauer geben.

Auch Moderenntag am 7. Juni abgesagt

Für Scheibenholz-Marketingchefin Franziska Margalle ein riesiger Schaden. „Für uns ist es bitter, wir haben null Erlöse. Die Einnahmen vom 1. Mai haben uns über die ganze Saison gerettet“, sagte sie. Rennen ohne Zuschauer könne man sich in Leipzig nicht erlauben. Noch bitterer: Auch die zweite Veranstaltung, der Moderenntag am 7. Juni, kann nicht stattfinden. Bleiben nur noch der Sommernachtsrenntag am 9. Juli und das Saisonfinale am 10. Oktober.

‼️ Moderenntag am 7. Juni abgesagt ‼️ Nach intensiven Beratungen hat der Dachverband Deutscher Galopp ein komprimiertes...

Gepostet von Galopprennbahn Scheibenholz am Mittwoch, 15. April 2020

Dabei stand gerade der Moderenntag, der nach den Traditionen der 1960er und 70er Jahre wiederbelebt wurde, für die Wandlung der ältesten Sportstätte Sachsens, die 1867 eröffnet wurde. Wollten einst nur Pferdenarren und Zocker eine schnelle Mark an den Wettschaltern verdienen, so heißt es seit einigen Jahren wie im noblen, britischen Ascot: Sehen und gesehen werden. Bei den Frauen ist der edle Hut längst obligatorisch, bei den Männern der englische Cutaway (Gehrock) erwünscht. Beim Moderenntag wagten sich selbst die Fußball-Profis von RB Leipzig in den feinen Zwirn.

Zuschauer-Flair für Entwicklung

Nun soll der Verkauf von symbolischen virtuellen Tickets den wirtschaftlichen Schaden mindern. Für Cheftrainer Angermann ist die Absage eine „Katastrophe. Mir fehlen die Gewinnprozente“, sagte er. Schlimmer ist die Situation der Besitzer. „Wenn keine Rennen sind, brauche ich auch kein Rennpferd - dann kann ich das Pferd auch in den Zoo stellen“, meinte Angermann und betonte: „Sie zahlen einen Haufen Geld im Monat und wollen ihr Pferd laufen sehen.“

ℹ️ HINWEIS: Es handelt sich beim „Aufgalopp der Herzen“ um einen virtuellen Aufgalopp. ℹ️ Man kann dafür symbolisch...

Gepostet von Galopprennbahn Scheibenholz am Freitag, 10. April 2020

Angermann hofft, dass die Besitzer in Leipzig zu ihm stehen. Immerhin ging es sportlich zuletzt steil aufwärts. Mit 16 Siegen und eingespielten Preisgeldern von über 100 000 Euro war 2019 seine erfolgreichste Saison. „Die Anfragen werden mehr, am Ende wird man immer am Erfolg gemessen“, sagte der Coach, der zehn Prozent von den Prämien abbekommt. Für den Jockey gibt es fünf Prozent, der Rest geht an den Besitzer. Dieser muss auch anteilmäßig die monatlichen Kosten für Stallboxen, Pflege, Essen und sowie die bei Rennstall Angermann angestellten Arbeitsreiter, Futtermeister und Trainer zahlen.

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Ein weiteres Problem ist die Entwicklung der jungen Pferde. „Unsere Zweijährigen haben enormes Potenzial, sie brauchen die Rennen mit dem Zuschauer-Flair für ihre Entwicklung“, erklärte Angermann, der besonders stolz auf das Pferd Mockingjay ist. Der sechsjährige Wallach wurde im Vorjahr vom Fachmagazin „Galopp intern“ zum „Handicapper des Jahres“ gekürt, nachdem er die Saison ungeschlagen mit sechs Siegen bei sechs Starts beendete. „Ein besonders liebes Pferd, dass einfach nicht verlieren kann. Mockingjay hat einen absolut Klasse-Charakter“, meinte Angermann und streichelte sein Vorzeige-Pferd liebevoll.