20. Dezember 2020 / 16:16 Uhr

Kommentar: Leroy Sané braucht den FC Bayern mehr als der FC Bayern Leroy Sané

Kommentar: Leroy Sané braucht den FC Bayern mehr als der FC Bayern Leroy Sané

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Welpenschutz für Leroy Sané beim FC Bayern ist abgelaufen, meint SPORTBUZZER-Redakteur Sönke Gorgos.
Der Welpenschutz für Leroy Sané beim FC Bayern ist abgelaufen, meint SPORTBUZZER-Redakteur Sönke Gorgos. © imago images/Kirchner-Media (Montage)
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Beim Topspiel in Leverkusen wurde Bayern-Star Leroy Sané ein- und wieder ausgewechselt – die sportliche Höchststrafe. SPORTBUZZER-Redakteur Sönke Gorgos beleuchtet die Lage des Nationalspielers in München und sieht Sané in der Pflicht.

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Die Vorschusslorbeeren waren gewaltig, als der FC Bayern im Sommer Leroy Sané von Manchester City verpflichtete. Von einem "Königstransfer" war da die Rede, Hasan Salihamidzic nannte den 50 Millionen Euro teuren Linksaußen eine "absolute Verstärkung".

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Ein halbes Jahr später lässt sich feststellen: Derzeit braucht Sané den FC Bayern mehr als der FC Bayern Sané. Denn: Das Triple in der vergangenen Saison gelang ohne ihn. Und dass der Nationalspieler seiner Form hinterherläuft, spielt für die aktuellen Ergebnisse des "Weihnachtsmeisters" keine Rolle. Sané muss sich strecken, wenn er bei den Münchnern richtig ankommen und beweisen will, dass seine Qualitäten einem Top-Klub dauerhaft helfen. Die Voraussetzungen dafür scheinen beim deutschen Rekordchampion perfekt. Sané muss sie nur nutzen.

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Klar scheint: Der "Welpenschutz", den Sané nach seiner langwierigen Verletzung und einer ersten Eingewöhnung ohne Zweifel genoss, ist aufgebraucht. Nichts verdeutlichte dies so sehr wie dieses Wochenende, an dem Sané nach einer frühen Einwechslung gegen Leverkusen von Trainer Hansi Flick nach einer Nettospielzeit von 36 Minuten wieder ausgewechselt und tags darauf von Karl-Heinz Rummenigge öffentlich in die Pflicht genommen wurde.

Die sportliche "Höchststrafe" traf Sané erkennbar. So viel war schon direkt nach der Auswechslung aus Mimik und Gestik abzulesen. Am nächsten Morgen äußerte er sich gegenüber Bild auch verbal – mit Aussagen, die auf den ersten Blick nicht nach Rebellion aussahen. Er gestand ein, dass er wenig Zeit hatte, in einen Rhythmus zu kommen und versprach, 2021 anzugreifen. Dass es rund um Sané gärt, wurde vor allem zwischen den Zeilen deutlich. Interessant ist, was er nicht sagt – denn natürlich sind die Worte eines solchen Statements im Zeitalter von Social Media mit größtmöglicher Sorgfalt gewählt; Sané betont etwa, er spüre "das volle Vertrauen der Mannschaft" – wie es um den Trainer bestellt ist, sagt er nicht. Auch der Satz "Das passiert einmal" lässt erkennen, wie Flicks taktisch begründete Maßnahme im Sané-Lager angekommen ist.

Sané ist angezählt – und muss jetzt liefern

Rummenigge ("Der Trainer hat alles richtig gemacht") brachte wenig später weniger subtil auf den Punkt, woran es bei Sané hapert. Der Spieler müsse "den nächsten Schritt machen“ und "seinen Charakter an den FC Bayern anpassen". Mit anderen Worten: Härter als bisher arbeiten, um sich eine Zukunft beim Rekordmeister zu verdienen. Nur dann glaube er, dass Sané "eine gute Zukunft beim FC Bayern haben kann", sagte Rummenigge mit klarer Betonung auf dem "kann". Nach der Liebesheirat im Sommer scheinen auf beiden Seiten Zweifel an der Beziehung gekommen. War der Wechsel ein Missverständnis? Die Antwort auf diese Frage kann nur Sané geben – und zwar auf dem Platz.