18. April 2021 / 12:14 Uhr

Leiser Jubel: War das schon der Meistertitel für den SV Lindow-Gransee?

Leiser Jubel: War das schon der Meistertitel für den SV Lindow-Gransee?

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Bringen fünf Punkte mit in die Heimat: die Zweitliga-Volleyballer des SV Lindow-Gransee.
Solch ein Jubel auf dem Spielfeld blieb den Volleyballern vom SV Lindow-Gransee am Wochenende versagt. © Verein
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2. Volleyball-Bundesliga: Kiel verliert in Bocholt, Moers reist nicht an und der SV Lindow-Gransee wird auf der Couch Zweitliga-Meister – zumindest, wenn das Sportgericht zu seinen Gunsten entscheidet.

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Als sich die Zweitliga-Volleyballer aus Bocholt am Samstagabend um 21:10 Uhr im vierten Satz zwei Matchbälle gegen den Kieler TV erarbeitet hatten, zitterte der SV Lindow-Gransee an den Bildschirmen mit. Für die Grün-Weißen waren die beiden Chancen gleichbedeutend mit zwei Meisterschaftsbällen – wahrscheinlich. Versuch Nummer zwei wussten die TuB-Schrauber jedenfalls zu nutzen, die Euregio-Halle wurde für die Gäste von der Ostseeküste zur „Euregio-Hölle“. Und hunderte Kilometer weiter östlich brach bei Spielern, Verantwortlichen und Fans des SV Lindow-Gransee innere Freude aus, wenngleich der Jubel noch leise ist.

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„Ich habe noch nie so angespannt einen Livestream verfolgt, das war ein Akt der Gefühle. Weil ich aber wusste, was wir in Bocholt erleben mussten, hatte ich durchaus Hoffnung“, gab Peter Schwarz (im Bild) kurz nach dem unverhofften Coup zu. Im ersten Durchgang vergab der Gastgeber drei Satzbälle und war beim 26:27 plötzlich selbst im Nachteil. Ein Drei-Punkte-Lauf machte das 1:0 doch noch perfekt. Auch im zweiten Abschnitt nutzten die Hausherren ihre Vorteile in der verhältnismäßig flachen Halle gnadenlos – 25:20, 2:0. Spätestens als die Turner und Ballspieler zu Beginn des dritten Satzes sechs Punkte in Serie erzielten, wurden beim SVLG die Kaltgetränke bereitgestellt.

In Bildern: Volleyballer des SV Lindow-Gransee unterliegen im Titelkampf beim Kieler TV.

Die Grün-Weißen wollten in der Hansestadt den zweiten Zweitliga-Titel der Vereinsgeschichte perfekt machen, verloren nach 92 Spielminuten  aber mit 1:3 (15:25, 20:25, 25:17, 24:26). Die Kieler Adler haben bei noch zwei auszutragenden Partien nun beste Chancen, sich die Meisterschaft zu sichern. Zur Galerie
Die Grün-Weißen wollten in der Hansestadt den zweiten Zweitliga-Titel der Vereinsgeschichte perfekt machen, verloren nach 92 Spielminuten aber mit 1:3 (15:25, 20:25, 25:17, 24:26). Die Kieler Adler haben bei noch zwei auszutragenden Partien nun beste Chancen, sich die Meisterschaft zu sichern. © Marius Böttcher

Doch die Kieler Adler gaben nicht auf, kämpften sich heran und verkürzten auf 1:2. Im vierten Durchgang wog das Pendel hin und her – mit dem besseren Ende für die Hausherren. Und vermutlich auch für den SV Lindow-Gransee. Dieser hätte am Samstagabend in der Dreifelderhalle sein sportliches Saisonfinale erleben sollen, der Moerser SC ließ seinen Worten im Vorfeld der Nachholpartie (Vereinschef Günter Krivec: „Wir sagen das Spiel ab“) aber Taten folgen. Die Schlammschlacht, die von MSC-Seite am Wochenende in den sozialen Medien weitergeführt wurde, endet nun vor dem Sportgericht. Mit Vorteilen für die SVLG-Wölfe, die mit drei weiteren Zählern nicht mehr von der Spitze des Klassements verdrängt werden könnten.

„Ich hätte es lieber auf sportlichem Wege klar gemacht, ohne dieses Theater, das betone ich hiermit. Schade auch, dass uns dieses gemeinsame Erlebnis nicht vergönnt ist, so muss jeder mit angezogener Handbremse unter den Corona-Regeln feiern“, sagte Peter Schwarz, der sich mit seinen Schützlingen in der gemeinsamen WhatsApp-Gruppe austauschte: „Ich bin megastolz auf die Jungs. Man hat gemerkt, dass die Luft langsam raus und die Saison eine Riesenanstrengung war. Wir konnten letztlich das bestätigen, was uns in der Vorsaison kurz vor dem Ziel weggenommen wurde.“ Schon nach der 1:3-Pleite vor Wochenfrist in Kiel zeigte sich Schwarz als fairer Verlierer, auch als vermeintlicher Meistertrainer gingen seine Gedanken zum Kieler TV: „Das ist eine geile Truppe, die es in dieser Serie auch verdient gehabt hätte. So ist aber eben der Sport, so ist der Wettkampf, da entscheiden manchmal auch solche Dinge.“

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Sollte der Meistertitel in den nächsten Tagen endgültig bestätigt werden, so hinterlässt das Saisonende für den Außenstehenden einen faden Beigeschmack. Für den Lindower Volleyball-Chef Frank Seeger dagegen nicht: „Ich werde das auch nicht zulassen, dass mir das jemand schlecht redet. Am Ende steht unser Vereinsname ganz oben in der Tabelle und darauf sind wir mächtig stolz.“

Seine alte Feuerwehrsirene, mit der er bei den Heimspielen ordentlich Lärm erzeugt, kam auch am Samstagabend zum Einsatz: „Nach dem letzten Ballwechsel habe ich gekurbelt, so groß war die Freude. Da werde ich mich wohl bei meinen Nachbarn erklären müssen.“ Eines wollte Frank Seeger noch los werden: „Großer Respekt an Bocholt, diese Seriosität ist vorbildlich. Und Kiel beglückwünsche ich auch zu einer tollen Saison, deren Teammanager Jörg Pelny gratulierte uns auch sofort.“ So wie Moers-Coach Hendrik Rieskamp seinem Kollegen Peter Schwarz. Ende gut, alles gut – für den SV Lindow-Gransee. Wahrscheinlich.