11. Juni 2021 / 15:03 Uhr

Lerch-Abschied aus Wolfsburg: Ein Bayern-Satz hat ihn "emotional getroffen"

Lerch-Abschied aus Wolfsburg: Ein Bayern-Satz hat ihn "emotional getroffen"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Nicht einverstanden: Stephan Lerch (r.) kritisiert seinen Bayern-Kollegen Jens Scheuer.
Nicht einverstanden: Stephan Lerch (r.) kritisiert seinen Bayern-Kollegen Jens Scheuer. © Boris Baschin
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Stephan Lerch hat sich vom VfL Wolfsburg verabschiedet. Der Trainer der Fußballerinnen nimmt viele Erinnerungen mit - und hinterlässt eine klare Botschaft an den Dauerkonkurrenten FC Bayern und dessen Trainer.

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Der Schreibtisch ist leer, die Büroschlüssel abgegeben - am Freitag verabschiedete sich Stephan Lerch von seinem Arbeitsplatz am Elsterweg. Sechs Jahre war der 36-Jährige für den Erfolg der VfL-Fußballerinnen mit zuständig, zwei Jahre als Co-Trainer, vier Jahre als Chefcoach. "Wenn man nicht zu viel nach vorn und nach hinten schaut, dann geht's", sagt er. "Ansonsten ist das aber für mich schon ziemlich emotional, das habe ich in den vergangenen Tagen schon gemerkt."

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Lerch, der zur kommenden Saison die männliche U17 der TSG 1899 Hoffenheim übernimmt, verlässt Wolfsburg mit einer langen Titelliste. Als Co-Trainer von Ralf Kellermann (jetzt Sportlicher Leiter der VfL-Frauen) wurde er Pokalsieger und Meister, als Cheftrainer holte er drei Meisterschaften und vier Pokalsiege, zog zudem zweimal ins Champions-League-Finale ein.

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Jetzt wird gepackt, Ende des Monats verlässt er mit seiner Familie das Zuhause in Fallersleben, es geht in die Nähe seiner Heimatstadt Darmstadt, von dort aus wird er täglich nach Sinsheim pendeln. Mit im Gepäck: Erinnerungen an Siege und Titel - und an eine jahrelange Rivalität mit dem FC Bayern, der ihm in seiner letzten VfL-Saison den Meistertitel mit zwei Punkt Vorsprung wegschnappte. Dass es "nur" die Vizemeisterschaft wurde, nimmt er sportlich, denn: "Die Bayern haben es verdient, haben in der Saison sehr dominant gespielt, das steht außer Frage." Aber: "Es gibt eine Sache, die mich dann schon emotional getroffen hat."



Scheuer-Aussage für Lerch "respektlos!"

Und die betrifft Jens Scheuer, den Trainer des Konkurrenten. Im Nachgang des letzten Spieltags, an dem die Bayern durch ein 4:0 gegen Frankfurt den Titel perfekt machten, sprach der FCB-Coach davon, dass diese Meisterschaft "so verdient war wie keine andere zuvor". Diese Aussage hat Lerch mächtig geärgert: "Denn sie ist respektlos!" Damit, so der Noch-VfL-Trainer (sein Arbeitsverhältnis endet offiziell am 30. Juni) stelle Scheuer "den Erfolg seiner Mannschaft in diesem Jahr über alle Mannschaften, die in den vergangenen 47 Jahren eine Meisterschaft errungen haben. Das gehört sich einfach nicht."

61 von 66 möglichen Punkten sammelte Bayern in der abgelaufenen Saison, das ist beeindruckend - aber eben auch kein Rekord. Im Jahr davor war der VfL auf 62 Punkte gekommen, die Höchstmarke hält Frankfurt mit 63 Zählern aus der Saison 2004/05. Aber Lerch geht es gar nicht so sehr um die Zahlen. "Denn solche Vergleiche sind ohnehin immer fragwürdig. Ich verstehe die Euphorie, die bei den Bayern vielleicht herrscht, weil es für sie die beste Saison war. Doch da fehlt mir ein Stück weit eine gewisse Demut, und das widerspricht auch meinem Gefühl für Fairness und Gerechtigkeit. Denn man muss es schon richtig einordnen - nicht für den VfL Wolfsburg, sondern für alle Klubs, die schon Meister waren und die alle ihre eigene Geschichte geschrieben haben."

Lerchs Geschichte geht nun in Hoffenheim weiter, beim Trainingsstart seiner neuen Mannschaft am 21. Juni ist er dabei, danach darf er noch ein paar Urlaubstage einstreuen, ehe der Alltag in der Süd/Südwest-Staffel der B-Junioren-Bundesliga beginnt. Und irgendwann werden dann auch die Spiele im DFB-Pokal der Junioren anstehen, was Lerch ein gewisses Schmunzeln entlockt - denn in seiner gesamten Wolfsburger Zeit hat er kein einziges Pokalspiel verloren. "Ich werde vieles mitnehmen aus den Jahren beim VfL - diese Serie gehört definitiv dazu".