05. April 2021 / 08:53 Uhr

Von Osterwald bis Grunewald: Hindernisse überwindet Lennart Mesecke nur allzu gern

Von Osterwald bis Grunewald: Hindernisse überwindet Lennart Mesecke nur allzu gern

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der Start bei der im August in China geplanten Universiade ist das nächste große Ziel von Hindernisläufer Lennart Mesecke (links).
Der Start bei der im August in China geplanten Universiade ist das nächste große Ziel von Hindernisläufer Lennart Mesecke (links). © IMAGO/Beautiful Sports
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In Osterwald hat sie begonnen, die schon jetzt beeindruckende Karriere von Lennart Mesecke. Inzwischen ist er 23 Jahre alt und einer der besten Hindernisläufer des Landes - mittlerweile im Dress der LG Nord Berlin. Aber vielleicht ja auch im deutschen Leibchen bei den Olympischen Spielen 2024...

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"Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin, deswegen muss ich nächstens wieder hin. Die Seligkeiten vergangener Zeiten sind alle noch in meinem kleinen Koffer drin“, haben Marlene Dietrich und Hildegard Knef einst gesungen. Lennart Mesecke war zu den Veröffentlichungsterminen beider Schallplatten in den Jahren 1955 und 1963 noch lange nicht geboren. Und dennoch passt der Text wirklich gut auf den Leichtathleten aus Osterwald.

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Auf seiner Paradedisziplin, dem Hindernislauf über 3000 Meter, gehört der 23-jährige Maschinenbaustudent zu Deutschlands Spitzenathleten. Doch los ging alles beim SV Wacker Osterwald – und zwar bei der Kinderleichtathletik unter den Coaches Alfred Leopold und Thorsten Lange. Lennarts drei Jahre älterer Bruder Torben war dort ebenfalls angemeldet – und Lennart schloss sich an. Später folgte auch noch Bjarne, der jüngste der drei Mesecke-Sprösslinge. Heute ist von den drei Brüdern nur noch Lennart aktiv.

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„Ich habe relativ früh gemerkt, dass mir das Laufen am meisten liegt“, sagt Lennart Mesecke heute. Doch – so ist es üblich in jungen Jahren – bei den vereinsinternen Schülerdreikämpfen rannte er nicht nur schnell, sondern sprang auch weit und warf den Schlagball. Schon bald kamen kleinere regional ausgetragene Wettkämpfe hinzu, die ersten Erfolgserlebnisse für Lennart stellten sich ein. „Beim 1000-Meter-Lauf habe ich schnell gemerkt, dass ich da ganz gut mithalten kann“, sagt Mesecke.

Merkert wird ein Mentor für Mesecke

Und auch anderen blieb diese Erkenntnis nicht verborgen. Laufcoach Ulrich „Ulli“ Merkert wurde bei einer dieser Veranstaltungen auf den jungen Garbsener aufmerksam und holte ihn in seine Laufgruppe in Hannover. Fortan kamen neben dem Training in Osterwald auch Spezialeinheiten im Sportleistungszentrum (SLZ) in Maschseenähe hinzu. „Man kann schon sagen, dass Ulli für mich in dieser Zeit so eine Art Mentor war“, sagt Mesecke. „Er hat meine Entwicklung vom Spaß- und Hobbyläufer hin zum Leistungssport maßgeblich begleitet und eine Menge dazu beigetragen.“

Durch Bekanntschaften innerhalb seiner neuen Trainingsgruppe wuchs der Wunsch, auch in einem starken, gemeinsamen Team starten zu können. Als Folge wechselten er und einige seiner SLZ-Mitstreiter zur SG Bredenbeck. Deutscher U18-Meister über 2000 Meter Hindernis in Wattenscheid wurde er dann 2014 auch im neuen Dress des Klubs vom Deister. Bis heute stehen drei allein errungene DM-Titel sowie sechs in seinen jeweiligen Mannschaften in Meseckes Vita.

Etwas später ging es dann zumindest für den Sport in die deutsche Hauptstadt – und damit kommt Berlin ins Spiel. Auf bundesweiten Laufmeetings hatte er sich mit Thilo Brill angefreundet, der für die LG Nord Berlin startet. Dessen Vater Klaus ist dort Vereinspräsident. Die Brills lockten, und 2016 gab Mesecke dem Werben nach.

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Alsbald stellten sich in der nunmehr topbesetzten Mannschaft die Erfolge ein. Direkt im Jahr seines Wechsels gingen zwei erste Plätze der deutschen Meisterschaft der U20-Teams an die Spree: Sowohl im Crosslauf als auch bei der 3x1000-Meter-Staffel ließen die LG-Athleten niemanden vorbei.

Bleibt noch die Frage zu klären, was es denn nun mit dem Koffer auf sich hat, denn heimisch ist Mesecke schließlich bis heute in Hannover; in der Nähe der Leibniz Universität bewohnt er eine Dreier-WG. Berlin ist lediglich sein sportliches Zuhause. Nun, im Jahr 2015 wurde erstmalig ein solches Gepäckstück vom Paketboten angeliefert. Absender: Deutscher Leichtathletik-Verband, Alsfelder Straße 27 in 64289 Darmstadt. Inhalt: Sportkleidung für die deutsche Nationalmannschaft. Trikot, Jacke, T-Shirt – was man eben so braucht, wenn man auserwählt wurde, seine Nation auf internationalen Wettbewerben zu vertreten. Die erste Anprobe erfolgte rund um die U20-EM in Schweden.

Olympische Spiele 2024 - warum nicht?

Alle vier Jahre gibt es ein neu designtes Deutschlanddress – immer pünktlich zu den Olympischen Spielen werden die Athleten neu eingekleidet. Vorausgesetzt, sie gehören noch zum Kader. Somit musste sich schon ein weiteres Mal ein Kofferträger in der Calenberger Neustadt abmühen, um Mesecke neue Sportklamotten zu liefern. Mit Platz fünf gelang ihm bei der U23-EM in Schweden sein bislang bestes Resultat für im Nationaldress. Auch für die im August in China geplante Universiade wäre der Masterstudent noch passend ausgerüstet.

Die Teilnahme in Chengdu ist sein nächstes großes Ziel, „mit Olympia wird es in diesem Jahr allerdings eher nichts“, sagt er. Aber 2024 könne man ja noch mal schauen. Aktuell befindet sich der hannoversche Berliner in der Weltrangliste der 3000-Meter-Hindernisläufer als drittbester Deutscher auf einem beachtlichen 116. Rang. Seine persönliche Bestzeit liegt bei 8:40 Minuten. Und wenn demnächst noch einmal ein Paketbote klingelte, Mesecke würde ihn garantiert nicht unverrichteter Dinge wieder davonfahren lassen.

Im Jahr 2002 legte Udo Lindenberg den „Koffer in Berlin“ übrigens neu auf. Und als die CD gerade nagelneu in den Regalen stand, tauchte in Osterwald ein blonder fünfjähriger Junge erstmalig beim Leichtathletiktraining auf.