11. Januar 2021 / 18:07 Uhr

Leitfaden für Corona-Rückkehrer? Wolfsburg-Manager Schmadtke findet's schwierig

Leitfaden für Corona-Rückkehrer? Wolfsburg-Manager Schmadtke findet's schwierig

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Rückführung von Spielern, die sich mit Covid-19 infiziert haben, per Leitfaden? VfL-Manager Jörg Schmadtke findet es schwierig.
Rückführung von Spielern, die sich mit Covid-19 infiziert haben, per Leitfaden? VfL-Manager Jörg Schmadtke findet es schwierig. © (c) dpa-Zentralbild
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Über die Folgen einer Corona-Infektion gibt's bisher erst wenige Erkenntnisse - auch im Hinblick auf Profi-Fußball. Einen generellen Leitfaden zur Rückführung von Covid-Infizierten hält Jörg Schmadtke, Manager des VfL Wolfsburg, jedenfalls für schwierig.

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Marin Pongracic, Maxence Lacroix, Jerome Roussillon, Pavao Pervan, Maximilian Arnold, William, Kevin Mbabu, Renato Steffen und Josip Brekalo - der VfL Wolfsburg hat von allen Bundesliga-Klubs mit die meisten Covid-Fälle zu verzeichnen. Die Mehrzahl der betroffenen Spieler steht bereits wieder auf dem Rasen, doch über die Folgen einer Corona-Infektion ist noch ziemlich wenig bekannt. Ob die Atemprobleme bei Pongracic beim 2:2 bei Union Berlin auch mit dem Virus zu tun hatten, ist noch unklar. VfL-Manager Jörg Schmadtke hält einen generellen Leitfaden zur Rückführung der Erkrankten in den Profi-Fußball jedenfalls für schwierig.

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Wann und in welcher Form, Profi-Fußballer nach einer Corona-Infektion am besten wieder in den Trainings- und Spielbetrieb einsteigen sollten, dafür gibt's keine klare Richtlinie. Das entscheidet jeder Verein selbst, auch der VfL. Einen Leitfaden zu haben, wäre zwar sinnvoll, aus Sicht von Schmadtke ist das jedoch "schwierig mangels Erfahrung, aber auch, weil jeder Fall unterschiedlich ist". Und der Manager führt aus: "Es hängt ja schon davon ab, ob es einen leichten oder schweren Verlauf gab, das Alter spielt eine Rolle, genauso wie die genetische Veranlagung. Ich glaube, dass es nicht richtig wäre, zu sagen, wir machen es bei allen Spielern nach Verfahren XY." Alle Klubs hätten "eine große und hochqualifizierte medizinische Abteilung" und anhand derer müsse jeder Verein seine Entscheidungen treffen. Zudem holen sich die Wolfsburger Unterstützung von den Medizinern der DFL und des DFB.

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Die Ärzte des VfL kümmern sich gerade unter anderem um Pongracic. Zwei Monate hatte der 23-Jährige wegen Pfeifferschen Drüsenfiebers gefehlt, hatte dann seine ersten längeren Einsätze danach in der kroatischen Nationalmannschaft und brachte von dort eine Covid-Infektion mit. Mitte Dezember durfte er dann wieder im VfL-Trikot ran, stand seit dem 1:2 bei den Bayern immer in der Startelf. Doch am Samstag in Berlin offenbarte der Innenverteidiger 45 Minuten lang Konditions- und Konzentrationsprobleme, die seine Wettkampf-Tauglichkeit infrage stellen. "Wir werden dem Ganzen nachgehen, ihn untersuchen und dann werden die Mediziner dazu etwas sagen können", sagt Schmadtke.

Hat Trainer Oliver Glasner den Abwehrmann also zu stark beansprucht? "Er hat das fünfte Spiel am Stück gemacht mit einer Pause dazwischen", betont Schmadtke, "da sollte sich der körperliche Zustand eigentlich verbessern und nicht verschlechtern." Doch bei Pongracic passierte genau das. Während er bei Bayern München und in Dortmund nach 78 Minuten sowie gegen Stuttgart zwischendurch nach 73 Minuten keine Kraft mehr hatte, musste der Kroate in Berlin zur Halbzeit runter. Kapitän Josuha Guilavogui kam rein und machte seine Sache im Abwehrzentrum richtig gut. Wäre das nicht auch eine Möglichkeit für die Startelf gewesen? "Im Nachhinein ist das leicht zu sagen", so Schmadtke. "Vor allem, wenn man sieht, wie Josh gespielt hat, wäre es natürlich besser gewesen."

Guilavogui musste auf ungewohnter Position ran, weil die Alternativen derzeit beim VfL rar sind - auch wegen Corona. Lacroix hatte nach seinem Comeback in Dortmund nach Covid-Infektion einen Rückschlag erlitten und muss jetzt behutsam aufgebaut werden. Hinzu kommt Steffen, der auch drei Monate nach seiner Virus-Erkrankung noch über zwischenzeitliche Atemprobleme klagt. "Wir gehen mit dem Thema sehr sensibel um“, versichert VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer. Es sei wichtig, "eingehende Untersuchungen" vorzunehmen und diese zu wiederholen, sagt Schmadtke. "Die neuesten Erkenntnisse muss man dann in die Untersuchungen einfließen lassen und schauen, ob und welche Folgen eine Corona-Infektion hat." Wenn es Folgen gibt, "sagt die Fürsorgepflicht, dass man den Spieler nicht einsetzt und belastet – aber so verfahren wir ja auch."