18. Februar 2022 / 21:26 Uhr

Letztes Rennen am Samstag: Wie Claudia Pechstein endlich ihren inneren Frieden gefunden hat

Letztes Rennen am Samstag: Wie Claudia Pechstein endlich ihren inneren Frieden gefunden hat

Lars Becker
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Claudia Pechstein bestreitet am Samstag ihr letztes Rennen.
Claudia Pechstein bestreitet am Samstag ihr letztes Rennen. © IMAGO/ZUMA Press
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Rekord-Olympiateilnehmerin Claudia Pechstein gilt als Kämpferin für ihre Interessen und als "Grand Dame" des Eisschnelllaufens. Am Samstagmorgen deutscher Zeit bestreitet sie ihr letztes Rennen.

Am Dienstag wird die "ewige Eisschnellläuferin" Claudia Pechstein ihren 50. Geburtstag feiern. Zuvor tritt eine der kontroversesten Figuren der deutschen Sportgeschichte an diesem Samstag beim Massenstart (8.45 Uhr, ZDF und Eurosport) von der großen olympischen Bühne ab.

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Ernsthafte Medaillenchancen hat die "Grand Dame" nicht, aber man hat bei der früher immer so ehrgeizigen Athletin nicht das Gefühl, dass sie das noch irgendwie stören würde. Bei ihrem ersten Start in Peking über 3000 Meter war sie Letzte geworden – 20 Jahre nach ihrem Olympiasieg über die gleiche Strecke in Salt Lake City.

Innerer Frieden trotz des Verlusts zahlreicher Rekorde

"Das werden nur wenige verstehen, dass ich mit der Platzierung noch strahlen kann", sagte sie danach. "Aber das war ein Sieg für mich, mit dem Start habe ich den Rekord geschafft. Da kann man doch mal jubeln und stolz sein." Als erste Sportlerin der Geschichte weltweit nimmt sie an ihren achten Olympischen Spielen teil, bei den Männern hat das nur Skispringer Noriaki Kasai geschafft. Und vor ihrem letzten olympischen Auftritt an diesem Samstag hat die so umstrittene Claudia Pechstein endlich ihren inneren Frieden gefunden.

Bei der Olympia-Eröffnungsfeier durfte sie neben Bob-Goldgewinner Francesco Friedrich die deutsche Fahne ins Stadion tragen: "Das war trotz aller Medaillen der I-Punkt meiner Karriere." Es war eine öffentliche Wahl und sie signalisierte, dass kurz vor dem Ende der Karriere der Respekt für die sportlichen Leistungen von Claudia Pechstein überwiegt. Da war es auch egal, dass sie in den Olympia-Tagen von Peking ihre letzten olympischen Rekorde im Eisschnelllauf verlor und von der Rodlerin Natalie Geisenberger, die ihre Olympia-Goldmedaillen Nummer fünf und sechs gewann, als erfolgreichste deutsche Wintersportlerin der Geschichte (fünfmal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze bei Olympia) abgelöst wurde.

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Pechstein wirkte in Peking so gelöst wie nie, schaute als Fan bei zahlreichen Sportarten zu. Sie weiß genau, dass die achten Winterspiele auch ihre letzten sein werden. Es hätten sogar neun Olympia-Starts sein können – und genau das ist auch Ursache dafür, warum die Person Claudia Pechstein so umstritten ist. Im Juli 2009 wurde sie mit einem indirekten Nachweis durch die Internationale Eislauf-Union (Isu) des vermeintlichen Blutdopings überführt und verpasste wegen der zweijährigen Sperre Olympia 2010 in Vancouver. Pechstein wies alle Vorwürfe zurück und nannte eine von ihrem Vater vererbte Blutanomalie als Grund für die ungewöhnlichen Werte. Sie begann einen Klagemarathon gegen die Entscheidung, der noch immer andauert.

Claudia Pechstein kämpft um ihren Ruf

"Ich werde definitiv den Weg des Schadensersatzgesuchs weitergehen. Siegen oder sterben ist sinnbildlich mein Motto für das Verfahren, mit dem sich derzeit das Bundesverfassungsgericht beschäftigt. Ich habe nichts mehr zu verlieren. Mir wurde damals alles genommen. Ich saß schon im Auto und wollte mir das Leben nehmen", hat sie dazu in einem Interview gesagt. "Ich bin froh, dass ich es nicht getan habe. Ich werde bis zum Ende kämpfen, und wenn ich bis zum Europäischen Gerichtshof gehen muss, gehe ich auch dahin. Es gab niemals einen positiven Test von mir. Jeder weiß, dass das ein Fehlurteil war."

Diese Geschichte ist zur Lebensaufgabe für Pechstein geworden und wohl auch ein wichtiger Grund, warum sie immer noch aktive Eisschnellläuferin ist. Vor Olympia hatte sie heftige Kritik an der Olympia-Vergabe nach China geübt: "Ich bin zwar nicht als Politikerin hier, sondern als Sportlerin. Aber beim Thema Nachhaltigkeit stellt man sich schon etwas anderes vor als hier. Und in Zukunft sollten die Sportler an der Vergabe der Spiele beteiligt werden."

Vielleicht wird das ja ihre nächste Mission, wenn ihre hollywoodreife Karriere beendet und der 50. Geburtstag gefeiert ist.

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