03. Mai 2021 / 05:54 Uhr

RB Leipzigs Upamecano vor Wechsel zu Bayern: "Liebe es, gegen die Großen der Welt zu spielen"

RB Leipzigs Upamecano vor Wechsel zu Bayern: "Liebe es, gegen die Großen der Welt zu spielen"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Dayot Upamecano spricht im SPORTBUZZER-Interview.
IMAGO/motivio © Entwickelte sich in Leipzig zum gefragten Star: Dayot Upamecano.
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Nach vier Jahren wechselt Dayot Upamecano im Sommer von RB Leipzig zum FC Bayern, hinterlässt tiefe Spuren, 43 Millionen Euro Ablöse und, so Gott will, den DFB-Pokalsieg. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 22-Jährige über finales Glück an der Weser, Schnelligkeit, seine Zukunft in München und familiäre Bindungen. 

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Leipzig. Im Januar 2017 verlässt Dayot Upamecano Red Bull Salzburg und jettet ins Trainingslager der Leipziger Roten Bullen nach Portugal. In seiner ersten Trainingseinheit hängt der 18-jährige Franzose den schnellsten Roten Bullen, Timo Werner, im Sprint ab. Im Februar 2017 feiert Upamecano sein Bundesliga-Debüt, wird in Dortmund für Rani Khedira eingewechselt und überholt vor 80.000 staunenden Fans den eigentlich uneinholbaren BVB-Turbo Pierre-Emerick Aubameyang. Beim freitäglichen 2:1-Pokalsieg in Bremen absolvierte der künftige Bayern-Profi sein 150. Pflichtspiel für RB. Upamecano wechselt im Sommer für geschätzte 43 Millionen Euro Ablöse zum Rekordmeister. Im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetwerks Deutschland (RND) und der Leipziger Volkszeitung nimmt er unter anderem dazu Stellung.

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Bremen war gallig, Sie hatten Hee-Chan Hwang, Emil Forsberg und finales Glück. Glückwunsch zum Endspiel!

Danke! Ja, das waren zwei ganz starke Szenen von den beiden, über die ich insbesondere nach meinem Fehler sehr froh bin. Wir sind alle an unsere Grenzen gegangen und bis zur letzten Sekunde positiv geblieben. Jetzt wollen wir es besser als 2019 machen und den Pokal nach Leipzig holen!

Wie wichtig sind Ihnen und den Ihren jetzt noch die drei Bundesliga-Partien in Dortmund, gegen Wolfsburg und bei Union?

Sehr wichtig. Wir wollen neun Punkte holen.

Um noch Meister zu werden?

Vor allem, um unsere beste Bundesliga-Saison spielen – und dazu brauchen wir noch Punkte. Meister? Die Bayern haben sieben Punkte mehr und das bessere Torverhältnis.

Am 22. Mai ziehen Sie in der Alten Försterei das RB-Trikot aus. Wir wird es sein, das letzte Mal?

Ich denke immer mal wieder an diesen Tag. Es wird auf jeden Fall sehr emotional werden. Ich hatte und habe hier eine fantastische Zeit, eine sehr schöne und tiefe Verbindung zu allen im Verein, zu den Fans. Man hat mich in Leipzig mit offenen Armen aufgenommen, mich immer gut behandelt, aus mir einen besseren Fußballer gemacht. All das und alle bleiben für immer in meinem Herzen. Aber wie gesagt: Wir sind noch nicht fertig, haben noch klare Ziele.

DURCHKLICKEN: Dayot Upamecano bei RB Leipzig

2017 Januar: Upamecano aktiv im Spiel (@GEPA Pictures) Zur Galerie
2017 Januar: Upamecano aktiv im Spiel (@GEPA Pictures) ©

Ralf Rangnick hat Sie 2017 geholt. Wie sind sie denn nun, Rangnicks sagenumwobene Flirt- und Verführungskünste?

Ralf ist in allem, was er macht, sehr intensiv und überzeugend, gibt nie auf. Er hat mir damals gesagt, dass ich ein sehr guter Bundesligaspieler werde, dass wir in die Champions League kommen und Leipzig nicht meine letzte Station sein wird. Es ist alles so gekommen. Meine Familie, meine Berater und ich haben ihm immer vertraut.

Sie fahren keine vier Luxus-Limousinen, tragen keine Rolex. Jürgen Klopp würde Sie „The Normal One“ nennen. Was ist los mit Ihnen?

Ich konzentriere mich einfach auf meinen Beruf, habe eine Verantwortung gegenüber meinen Kollegen und dem gesamten Klub. Wenn es meinem Klub, meiner Familie und meinen Freunden gut geht, geht es mir auch gut. Braucht man eine teure Uhr zum Glück? Ich glaube nicht.

Sie haben in Ihrer Leipziger Zeit fast ausschließlich auf dem Platz für Schlagzeilen gesorgt. Eine Ausnahme gab es ...

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... die alte Geschichte.

Ja, die. Rangnick hat Sie im Sommer 2018 öffentlich angezählt, weil Sie mit zwei, drei Kilo zu viel aus dem Urlaub gekommen sind.

Er hatte Recht und ich einen Fehler gemacht. Wir sind alle nur Menschen, ich war noch jung. Sind Sie nicht auch mal mit zwei Kilo zu viel zum ersten Training gekommen?

