29. Juli 2020 / 05:30 Uhr

NHL-Star Leon Draisaitl über den Re-Start, die Play-offs und die Auszeichnung als wertvollster Spieler

NHL-Star Leon Draisaitl über den Re-Start, die Play-offs und die Auszeichnung als wertvollster Spieler

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der deutsche NHL-Star Leon Draisaitl spricht im Interview über individuelle Auszeichnungen, die Corona-Pause und den Re-Start der Liga.
Der deutsche NHL-Star Leon Draisaitl spricht im Interview über individuelle Auszeichnungen, die Corona-Pause und den Re-Start der Liga. © Curtis Comeau/imago images
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Der deutsche Eishockey-Profi Leon Draisaitl spricht im exklusiven SPORTBUZZER-Interview über seine Nominierung als bester Spieler der Saison, die Corona-Pause und den Traum vom Stanley-Cup-Sieg. Am Samstag startet er mit den Edmonton Oilers in die Play-offs der NHL.

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Es war der 11. März, als der deutsche Eishockey-Star Leon Draisaitl, der am Dienstag als Laureus-Botschafter vorgestellt wurde, sein bisher letztes Spiel in der nordamerikanischen Profiliga NHL bestritt. 2:4 verloren seine Edmonton Oilers damals gegen die Winnipeg Jets. Danach stoppte die Corona-Pandemie die Liga. Seitdem ist viel passiert: Der gebürtige Kölner wurde als erster Deutscher als bester NHL-Scorer ausgezeichnet. Inzwischen ist er für gleich zwei Auszeichnungen als bester Spieler der Liga nominiert worden. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über die Pause, den Neustart am kommenden Samstag und die Bedeutung der Trophäen.

SPORTBUZZER: Leon Draisaitl, am Samstag beginnt die NHL wieder. Ist Alltag eingekehrt?

Leon Draisaitl (24): Wir trainieren schon länger wieder zusammen im Team. Wir haben normales Training, achten abseits des Eises darauf, dass wir Masken tragen und uns an Hygienevorschriften halten. Wir sind alle froh, dass wir wieder Eishockey spielen dürfen. Dementsprechend geht es uns ganz gut. Es war eine komische Zeit für alle, und ich habe versucht, mich so gut wie möglich fit zu halten.

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Wie haben Sie versucht, in dieser Zeit abzuschalten?

Es ist schön, dass ich viel Zeit mit meiner Freundin und meinem Hund zu Hause verbringen konnte. So fahre ich am besten herunter.

Normalerweise wäre die Saison zu Ende, Sie wären in Köln auf Heimatbesuch. Wie fühlt es sich an, nun noch spielen zu müssen?

Es ist einfach ein ungewöhnliches Jahr und deshalb kann ich mich nicht beschweren. Ich werde nach der Saison nach Hause fliegen und dort ein paar Wochen verbringen.

In der NHL geht es nun direkt los mit den erweiterten Play-offs. Sie spielen gegen die Chicago Blackhawks. Wie schwer fällt es Ihnen, nach der ungewöhnlichen Pause wieder zu spielen?

Ich gebe zu, dass es bei mir immer ein bisschen dauert, bevor ich in Fahrt komme. Wir Spieler sitzen aber jetzt alle im selben Boot und müssen uns auf die Situation einstellen. Wir waren vor der Pause gut drauf, und ich hoffe, dass es so weitergeht. Jetzt gibt es aber keine Ausreden! Sobald die Spiele anfangen, müssen wir bereit sein.

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Dominik Kahun (Jahrgang 1995, Center bei den Buffalo Sabres) ©

Hätten Sie sich auch mit einem Saisonabbruch anfreunden können?

Ich hätte damit leben müssen. Ich habe aber gehofft, dass wir die Saison beenden.

Die reguläre Saison wurde als beendet erklärt, dadurch haben Sie die Trophäe als bester Scorer gewonnen.

Um ehrlich zu sein, hatte ich das zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht auf dem Schirm. Ich habe sehr, sehr wenig über Eishockey nachgedacht, und es wurde auch wenig darüber gesprochen. Ich habe mich riesig gefreut. Es ist etwas ganz Besonderes für mich.

Sie sind als Talent erst von Köln nach Mannheim gegangen und später nach Kanada. Haben Sie je an Ihrem Weg gezweifelt?

Nein. Es war immer mein Traum, hier zu spielen, und ich habe ihn mir längst erfüllt. Ich hatte immer tolle Menschen um mich herum, die mir das ermöglicht und mich aufgenommen haben.

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Wann haben Sie gemerkt, dass Sie für den Eishockey-Sport brennen?

Eishockey war immer meine Sportart Nummer eins. Natürlich hatte ich auch mal eine Phase, in der ich Fußball ausprobiert habe. Wenn man sich aber Bilder aus meiner Kindheit anguckt, stellt man schnell fest, dass mir Eishockey immer wichtig war.

Sie sind nun für die Trophäen als bester Spieler nominiert – einmal durch die NHL, einmal durch die Spielergewerkschaft. Welche Bedeutung hätte der Gewinn der Auszeichnungen?

Beide Nominierungen sind eine große Ehre für mich, weil sie aus zwei verschiedenen Richtungen kommen. Ich habe aber zwei großartige Konkurrenten, gegen die ich antrete. Wenn ich eine der Trophäen gewinne, wäre das herausragend.

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Würde sich die Wahrnehmung Ihrer Person dadurch verändern?

Natürlich würde ich mich darüber freuen, wenn mein Bekanntheitsgrad dadurch in Deutschland steigen würde. Die Trophäen würden sicherlich helfen. Ich hoffe aber, dass ich mich noch weiterentwickeln kann und noch nicht auf dem höchsten Leistungsniveau bin.

Sollten Sie eine der Trophäen gewinnen, den Stanley-Cup aber nicht – wie fällt dann das Saisonfazit aus?

Der Titel mit der Mannschaft zählt natürlich mehr. Eishockey ist ein Teamsport, und dann interessiert es nicht, wie viele oder welche Einzeltrophäen ich gewinne. Es geht darum, dass wir die beste Mannschaft sind und wir oben stehen. Wenn ich jetzt sage, dass die Einzeltrophäen mich nicht interessieren würden, wäre das gelogen. Aber es geht mir im Endeffekt um den Stanley-Cup.