25. Januar 2022 / 15:15 Uhr

Leon Damer gibt Havelse Aufwind – im Sommer wäre er fast bei 96 gelandet

Leon Damer gibt Havelse Aufwind – im Sommer wäre er fast bei 96 gelandet

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Leon Damer gelang gegen den 1. FC Magdeburg ein Traumtor für den TSV Havelse.
Leon Damer gelang gegen den 1. FC Magdeburg ein Traumtor für den TSV Havelse. © imago images/Jan Huebner
Anzeige

Das 1:1 beim Tabellenführer 1. FC Magdeburg gibt dem TSV Havelse Auftrieb im Abstiegskampf. Im Mittelpunkt: Leon Damer mit seinem Freistoß-Traumtor zum Ausgleich. Vor der Saison wäre er fast zu Hannover 96 gewechselt.

Für Schlusslicht Havelse war das 1:1 bei Drittligaspitzenreiter Magdeburg am Sonntag ein Lebenszeichen aus dem Tabellenkeller – mit einem schönen Ausrufezeichen. Mit dem Traumtor zum Ausgleich bewarb sich Leon Damer fürs „Tor des Monats“ und mit der starken Leistung für höhere Aufgaben. „Der NDR wollte ihn nach dem Spiel direkt im Interview, die haben das schon auf dem Schirm“, witzelte Sportdirektor Matthias Limbach wegen der Traumtor-Auszeichnung.

Anzeige

Und auch Damer selbst konnte kaum fassen, wie schön sein Tor wirklich war: Aus 22 Metern flog der Schuss ans Lattenkreuz und rein. „Ich übe schon Freistöße nach dem Training. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass einer mal so perfekt geflogen ist“, erzählt er lachend.

Mehr zum TSV Havelse

Das Traum­tor war der Ausgleich in einem Spiel mit maximal unterschiedlicher Ausgangslage – Erster gegen Letzter –, das trotzdem auf Augenhöhe lief. Damer hatte einen großen Anteil an der couragierten Leistung, die einen Punkt brachte. Es war seine beste Saisonleistung und „einfach pure Freude in so einem Spiel gegen so einen Gegner“.

Veto von Martin Kind

Schon im Sommer nach dem Aufstieg hatte Damer mit der 2. Liga geliebäugelt, auch Angebote gab es. Aber erst hatte er Pech, dann verzockte sich das Talent etwas. „Stimmt, das lief nicht ideal“, sagt Damer entwaffnend ehrlich und lacht. Er ist ein positiver Mensch, auch die Sommersorgen haben das nicht geändert.

Damals hatte ihn der neue 96-Coach Jan Zimmermann aus Havelse mit zu dem Zweitligisten nehmen wollen, scheiterte aber am Veto des Klubbosses. Martin Kind wollte lieber die eigenen 96-Talente gefördert wissen. „Es gab mehrere Interessenten, ich habe auch Gespräche geführt“, sagt Damer. Auch Paderborn klopfte an, aber etwas Festes wurde auch daraus nicht.

EInjahresvertrag beim TSV Havelse

Also unterschrieb Damer nach vier Wochen ohne Teamtraining spät einen neuen Einjahresvertrag in Havelse, zu überschaubaren Konditionen. „Wie ein Rückschritt“ habe sich das für ihn aber „auf keinen Fall angefühlt“, betont er: „Ich bekomme viel Spielpraxis, kann mich in der 3. Liga beweisen.“ Und Damer fühlt sich noch sichtlich wohl in seiner neuen, alten Mannschaft.


Für die Havelser Qualität und die Hoffnung auf den Klassenerhalt ist Damer auf jeden Fall etwas wert. Und der 21-Jährige ist ein „echter Garbsener Jung“, das freut TSV-Manager Limbach ganz besonders. Man dürfe es Damer auch „wirklich nicht übel nehmen, dass er seinen Marktwert austesten möchte. Solange er bei uns ist, freuen wir uns. Und wenn ihn sein Weg irgendwann höher zieht, freuen wir uns auch mit ihm“, sagt Limbach.

Bilder zum Spiel der 3. Liga zwischen dem 1. FC Magdeburg und dem TSV Havelse

Havelses Trainer Rüdiger Ziehl gestikuliert an der Seitenlinie. Zur Galerie
Havelses Trainer Rüdiger Ziehl gestikuliert an der Seitenlinie. ©

Diesen Traum lebt Damer natürlich immer noch, „na klar“. Aber er hat eine gute Sicht auf die Dinge: „Ich bin noch jung und arbeite darauf hin. Aber wann es so weit sein wird und ob – das liegt ganz an mir und wie ich abliefere.“ Wenn er weiter abliefert wie gegen Magdeburg, sieht es gut aus.

Das gilt womöglich auch für Havelse im Abstiegskampf. „Viele haben uns schon abgeschrieben, aber wir intern haben das nicht“, unterstreicht Damer. Das überraschende 1:1 sei der nächste Beweis gewesen, „dass wir mithalten können“. 16 Spiele stehen noch aus, 48 Punkte sind zu vergeben – Damer hat’s ausgerechnet: „Es ist noch nichts vorbei!“ In der englischen Woche geht’s sogar schon Mittwoch (19 Uhr) weiter – daheim in der HDI-Arena gegen den Tabellenzehnten Wehen Wiesbaden.