Es waren fünf. Lassen Sie uns über Schnelligkeit sprechen. Sie sind sehr schnell, Herr Upamecano.

Die Schnelligkeit hilft nur dem, der rechtzeitig losläuft. Eine Zehntelsekunde des Zögerns oder eine falsche Entscheidung entscheiden auf diesem Niveau.

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Vier Tore in 150 Spielen – das ist nicht viel, Monsieur Upamecano.

Da haben Sie Recht, Monsieur Schäfer. Ich kann torgefährlicher, besser im Spielaufbau, besser im Kopfball, besser in allem werden.

Man lernt nie aus.

Oui, so ist es.

Wer war Ihr bester Trainer in Leipzig? Ralph Hasenhüttl, Ralf Rangnick oder Julian Nagelsmann?

Ich habe von allen viel gelernt.

Und von wem am meisten?

Einen hervorzuheben, wäre unfair. Jeder hat mir auf seine Weise etwas gegeben.

Was waren Ihre persönlichen Höhepunkte in Leipzig?

Mein erstes Bundesligaspiel in Dortmund, unser erstes Champions-League-Spiel gegen Monaco – das war überragend. Mein bestes Spiel für RB habe ich wohl in Lissabon gegen Atletico Madrid gemacht. An diesem Abend klappte wirklich alles. Ich war super fit, griffig, selbstbewusst. Und das Beste war: Wir sind ins Halbfinale der Champions League eingezogen. Es war also nicht nur für mich, sondern für den gesamten Verein eine Sternstunde.

Hier Upamecanos Highlight-Spiel gegen Monaco in Bildern

JETZT Durchklicken: RB Leipzig - AS Monaco (1:1)

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RB Leipzig - AS Monaco (Imago) ©

Auch gegen die Pariser Koryphäen Neymar, Mbappe, di Maria und Co. waren Sie bester Leipziger. Wie ist es, gegen derartige Stars zu spien?

Man darf nie abschalten, nicht eine Sekunde. Jeder Zweikampf ist auf allerhöchstem Niveau. Aber genau das will man doch immer. Auch schon als Kind: sich mit den Besten messen. Selbst wenn man sich bei manchen Aktionen von diesen unglaublichen Fußballern mal fragt: Wie hat er das jetzt gerade gemacht? Ich liebe es, gegen die Großen der Welt zu spielen. Die Zeit in Lissabon war fantastisch.

Upamecano erklärt Bayern-Wechsel: Deshalb wollte ich in der Bundesliga bleiben

Und hat Sie auf die Wunschzettel von großen Klubs gebracht. Jetzt können Sie es ja sagen: Wer war noch hinter Ihnen her, bevor Sie ja zu den Bayern gesagt haben.

Es gab auch Interesse von anderen Klubs, klar. Ich war mir aber relativ schnell sicher, dass ich in Deutschland und in der Bundesliga bleiben möchte. Mir gefällt es hier, das Niveau der Spiele, die Fans, die Stadien.

Und wenn sich der FC Bayern meldet ...

... ist man schon stolz, ja. Es geht nicht mehr viel höher, vor allem wenn man zuvor in Leipzig spielt.

Wenn Sie Ihren Vertrag bei RB 2020 nicht bis 2023 verlängert hätten, hätte Leipzig ablösetechnisch in die Röhre geschaut. Gibt es doch so etwas wie Dankbarkeit in Profigeschäft?

Ich bin RB unendlich dankbar, für alles. Das Leben ist für mich ein Geben und Nehmen. Fairer Umgang miteinander ist mir dementsprechend sehr wichtig.

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Die Mietpreise in München sind horrend. Haben Sie schon eine dieser sündhaft teuren Bleiben gefunden?

Nein, ich suche auch noch nicht, konzentriere mich auf meinen Job in Leipzig. Das können wir in Ruhe im Sommer machen.

Robert Lewandowski wird zufrieden, froh und glücklich sein, dass Sie nach München kommen.

Weshalb?

Weil er dann nur noch im Training gegen Sie ran muss. Sie hatten Lewandowski immer gut im Griff.

Ganz im Griff hat man so einen Mann nie. Er hat alles, kann alles, ist stark und robust, steckt ein, teilt aus und ist nie unfair. Da gab es nie einen Ellenbogen oder ähnliches.

Upamecano über Jesse Marsch: "Sehr gute Wahl"

Julian Nagelsmann begleitet Sie nach München. Waren Sie frühzeitig eingeweiht?

Nein. Aber ich freue mich, weiter mit ihm zusammen zu arbeiten, er ist ein super Trainer. Wir alle denken aber jetzt nicht über die nächste Saison nach, sondern über diese. Und in der wollen wir den Pokal holen und unsere Bestleistung aus 2016/2017 toppen.

Eine Nachfrage sei erlaubt. Wie haben Sie Jesse Marsch als Rangnicks Assistent erlebt?

Ein toller Typ, der immer die richtigen Worte findet, der mitreißt und eine starke Verbindung zu den Spielern aufbaut. Eine sehr gute Wahl für RB!

Was glauben Sie, wie Sie von den RB-Fans empfangen werden, wenn Sie mit dem FC Bayern nach Leipzig kommen?

Hoffentlich herzlich. Ich habe alles für den Verein gegeben.

Fahren Sie mit zur EM?

Das wäre traumhaft.

Hat Deutschland Chancen auf den Titel?

Man muss euch jedenfalls immer auf dem Zettel haben.