27. Mai 2020 / 15:36 Uhr

Leserbrief zum möglichen Oberliga-Rückzug des BSC Süd: "Höchste Eisenbahn"

Leserbrief zum möglichen Oberliga-Rückzug des BSC Süd: "Höchste Eisenbahn"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Nach dem 4:4 gegen den SC Staaken gastieren die Kicker des BSC Süd 05 am Sonntag bei Oberliga-Schlusslicht Lok Stendal.
Derzeit ist noch nicht bekannt, in welcher Liga der Brandenburger SC Süd in der kommenden Saison spielen wird. © Marcus Alert
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NOFV-Oberliga Nord: BSC-Süd-Fan Manfred Lutzens äußert sich per Leserbrief zur prekären Lage des Traditionsvereins.

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Nicht wenige Fußballinteressierte hat die Nachricht des möglichen Rückzugs des Brandenburger SC Süd aus der Oberliga überrascht. Vor allem die Anhänger des Traditionsvereins, der in diesem Jahr seinen 115. Geburtstag feiert, sind schockiert von den Aussagen des Präsidenten Peter Janeck, der die finanziellen Missstände im Verein im SPORTBUZZER-Interview schonungslos ansprach. Auch Manfred Lutzens aus Brandenburg, Süd-Fan seit 1950, traf diese Meldung hart. Der 80-Jährige wandte sich mit einem Leserbrief an die Redaktion.

Leserbrief von Manfred Lutzens

Einen gehörigen Schreck dürften die Brandenburger Fußballfans, insbesondere jene, deren Sympathien vornehmlich dem BSC Süd 05 gelten, beim Lesen des Beitrages im „Brandenburger Kurier“ bekommen haben. So erging es auch mir, der mit 80 Jahren wohl zu den ältesten Anhängern des Traditionsvereins gehört (Fan seit 1950). Da droht nun, wie dem Interview mit Süd-Präsident Peter Janeck zu entnehmen ist, dem BSC ausgerechnet im 115. Jahr seines Bestehens möglicherweise der Rückzug aus der Oberliga.

Aber hier geht es meiner Ansicht nach keinesfalls nur um diesen Verein, der da BSC Süd 05 heißt, sondern eben gleichermaßen um die Havelstadt Brandenburg. Wird sie doch bereits seit 1999 (mit dreijähriger Unterbrechung) von den „Nullfünfern“ in dieser mittlerweile fünfthöchsten Spielklasse des DFB repräsentiert. Sie sind zweifelsohne ein gutes Aushängeschild für Brandenburg. Viele andere Orte würden uns darum beneiden.

In Bildern: Trainer vom BSC Süd 05 von Eckart Märzke bis Mario Block.

<b>Eckart Märzke:</b> 1. Juli 1991 bis 25. April 2004. Zur Galerie
Eckart Märzke: 1. Juli 1991 bis 25. April 2004. ©

Erfreulich, dass sich der SPORTBUZZER in seinem Interview mit Süd-Präsident Janeck der hiesigen, prekären Fußball-Lage annimmt. Es ist „höchste Eisenbahn“ in unserer Stadt, die inzwischen so viel erreicht und bewegt hat (inklusive ihres attraktiven Antlitzes), darauf zu reagieren. Ja, mit Blick auf die nächste Saison dürfte es schon fast fünf Minuten nach 12 sein! Denn der BSC, zuletzt bereits mit Mühe und einer Portion Glück dem Abstieg entgangen, sollte nach Stand der Dinge durch die Sonderreglung (Saisonabbruch) die Oberliga für ein weiteres Spieljahr sicher haben.

Um dann 2020/21 auch konkurrenzfähig zu sein, bedarf es jedoch einer gewissen finanziellen Basis und eines soliden Kaders. Dabei erschwert die ungünstige „fußballerisch-geographische“ Lage Brandenburgs die Ausgangsbasis, denn Aktive aus anderen Vereinen zieht es nicht unbedingt hierher. Zugleich aber geht trotz aller eigenen Nachwuchsarbeit die Zahl geeigneter junger Kicker seit Jahren (übrigens fast überall in deutschen Landen) immer weiter zurück.

Die wenigen Talente wie Rexhbecaj (VfL Wolfsburg/ 1. FC Köln - Bundesliga), Wajer (Chemie Leipzig), Bütterich (Greifswalder FC ) und Beyer (TSG Hoffenheim) haben längst die Stadt verlassen. Andere wiederum begnügen sich damit, „rund um den Beetzsee“ zu spielen. Mit dem Gedanken, eventuell beim BSC bedingtermaßen nur noch eine Jugendabteilung zu behalten, dürfte sich aber wohl keiner anfreunden können. Ist doch in jedem Verein die 1. Mannschaft seit eh und je überall das Maß aller Dinge.

Aktuelles aus dem Fußballkreis Havelland

In der gegenwärtigen Brandenburger Fußball-Notsituation sollte sich meiner Meinung nach insbesondere die Kommune (trotz Corona) angesprochen fühlen. Geht es doch in diesem Fall keinesfalls etwa um Millionen Euro, wie sie beispielsweise in all den Jahren der Regattastrecke oder auch dem Brandenburger Theater zugute kommen. Und ist nicht „König Fußball“ auch ein Teil unserer Kultur?! Gerne spricht man seitens der Kommunalpolitiker von der „Stadt des Sports“.

Das fordert förmlich zu entsprechender Reaktion/Aktivität heraus. Und da nun in diesen Tagen überraschend die Austragung der nächsten Billard-Europameisterschaften 2021 in Brandenburg abgesagt wurde, bietet es sich geradezu an, den seitens der Stadt dafür erneut schon bereitgestellten finanziellen Zuschuss nun dem BSC Süd 05 zuteil werden zu lassen. Vielleicht erlebt der Traditionsverein aus der Brielower Straße seinen 115. Geburtstag dann doch noch in der Oberliga.

In Bildern: Das sind die wichtigsten Sommertransfers Brandenburgs 2020/21.

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Die Sportbuzzer-Wechselbörse ©

„Gemeinsam stark“ so heißt es u. a. in Luckenwalde (21 000 Einwohner) „Auch die Stadt Luckenwalde unterstützt unseren Fußballverein FSV als Premiumpartner, wo sie nur kann“. Zur Nachahmung hier an der Havel (72 000 Einwohner) empfehlenswert. In dem Zusammenhang lassen sich weitere Beispiele nennen, wie Orte sowie Firmen unterschiedlicher Größe gemeinsam zum Vorteil ihrer in Regional- bzw. Oberliga spielenden Kicker einander kooperieren. Im „benachbarten“ Rathenow und Ludwigsfelde oder im mecklenburgischen Torgelow, Malchow, Pampow (2 900 Einwohner) bzw. im sächsischen Auerbach (18 000) und Meuselwitz stellt sich das ebenso dar.

Warum sollte es künftig nicht auch in den Mauern unserer so prosperierenden Stadt möglich sein, dafür mehr als bisher hier ansässigen leistungsstarke Unternehmen wie gleichermaßen Investoren mit einzubinden. Sie könnten auf diese Weise bestens ihre Verantwortung und Verbundenheit dokumentieren, für ein Brandenburg, das nach Kräften versucht, diesen Partnern stets „den Teppich auszurollen“.