19. Juni 2020 / 17:19 Uhr

Leon Schaffran: Vom "Jonglier-Rastelli" zum Profi-Keeper

Leon Schaffran: Vom "Jonglier-Rastelli" zum Profi-Keeper

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Bei Blau-Weiß Beelitz begann Leon Schaffran seine Laufbahn. Im Sommer 2018 unterschrieb der 1,86 Meter große Schlussmann einen Vertrag beim Zweitligisten Greuther Fürth.
Bei Blau-Weiß Beelitz begann Leon Schaffran seine Laufbahn. Im Sommer 2018 unterschrieb der 1,86 Meter große Schlussmann einen Vertrag beim Zweitligisten Greuther Fürth. © Sportfoto Zink/Privat
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Der Stückener Leon Schaffran, der im Nachwuchs bei Blau-Weiß Beelitz und dem RSV Eintracht 1949 spielte, steht als dritter Torhüter im Kader des Zweitligisten Greuther Fürth.

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„Daran kann ich mich sogar noch sehr gut erinnern“, entgegnet Leon Schaffran, nachdem er auf den Spargelcup seines Heimatvereins SG Blau-Weiß Beelitz vor zehn Jahren angesprochen wird. Der heute 21-Jährige trug damals schon das Trikot des RSV Eintracht 1949 und überzeugte als Nachwuchs-Torhüter mit ganz besonders viel Ballgefühl. „Jonglier-Rastelli“: Leon Schaffran mit 1004 Ballberührungen – so titelte die Märkische Allgemeine in ihrer Ausgabe am 30. Juni 2010. „Man hatte immer zwei Versuche beim Jonglierwettbewerb“, erinnert sich der in Stücken (Ortsteil der Gemeinde Michendorf) aufgewachsene Keeper. „Beim ersten Mal hatte ich nur etwas über 200 Kontakte geschafft und schon gar keine Lust auf den zweiten Versuch.“ Bei dem lief es aber umso besser. Zehn bis zwölf Minuten habe er das runde Leder in der Luft gehalten und sich damit einen kleinen Pokal gesichert. Von seiner persönlichen Bestleistung war das aber noch weit entfernt. Diese lag bei etwas über 2000 (!) Ballberührungen.

Woher so viel Ballgefühl in so jungen Jahren kam? „Ich habe mit meinem Papa schon mit vier Jahren mit dem Training angefangen – direkt als Torwart. Jonglieren gehörte da als eine der Grundübungen von Anfang an dazu und es wurde immer viel wert auf meine Beidfüßigkeit gelegt“, sagt der 1,86 Meter große Kicker, der 2016 am Gymnasium in Michendorf sein Abitur ablegte. Zu dieser Zeit stand er noch im Kader der A-Junioren von Hertha BSC. Mit denen musste er sich im DFB-Pokalfinale der Saison 2015/16, als Schaffran hinter den heutigen Bundesligaspielern Maximilian Mittelstädt und Jordan Torunarigha das Tor hütete, Hannover 96 mit 2:4 geschlagen geben. Nach zwei weiteren Jahren bei den Berlinern, zu denen er 2012 nach drei Spielzeiten beim RSV Eintracht ging, entschloss sich der Schlussmann zu einem Wechsel.

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„Ich hatte nicht mehr die sportliche Perspektive, wie ich sie mir erhofft habe und kam nicht auf die Spielzeit, die ich als junger Torhüter brauche, um mich weiterzuentwickeln“, begründet Schaffran seine damalige Entscheidung, sich nach einem neuen Verein umzusehen. Nachdem es bei einigen interessierten Clubs nicht hundertprozentig gepasst hatte, wurde er zu einem Probetraining zum Zweitligisten Greuther Fürth eingeladen, der auf der Suche nach einer neuen Nummer drei war. „Dort ist Christian Fiedler Torwarttrainer. Ihn kannte ich noch aus meiner Zeit bei Hertha“, erinnert sich Schaffran, der mit seiner Leistung beim ersten Training in Mittelfranken aber alles andere als zufrieden war.

Die Fürther, bei denen der Ex-Herthaner Sascha Burchert die unumstrittene Nummer eins ist, statteten ihn trotzdem mit einem Einjahres-Vertrag aus, der im vergangenen Sommer um zwei Spielzeiten verlängert wurde und noch bis zum 30. Juni 2021 läuft. In den zurückliegenden beiden Spielzeiten kam der Brandenburger bei der zweiten Fürther Mannschaft in 46 Regionalligaspielen zum Einsatz und stand inzwischen dreimal im Kader der Profis. „Das Training mit Christian Fiedler, Sascha Burchert und unserer Nummer zwei Marius Funk bringt mich enorm weiter. Von erfahrenen Mitspielern wie Mergim Mavraj und Marco Caligiuri lerne ich zudem extrem viel und habe mich in den vergangenen zwei Jahren sportlich wie menschlich weiterentwickelt.“

Diesen Weg will Schaffran, dessen Papa Andreas Wicklein trotz der Entfernung von der Heimat nach Fürth so oft es geht bei den Spielen seines Sohnes ist, in der kommenden Saison weitergehen und „noch mehr Druck“ auf die beiden Keeper vor ihm ausüben. „Ich fühle mich hier auf jeden Fall extrem wohl und freue mich auf die kommenden Herausforderungen.“ Gedanken an einen Vereinswechsel sind aktuell in weiter Ferne.